Jagst-Taubertal Radtour
vom 17.07.2000 bis 26.07.2000
Auch wenn es nicht immer so klingt,
die Tour hat sehr viel Spaß gemacht.
Autor: Uwe Hauck

Tag 1: Von Möckmühl nach Mulfingen

Vorbereitung zur AbfahrtLos ging das Ganze bereits am 16. an dem wir unsere Taschen und den Lastenhänger bei Susanne und Ralf Domino in deren Garage deponierten. Wir wollten am 17. morgens nach einem letzten "normalen" Frühstück dort starten und hatten deshalb die ganze Ausrüstung dort deponiert.
Zunächst hatten wir ja die Tour über den Jagst-Kochertal Radweg geplant, dann aber doch noch beschlossen, die Strecke über die Tauber zu wagen, auch deshalb, weil dort in den passenden Streckenabschnitten auch Campingplätze zur Verfügung standen. Nur nach der ersten Etappe würden wir auf einem Privatgrundstück campieren, daß Verwandten der Dominos gehörte.

Kloster SchoentalDie erste Etappe führte uns an der Jagst entlang auf dem seit kurzem sehr gut ausgebauten Jagsttalradweg durch idyllische Landschaften. Die Strecke läßt sich sehr angenehm fahren, es gibt dort nur leichte Steigungen und der Radweg ist fast durchweg gut ausgebaut. Vorbei am Kloster Schöntal ging die Fahrt. Das Kloster ist ein interessanter Haltepunkt und beherbergt die sterblichen Überreste des Götz von Berlichingen, der die Region zwischen Jagsthausen und Möckmühl stark geprägt hat. Schöntal eignet sich gut als erster Haltepunkt für eine Rast und das Kloster ist eine Besichtigung wert. Wir allerdings hatten noch ein gutes Stück Fahrt vor uns, weshalb wir Schöntal links (eigentlich rechts) liegen ließen und weiterführen über Berlichingen um letztlich in Mulfingen, dem Ziel unserer ersten Etappe anzukommen.
Entlang der Jagst auf dem Jagsttalradweg
Bei der ersten größeren Rast an diesem Tag gab es auch den ersten technischen Defekt. Bei Uwes Rad war die Hälfte der Luft aus dem Hinterreifen verschwunden. Nach einem Reifenwechsel, der allerdings nicht ganz richtig gemacht wurde stellte sich heraus, daß der Schlauch innen am Ventil einen leichten Materialfehler hatte, der sich erst durch die kombinierte Last von Hänger und vier Gepäcktaschen auswirkte. Beim Aufziehen des Mantels wurde dann nicht genau geprüft, ob der Mantel auch rundum sitzt, was dazu führte, daß Uwe zwei Tage lang mit einer Unwucht im Rad fuhr. Erst als Uwe das gesamte Hinterrad nachgeprüft hatte, fand er den Defekt. Dies schon als erster Tipp, immer genau prüfen, ob der Reifen aufs Rad auch wirklich richtig aufgezogen wurde, speziell, wenn man den Wechsel nicht selbst durchgeführt hat.Jan entdeckt Getreide

Vor dem Aufbau unserer Zelte füllten wir allerdings noch bei einem Bauern unsere Wasservorräte für die abendliche Mahlzeit auf. Da wir uns nicht mit schwerem Essen tagsüber belasten wollten, wurde erst abends die warme Mahlzeit gekocht und über den Tag verteilt gab es Müsliriegel, Traubenzuckertabletten und bei Sibylle und mir stilles Wasser versetzt mit Vitamintabletten, während Susanne und Ralf lediglich Wasser tranken.

Der Aufbau der Zelte gestaltete sich  sehr einfach, wobei Sibylle und ich für das Zelt noch eine Zeltunterlage (eine einfache Plane, die man im Baumarkt für circa 14 DM erstehen kann) mitgenommen hatten, was sich bald als sehr nützlich herausstellen sollte.
Beide Familien hatten Familienzelte dabei, was pro Familie zwar ca. 8 Kilo Gewicht bedeutet, dafür aber uns allen ausreichend Platz bot und speziell bei schlechtem Wetter auch einen angenehmen längeren Aufenthalt im Zelt ermöglichte. Das erste Lager bei Mulfingen an der JagstZudem ließ sich der Vorraum des Zeltes als Garage für die Kinderanhänger und Fahrräder verwenden. Wir hatten uns das Sky Lounge von X-Tend gekauft, während Susanne und Ralf das Flexibility von Jack Wolfskin verwendeten. Das Sky Lounge hatten wir unter anderem deshalb ausgewählt, weil die seitliche Öffnung und somit auch der Raum zwischen den beiden Innenkabinen nicht nur 1 Meter sondern 1 Meter 50 breit ist. Allerdings hatten wir die Innenkabine zuhause gelassen um einen größeren Aufenthaltsraum zu bekommen und um das Gewicht zu reduzieren.

Jan fuehlt sich wohlJan hatte schon am ersten Abend sichtlich viel Spaß beim Zelten und began, die nähere und weitere Umgebung grabschend zu erkunden. Dabei schaffte er es sogar, still und heimlich eine schöne fette Nacktschnecke zu ergrabschen und sich in den Mund zu stopfen. Gott sei Dank bekam das allerdings Sibylle mit, was zuerst zu einem gehörigen Schreck dann aber zur allgemeinen Heiterkeit beitrug. Das erste Abendessen bestand aus verschiedenen Nudeln und einer Bolognese Sauce, wobei die Kinder bei den Großen mitessen durften, allerdings natürlich die speziell angepassten Portionen. Danach verschwanden wir recht schnell in unsere Zelte, nur Ralf setzte sich noch ein wenig an die Jagst um zu angeln. Währenddessen genossen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Der erste Abend und ein schöner Sonnenuntergang
Die erste Nacht verlief recht ruhig, allerdings schlief Jan noch nicht besonders gut, da er wohl das Ganze viel zu aufregend fand um richtig zu schlafen. Deshalb war er auch der erste, der am nächsten Morgen wach war, aber sichtlich gut gelaunt. Die Versorgung für Jan hatten wir vorsichtshalber bereits mit ans Kopfende unserer Kabine gelegt, so daß wir etwaige Hungerattacken, die er in der Nacht haben könnte gut abdecken konnten.Jan hat ausgeschlafenAm nächsten Morgen gab es dann  "frischen" Kaffee (Instant Pulver mit Instant Milch) und dazu Marmeladen- oder Honigbrote. Danach war aber auch bereits der Aufbruch zur nächsten Etappe angesagt, da unsere Tagesstrecken für eine Familientour doch recht lang waren. Im Schnitt fuhren wir pro Tag circa 40 km, was für eine Gruppe aus 4 Radfahrern mit drei Kinderanhängern und mit zwei Kindern nicht unbedingt die idealste Weite ist. Für die nächste Tour haben wir deshalb auch maximale Tagesetappen von ca. 25 km angesetzt, um frühzeitig an den entsprechenden Zeltplätzen anzukommen und auch noch die Umgebung erkunden zu können. Empfehlenswert ist unserer Ansicht nach eine Ankunft spätestens um ca. 15:00 Uhr sodaß nach dem Aufbau des Zeltes noch etwas Zeit für ein Rahmenprogramm bleibt.

Tag 2: Von Mulfingen nach Bemberg

Nach dem Abbau der Zelte und dem erneuten Beladen der Anhänger ging es auf zur nächsten Etappe, die uns nach Bemberg bei Roth am See führen sollte, wo ein Campingplatz auf uns wartete. Hier gab es bereits die ersten Probleme mit der vorab festgelegten Routenplanung, auch deshalb, weil wir jetzt ein Stück Weges vor uns hatten, das es so nicht als festgelegte Radtour gab und wir auf die dazwischen vorhandenen Radwege angewiesen waren. Hier ergab sich auch gleich der nächste Tipp für Radtouren. Jan auf Tour im CheetahWenn es einen Radweg gibt, der auf der Karte verzeichnet ist und daneben eine scheinbar kürzere Strecke, die allerdings nicht als Radweg ausgezeichnet ist, lieber dem Radweg folgen. Wie sich nämlich schon während dieser Etappe zeigen sollte, waren die Radwege mit bedacht in der Karte verzeichnet worden (was mich als ADFCLer nicht wundert, aber das ist ein anderes Thema) und die scheinbaren Abkürzungen stellten sich meist als nicht sehr Radfahrerfreundliche Routen bzw. sogar als Wegstrecken direkt auf befahrenen Straßen heraus.Uwe mit dem Lastenanhaenger  unterwegsAuch diese Etappe bot landschaftlich einige interessante Abschnitte allerdings wurde, da wir vom Jagst ins Taubertal wechseln mußten jetzt die Strecke doch hügeliger, so daß die Fahrt mit den Hängern anstrengender wurde, wobei ich es genoß mal wieder etwas "unter Last" zu fahren. Speziell die Gegend um Langenburg ist landschaftlich sehr schön, mit vielen kleinen idyllischen Orten. Empfehlenswert ist hier auch eine größere Rast, da Langenburg ein interessantes Automobilmuseum bietet. Allerdings bedeutet ein Besuch in Langenburg selbst einen starken Anstieg aus dem Tal, da Langenburg auf der Anhöhe liegt. Hier ist eventuell eine Zwischenetappe eine gute Idee.
Langenburg und eine schoene HolzbrueckeZiel dieser Etappe war Bemberg, und dort ein kleiner Campingplatz, der aber gut gepflegt war und für zwei Familien mit zwei Zelten und zwei Kindern mit ca. 30 DM für eine Übernachtung doch recht günstig war. Für die Duschen benötigten wir Münzen, die man bei der Verwaltung kaufen konnte, wobei die Duschen zwar nicht das neueste vom neuesten waren, aber durchaus gepflegt.

Auch hier waren die Zelte schnell aufgebaut, wobei sich unsere Aluminium Heringe als vorteilhaft erwiesen, denn auch auf diesem Zeltplatz benötigten wir keinen Hammer um unsere Heringe in den Boden zu bekommen.
Abendstimmung im Sky LoungeNoch immer hatten wir mit starker Bewölkung zu leben,  und auch die abendlichen Temperaturen waren noch recht frisch, so daß wir den Abend im Vorraum unseres Sky Lounge verbrachten, da bei uns die Schutzfolie unter dem Zelt auch für einen trockenen Untergrund sorgte, wenn spät abends das Gras bereits wieder feucht wurde. Und natürlich genossen wir alle eine Dusche an diesem Abend und  ein Abendessen, das dieses Mal aus Nasi Goreng bestand. Diese Stärkung war auch nötig, denn der nächste Tag begann gleich mit einem starken Aufstieg, der uns hoch auf die Ebene führte und unserem nächsten Etappenziel Rothenburg entgegen.

Tag 3: Von Bemberg nach Rothenburg

Die leichten Huegel, die in der Menge ganz schoen anstrengenLeider war die Hochebene nicht ganz so eben wie wir uns das dachten, so daß wir immer wieder mit Steigungen zu kämpfen hatten, die gerade ein wenig zu steil waren und deshalb zum Absteigen zwangen. Andererseits war das ganz gut, da wir so unsere Kräfte schonen konnten, und nicht völlig ausgelaugt in Rothenburg ankamen. Kurz vor Rothenburg ging es dann hinab ins Tal, da wir in einem kleinen Ort vor Rothenburg campieren würden. Der Abstieg war so steil, daß Sibylle und ich mit gezogener Bremse fahren mußten, um nicht die maximale Geschwindigkeit des Hängers zu überschreiten, und einen Überschlag zu provozieren. Laut Hersteller erlaubt der Cheetah z.B. nur 25km/h maximal, aber wir haben festgestellt, daß auch mit knapp über 30km/h der Hänger noch recht gut reagiert und stabil rollt. Alles darüber jedoch wird zum Risiko und bei überraschenden Brems- oder Ausweichmanövern riskiert man im Mindestfall ein Umkippen des Hängers. Aber auch mit gedrosselter Geschwindigkeit war die Abfahrt sehr schön, und das Tal in das wir kamen belohnte uns mit einem sehr schönen Blick auf Rothenburg.
Dort angekommen erwartete uns der schönste Campingplatz unserer Tour. In Detwang gelegen erwartetet uns ein gepflegtes Gelände, und ein Platz, der speziell für durchreisende Camper vorbereitet war. Ein kleiner Laden bot das notwendigste für den Spätankommenden und beim Duschen kam die nächste Überraschung, denn hier gab es die Duschen kostenlos dazu.

Weil wir uns hier so wohl fühlten und nachdem wir Detwang und die Kirche dort mit dem Thilman Riemenschneider Altar besichtigt hatten, beschlossen wir, in einem örtlichen Gasthof, dem "Schwarzen Lamm" zu Abend zu essen.

Die Kirche in Detwang mit dem AltarDer Altar. Er wurde aus Rothenburg wegen Platzmangels in die Detwanger Kirche gebracht.
Das Restaurant können wir nur empfehlen, das Essen war wirklich sehr gut und auch die Atmosphäre stimmte.
Einem Paar am Nachbartisch mussten wir ausführlich unseren Cheetah erklären, den wir für diesen Bummel zum Kinderwagen umgebaut hatten. Ein Feature, das wir auf dieser Tour sehr zu schätzen gelernt haben. Wir brauchten nur die Webberdeichsel zu entfernen und die Räder anzuschrauben, die sowieso immer nach oben gedreht dabei waren und schon konnte es losgehen. Auch die Webberkupplung halten wir für sehr empfehlenswert. Schon deshalb, weil auf dieser Etappe der Cheetah mit der Unikupplung an Susannes Rad gekoppelt worden war und Uwe mit Entsetzen abends feststellen mußte, daß sich die Kupplung gelockert hatte, vermutlich aufgrund der Rahmengeometrie am Unterrohr des Fahrrades. Die Mehrkosten für die Webberkupplung lohnen. Auch Uwe hat das gemerkt, da er den Leggero die ganze Tour über als voll beladenen Lastenanhänger zog und das Fahrverhalten mit der Kupplung hervorragend war.Uwes Lastenfahrrad.(übrigens ist ein Leggero ohne Kindersitz ein hervorragender Lastenanhänger, zumal durch die hohe Kabine ein enormer Stauraum entsteht. Ich würde niemandem empfehlen, die kleine offizielle Lastenanhängerversion zu nehmen. Dort reduziert sich der Stauraum um die Hälfte. Und auch wenn der Preis recht hoch ist, im Vergleich zu den Billig-Baumarkt-Lastenanhängern bietet der Leggero eine sichere, große und fahrtechnisch sehr gute Lösung.)
 

Doch auch in Detwang blieben wir nur über Nacht, denn schon am nächsten Morgen sollte es weitergehen, zu unserem letzten Etappenziel, einem ehemaligen Militärgelände, das nun einen Campingplatz beherbergte, und wo wir einen eintägigen Aufenthalt mit dem Besuch des Bad Mergentheimer Wildparks eingeplant hatten.

Tag 4: Von Rothenburg nach Bad Mergentheim

Dieses Mal hatte man uns vorgewarnt. Da wir beim ADFC aktiv sind und immer nach Infos und Erfahrungsberichten von Radlern suchen, kam es uns gerade gelegen, daß an diesem Abend ein Tourenradler, der schon große Touren hinter sich hatte, neben uns sein Zelt aufschlug. Er hatte eine ADFC Karte dabei, die die Strecke beschrieb, die noch vor uns lag. Und eine der Anmerkungen bereitete uns auf das nun kommende erneute Auf und Ab vor. Im Gegensatz zum Jagsttal verläuft der Radweg von Rothenburg ab bis Creglingen nicht direkt am Fluß sondern der Weg klettert immer wieder etwas aus dem Tal heraus, fällt dann wieder ab um wieder an den Hügeln emporzusteigen. Zwar mussten wir nie ganz auf die Anhöhe, aber auch dieses ständige Auf und Ab ist anstrengender als eine "Genußfahrt" im Tal. Hier auch gleich wieder ein weiterer Tipp. Ein großer Vorteil der ADFC Radwanderkarten liegt in den Steigungspfeilen, die in der Karte angeben, wie stark und wie steil der Weg ansteigt. Leider, so merkte dieser Radler an, hatte man die Pfeile auf der Creglinger Strecke wohl weggelassen, er hatte aber auch eine Erklärung dafür. Da die Steigungen zwar nicht sehr lange anhielten aber immer wieder kamen, hätte man wohl die gesamte Strecke mit Pfeilen markieren müssen, was die Route recht unleserlich gemacht hätte.
Jan bei seiner Lieblingsbeschaeftigung
Jan störte das ganze natürlich herzlich wenig, er tat, was er sehr oft auf dieser Tour tat, er schlief und ließ sich auch durch schlechte Wegstrecke oder manch eine Pause nicht stören. Die Tour an sich verlief bis Bad Mergentheim eher ruhig, dort jedoch verfuhren wir uns total, so daß wir eine Strecke von fast 2 km einen steilen Berg aufstiegen, obwohl der offizielle Radweg im Tal um diesen Berg herumführte, fast genauso lange war und zudem ohne Steigungen. Bei der Abfahrt, nachdem der Fehler erkannt wurde mußte Uwe sogar von seinem Rad absteigen, da bei einem sehr steilen Gefälle der Hänger durch den dort liegenden Split zu schieben began und zweimal beinahe ins Rad gekracht wäre. Hier somit ein dringender Tipp an alle, die diese Tour nachfahren wollen. Im Tal bleiben und den offiziellen Radweg nutzen, wenn man dann in Bad Mergentheim in der Innenstadt ist, den Campingplatzschildern folgen. Damit erspart ihr euch eine anstrengende und unnötige Tortur.Der grosse Umweg

Nach diesem Umweg verfuhren wir uns fast ein zweites Mal, weil wir anstelle den direkten Weg zum Campingplatz zu fahren dem Radweg Richtung Dörzbach folgten. Gott sei Dank entdeckten wir eine Möglichkeit über eine provisorische Brücke nochmal über den Bach zu gelangen der dort floß, so daß wir anstelle 2km abwärts in den nächsten Ort und dann wiederum 2 Kilometer zurück fahren zu müssen nur knapp 500 Meter wieder zurück mußten.

Unser Platz in Bad Mergentheim. Seehr steinig.Allerdings entpuppte sich auch der Campingplatz eher als eine Enttäuschung, da es sich wirklich um ein ehemaliges Bundeswehrgelände handelte. Das bedeutete, daß der Boden nur aus einer dünnen Grasnabe und ansonsten aus viiielen Steinen bestand, und der ganze Campingplatz ein langer unansehnlicher Schlauch war, auch waren die Duschen mit 1.50 DM pro Duschmarke sehr teuer und wir bezahlten für uns und für zwei Tage Aufenthalt knapp über 100 DM. Hier benötigten wir das erste Mal den Hammer um die Aluminium Heringe in den Boden zu rammen, aber mit etwas Feingefühl fand sich immer eine Lücke zwischen den Steinen, und keiner der Heringe wurde bei der Aktion verbogen. An diesem Abend brauchte Uwe zum Abreagieren auch noch ne Fahrt in die Innenstadt, zumal unseren Kochern der Sprit ausging.Die Kueche Auch das kann man gleich als Tipp sehen. Lieber die große Vorratsflasche für Kocherbenzin nehmen, denn an gereinigtes Benzin für den Kocher zu kommen war nicht gerade trivial und die örtliche Tankstelle weigerte sich, uns normales Benzin oder Diesel abzufüllen. Deren Vorschlag war allen ernstes die Flasche mit Feuerzeugbenzin aufzufüllen. Deshalb schaffen wir uns für die nächste Tour die 1 Liter Flasche an. Ein angenehmer Aspekt des Campingplatzes war hingegen, daß Uwe ohne Gepäck nur mit seinem Rad lediglich knapp 10 Minuten brauchte, um in der Innenstadt zu sein. Währenddessen wurde dann auf dem Campingplatz alles fürs Abendessen vorbereitet. An diesem Abend gab es Nudeln mit Käsesahnesauce.
Danach ruhten wir uns alle ein wenig aus, denn am nächsten Tag wollten wir ja in den Wildpark.

Der Abend in Bad Mergentheim

Tag 5: Unser Bad Mergentheim Aufenthalt

Am nächsten Morgen gab es dann nochmals eine Fahrt nach Bad Mergentheim um zum einen die Vorräte an Lebensmitteln aufzufüllen, zum anderen um gereinigtes Benzin für unsere Kocher zu bekommen. Letztlich fand Uwe dann eine Apotheke, die uns einen Liter Benzin geben konnte.
Auf dieser Tour war auch Jan dabei und er entwickelte sich zum Star der Tour. Immer wieder folgten uns die Blicke der Passanten und bewunderten Jan in seinem Cheetah und mehrfach musste ich die Funktionen erklären und den Cheetah einmal komplett zum Kinderwagen und dann wieder zum Anhänger umbauen.

Die Fahrradgarage.
Bevor wir in den Park marschierten, wurde das Vorzelt des Hauckschen Zeltes noch etwas umgeräumt und somit konnten wir beide Räder sowie den Leggero komplett im Vorraum unterbringen, so daß unsere Ausrüstung komplett den Blicken entschwunden war. Ein nicht zu unterschätzender Diebstahlschutz.

Für diesen Tag besorgte Uwe Gyros mit Gemüse und stockte auch die Vorräte für Jan auf, damit wir uns den ganzen Tag im Wildpark aufhalten konnten.

Der Wildpark ist wirklich sehenswert, er ist schön angelegt und gut gepflegt. Für Kinder gibt es tolle Spielmöglichkeiten und die Tiere haben schöne, artgerechte "Gehege". Sogar Kormorane und Affen gibt es in diesem Park, und speziell die Haustierschauen sind sehenswert.

Auch der Abenteuerspielplatz ist sehr schön angelegt und bietet viel Spaß für die Kinder und gute Möglichkeiten zur "Erholung" für die Eltern (;
Jan genoß besonders die Schaukel und hatte einen Riesenspaß. Der Park ist auf jeden Fall einen Besuch wert, man sollte aber wirklich einen ganzen Tag einplanen, damit man den ganzen Park in Ruhe genießen kann.


 
 

Tag 6: Zurück nach hause

Von dieser Etappe gibt es nicht viel zu berichten. Aufgrund erneuter Navigationsfehler kletterten wir gleich zu Beginn wieder anstelle des Radweges eine mindestens 3 Kilometer lange Strecke steil bergauf. (Auch hier noch ein Tipp zwischendurch: Wenn es erst mal drum geht, während der schon begonnenen Tour die Route nochmal zu planen, sollte dies nur eine Person tun, und diese sollte sich mit dem Lesen von Karten auskennen, damit vermeidet ihr nicht nur Ärger sondern auch unnötige Anstrengungen, der dümmste Spruch der bei einer Tour kommen kann lautet nämlich: Setzt ihr euch zusammen und klärt die weitere Tour. Denn es ist immer ein Kampf unterschiedlicher Interessen und zum Schluß fühlt sich keiner für die Fehler verantwortlich). Oben angelangt begegneten wir einem großen Pulk von Radfahrern, die wohl über den Radweg gekommen waren, den sie als nicht sonderlich steil beschrieben. Danach war unser einziges Ziel, mit wenig neuen Fehlfahrten nach hause zu kommen. Das gelang auch, wenn wir auch den Heimatort nicht mehr gemeinsam anfuhren, sondern uns in Oberkessach zumindest räumlich stärker voneinander absetzten. Dank der Überlast in Uwes Rad hatte sich zum Schluß in der Schaltung auch noch eine Rückhaltefeder verabschiedet, so daß Uwe die letzten ca. 30 km mit nur drei Gängen (nämlich in den drei Schaltstufen jeweils dem höchsten) fahren konnte. Und bei einem Versuch, den Schaltungsausfall wenigstens notdürftig zu reparieren verlor Uwe dann auch noch nach einem beinahe Streit ein knapp 200 DM teures Multfunktionswerkzeug. Aber ansonsten verlief die Heimfahrt eigentlich problemlos (;

Letztlich haben wir daraus einiges an Erfahrungen für weitere Touren gewonnen und die Fahrt an sich auch sehr genoßen, zumal wir festgestellt haben, daß zumindest Jan, Sibylle und Uwe wunderbar gemeinsam campen können.
 

Unsere Ausrüstung
(Im Moment erst mal die Haucksche Ausrüstung)

Zelt: X-Tend Sky Lounge mit Platz für bis zu 5 Personen, Zeltunterlage 3x4 Meter
Kocher: MSR XGKII (Entgegen anderer Meinung läßt sich der Kocher auf verschiedene Stärken regeln)
Isomatten: 3 x Termarest
Schlafsäcke: Zwei Billigprodukte (bzw. ein sehr alter) und ein Colmean Bamboose M10 <- Von diesem haben wir uns das linke Gegenstück gekauft, denn er ist bis -10 Grad sehr angenehm und ausserdem selbst für Uwes Länge gut geeignet. Jan bekam Papas alten Schlafsack, allerdings gekürzt auf passende Länge
Fahrradtaschen: Carradice Shopper Taschen für den Heckträger mit jeweils 30 Liter Stauraum. Für Uwes Rad Carradice Lowrider Taschen, alle aus gewachster Baumwolle und sehr gut wasserdicht. Lenkertaschen von Tatonka. Anstelle komplett wasserdichter Taschen bevorzugen wir die "Müllbeutel" Variante, wir verpacken unsere Kleidung innerhalb der Tasche nochmals in stabile Plastikbeutel und für ganz schweren Regen hat jede Tasche noch eine von diesen blauen Mülltüten als Notfallüberzug. Die speziellen Überzüge sind teuer und meist unnötig.
Anhänger: Chariot Cheetah als Hänger für Jan. Sehr praktisch durch die Umbaumöglichkeit zum Jogger und Kinderwagen. Als Lastenanhänger der Leggero Classico, in den das Zelt, die Schlafsäcke sowie diverses Zubehör passte.
Geschirr: Globetrotter Topfset mit Pfanne und Kessel (Aus Alu und dadurch schön leicht)
Fahrräder: Uwe:B.U.N.D. Fahrrad mit 24 Gang Shimano Schaltung und Lowrider sowie drei Flaschenhaltern, davon einer am Lenker. Multifunktionslenker und Standlicht vorne sowie hinten.
Sibylle: Mountainbike mit Verkehrssicherheitsausrüstung (Lichtanlage, Schutzbleche) 21 Gang Schaltung Shimano. Beide Fahrräder waren ausgestattet mit Webberkupplungen mit eingebautem Hinterbauständer.
Video: Sony Digital 8 Camcorder 210 für Filmdokumentation und die Bilder auf diesen Seiten.

Sonstiges:
Sibylle und Uwe trugen während der Tour Helme (bitte keine Flames deswegen. Jan kriegt auch einen, sobald er selbst fährt oder ihn im Hänger tragen kann). Außerdem lohnt sich die Anschaffung einer Radlerbrille, denn Fliegen und Mücken in den Augen können sehr unangenehm sein. Auch an eine gute Diebstahlsicherung solltet ihr denken. Wir werden bei der nächsten Tour die Bügelschlösser noch mit einer akustischen Alarmanlage kombinieren, die bei Durchtrennung des Sicherungskabels einen lauten Alarm auslöst. Damit läßt sich alles möglich recht wirkungsvoll sichern.
 

Was wir uns noch anschaffen werden, durch Erfahrungen aus dieser Tour:

Großes Allzweckmesser (schon angeschafft: Gerber EZ-out)
Multifunktionswerkzeug als Ersatz für das verlustig gegangene: (Schon angeschafft: Leatherman PSTII, sehr gute Schere und auch sonst sehr gut verarbeitet)
Große 1 Liter Brennstoffflasche
Klappstühle (Dreibeine aus Aluminium, witzigerweise hat die jetzt Sibylle bereits geschenkt bekommen)
Rolltisch (Läßt sich sehr kompakt zusammenrollen und ist leicht)
Wasserbeutel 10 L von Ortlieb, wir hatten auf der Tour nur einen 5 Liter Kanister aus Plastik, der sehr sperrig war und den wir schon mal wegen "Verlusts" während der Fahrt wieder aufsammeln mussten.
LED Taschenlampe: Spart Energie und ermöglicht auch mal abends länger im Zelt noch was zu lesen.
Zeltstangen für das Vordach (sollten möglichst klein zusammenschiebbar sein): Ein Luxus, aber zum draußen sitzen ganz angenehm.
 
 

Tipps aus den Erfahrungen dieser Tour:

Besorgt euch gute Radwanderkarten aus der Gegend, in der ihr eine Tour plant. Plant die Tour im Voraus, wenn notwendig fahrt Teile ab, die kritisch sind, und haltet euch soweit es geht an diese Route.
Damit haltet ihr den Zeitplan ein, verfahrt euch nicht unnötig und habt auch was von den Orten entlang des Weges.

Radwanderkarten haben nicht umsonst eingezeichnete Routen. Wenn es möglich ist, haltet euch an die Routen. Nur in Ausnahmefällen lohnt es sich, von diesen Routen abzuweichen, denn die meisten Routen sind nicht umsonst gewählt worden. Meist stecken dahinter speziell für Radfahrer geeignete Strecken.

Und vor allem, plant die Route nicht für die trainierten Radler sondern für das "schwächste Glied". Kein Radmarathon, wenn bei der Tour auch Gelegenheitsradler dabei sind.

Informiert euch vor der Tour genau über eure Ausrüstung: Dank fehlerhaften Wissens haben wir während der Tour unnötig viel Benzin fürs Kochen verbraucht und Uwes Fahrrad fuhr 2 Tage lang mit falsch montiertem Reifen.

Jeder kümmert sich um seine Ausrüstung selbst. Hätte Uwe diese Regel beachtet, wäre es nicht zu dem Reifenproblem an seinem Rad gekommen und auch andere Fehler wären nicht passiert.
Trennt klar die Ausrüstung wenn ihr mit anderen fahrt. Idealerweise sollten sich z.B. Familien auch getrennt auf den weiteren Weg machen können (z.B. wenn unterwegs eine Gruppe noch andere Orte anfahren will oder aus irgendwelchen Gründen die Tour abbrechen muß). Das heißt, jeder hat das dabei, was die Familie braucht.

Plant kurze Etappen, es sei denn ihr wollt wirklich den ganzen Tag fahren. Wir finden, man sollte an den Orten an denen man rastet auch die Möglichkeit haben, den Ort kennenzulernen. Wenn man erst abends ankommt ist man dazu meist zu erschlagen.  Lieber eine Etappe fahren, die scheinbar zu kurz ist, denn der Weg ist immer etwas anders als auf der Karte.

Trennt euer Werkzeug und sorgt für Ersatz
Uwe z.B. hatte von den vorhandenen Reifengrößen mindestens einen Ersatzschlauch dabei, und es wurde auch einer benötigt. Natürlich kann man auch flicken, aber das klappt nicht immer und kostet zuviel Zeit. Und nach dieser Tour hat er sich anstelle eines Multifunktionsfahrradwerkzeugs diverse Einzelwerkzeuge gekauft.
Wenn jetzt durch dumme Umstände etwas verloren geht, ist nicht gleich alles weg.

Überlegt euch auch Kleinigkeiten zuvor. Eine gute Idee ist z.B. einmal das Kochen mit nur einer "Platte" nämlich dem Benzinkocher zu üben. Denn dann erst merkt man, wie kompliziert es werden kann, z.B. Ein Gericht aus mehreren Komponenten zu kochen.

Wenn ihr mit Hängern unterwegs seit. Denkt daran, es soll kein Gewaltmarsch werden und eine Fahrt mit Hänger ist bei weitem anstrengender als nur mit beladenen Rädern. Übt vorher und achtet auf die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. So hat Uwe einen schweren Unfall mit dem Leggero vermieden.

Verteilt die Last gleichmäßig auf die Räder. Speziell zu stabilen Lowridern können wir nur raten. Und die schweren Dinge sollten in die Lowrider, während Kleidung und leichtes in die hinteren Taschen gehört.
Die Lenkertaschen sollten nur leichte Sachen beinhalten (Futter während der Fahrt). Achtet darauf, daß das Gewicht der linken und rechten Taschen annähernd gleich ist. Und wenn ihr all euer Material zusammen habt, dann geht es nochmal durch und fragt euch nochmal, brauchen wir das wirklich ??

Speziell wenn ihr mit Kindern unterwegs seit. Denkt auch an die Regentage. Wenn ihr nicht auch bei Regen einfach weiterfahren wollt, dann sollte euer Zelt geräumig genug sein, um sich nicht auf den Keks zu gehen (Die Familienzelte haben einen Grund für diesen Namen). Nehmt Spiele mit (kleine handliche natürlich) und was zu lesen, auch wenn ihr es möglicherweise garnicht braucht.

Investiert lieber etwas mehr in die Ausrüstung, wenn ihr dafür gute Qualität bekommt die auch etwas länger hält.
 

Und vor allem. Genießt die Fahrt, hetzt nicht, versucht keine Rekorde aufzustellen sondern seht es als einen "Spaziergang" auf Rädern. Dann habt ihr auch was von der Gegend, in der ihr unterwegs seit.
 
 

Da holt sich die Natur den Schutz zurueck