Epikur sagte: ”Dei dialabein oti kai o polu logo kai o bracu ei to auto suntei.nei.."
Ich werde versuchen, mich beim Schreiben dieser Arbeit daran zu halten...
Epikur war der Herkunft nach athenischer Bürger, wurde aber (341 v. Chr.) auf Paros
geboren, wo seine Eltern Chairestrate und Neokles (attischer Militärkolionalist) seit 352 v Chr. ein
Landgut hatten. Die Landwirtschaft brachte der Familie bescheidenen Reichtum ein, so dass die Ausbildung der vier Söhne finanziert werden konnte. Epikurs erster Lehrer war Platoniker, sein zweiter ein sophistischer Atomist. Beide überzeugten ihn aber nicht vollständig. Darauf beschäftigte er sich intensiv mit dem ”Ursprung des Atomismus”: dem Werk Demokrits(460-370 v. Chr.) sowie mit der Lustethik von Aristippos und entwickelte darauf aufbauend seine eigene ”Philosophie der Freude”. Bevor er aber als Philosoph und Lehrer auftrat, litt Athen unter politischen Spannungen: Nach dem Tod Alexanders (323 v. Chr.) musste Epikur in einen zweijährigen Militärdienst. Die darauffolgende materielle Krisenzeit überstand er mit Hilfe der Familie. In seinen Wanderjahren , u. a. nach Mytilene und Lampsakos, fand er durch sein begeisterndes Lehren viele Freunde, darunter auch einflussreiche Persönlichkeiten. 306.v. Chr. ,als die Demokratie in Athen wieder aufzuleben begann, kaufte er für sich und seine rund 200 ”Anhänger” ein Gartengrundstück ( crhia), in dem er bis zu seinem Tod ( 270 v. Chr.) lebte und lehrte.
Der Atomismus wurde von Demokrit und Leukippos (mit-)ersonnen , von Epikur aufgenommen und verfeinert. Er bildet die Grundlage seines (natur-)wissenschaftlichen Weltbildes. Wie der Name bereits sagt (atomoç =unteilbar) , handelt es sich dabei um die Lehre von kleinsten Teilchen . Alles besteht aus Atomen, deren Anzahl auf der Welt endlich ist. Eine Leere (kenon) ermöglicht den Atomen Bewegung. (Tönt sehr ähnlich wie unsere erste Chemiestunde...,allerdings: ) Elemente kannten die Atomisten nicht- für sie bestimmte die (unerkennbare)Form der verschiedenen Atome ihre Eigenschaften. Die Attribute von Gegenständen (Geruch, Farbe etc.) erklärte Demokrit noch durch die unterschiedliche Wahrnehmung der Betrachter, Epikur hingegen machte dafür die Anordnung der Atome verantwortlich (was ja aus heutiger Sicht auch ”richtiger” ist.) Wichtig war der Atomismus für alle Schlüsse , die Epikur daraus zog:
Da alles aus Atomen besteht, auch Gedanken, Seele und Geist und er den Tod als Zerfall der Atomkomposition betrachtete, schloss er ein Weiterleben der ”Seele” nach dem Tod aus. Der Tod steht für Epikur klar als ”Ende” und nicht als Übergang, da ein ”Weiterleben” atomar nicht erklärbar wäre.
Alle Naturerscheinungen (Feuer, Blitz, Sturm, Gezeiten) sind atomare Vorgänge, folglich nicht Strafe
oder Belohnung der Götter.
Und wenn wir schon mal dabei sind :
Dass Götter existieren, entnimmt Epikur schlichtwegs der Tatsache, dass alle Menschen Vorstellungen von ihnen haben. Diese Vorstellungen sind immer verknüpft mit den Eigenschaften ”unsterblich” und ”glückselig”. Davon ausgehend lehnt Epikur das damals übliche Bild der Götter, mit all ihren allzu menschlichen Eigenschaften (Zorn, Eitelkeit, Neid...) kategorisch ab. Ein Gott, der glückselig ist, kann nicht gleichzeitig zornig sein, eine unsterbliche Göttin kann keine Furcht empfinden. So haben nach Epikur die Götter zwar eine menschenähnliche Gestalt, als Körperflüssigkeit haben sie etwas Blutähnliches, ja, sie sprechen sogar die griechische Sprache (!), aber: Sie kümmern sich nicht um die Menschen, leben glückselig und ewig irgendwo zwischen den Sternen.
Dies bedeutete aber nicht, dass sich Epikur ganz von den damaligen Opferkulten fernhielt, er betete auch, aber mit dem Gedanken , dass die Götter ihm an Ruhe, Kraft und Weisheit überlegen waren, niemals aus Angst vor ihrem Zorn. Also nichts mit dem pfeilewerfenden, zürnenden Zeus.
Apropos Zeus: ”Nicht hungern, nicht dürsten, nicht
frieren. Wer das besitzt oder darauf hoffen mag, kann sogar mit Zeus an
Glückseligkeit wetteifern.” Tönt nach ziemlich bescheidenen
Ansprüchen, nicht! Genau so definierte Epikur aber das glückliche
Leben: Lust empfindet, wer nicht leidet. Kommen wir zu:
”Das höchste Ziel (teloç) ist die Lust (hdonia).”
Dieser eine Satz führte damals wie heute zu Missverständnissen und brachte Epikur über die Jahre hinweg viele Feinde. Der Hedonismus (von hdonia=Freude, Lust, Vergnügen) gilt als.übermässige Genusssucht, ein Hedonist ist gleichzeitig Vielfrass und sexbesessen. Epikur selbst meint zu diesem Vorwurf, in einem Brief an seinen Freund Menoikos:
”Wenn wir also sagen, die Lust sei das Ziel, meinen wir nicht die Lüste der Hemmungslosen und jene, die im Genuss bestehen, wie einige, die dies nicht kennen und nicht eingestehen oder böswillig auffassen, annehmen, sondern: weder Schmerz im Körper noch Erschütterung in der Seele zu empfinden.”
Um den Schmerz im Körper zu verhindern gilt es, sich bewusst zu sein, dass bestimmte Dinge im Übermass genossen, viel grössere Schmerzen verursachen können, als deren Mangel bewirkt. Epikur mahnt also zu gemässigtem Konsum, um Leiden (Übersättigung etc.) zu verhindern.
Um aber die Unerschütterlichkeit der Seele (ataraxia) zu erreichen , bedarf es der Philosophie. Genau darin sah Epikur die Aufgabe der Philosophie: Als Medizin für die Seele. Er selbst sagte:
”Leer ist jenes Philosophen Rede (logoçç) , durch die keine Leidenschaft (paqoç) des Menschen geheilt wird.” Um jene Leidenschaften (Furcht, Begierde und Schmerz) zu überwinden , benutzte Epikur eine ”Arznei in vier Teilen”, den sogenannten ”tetrafarmakoç” :
· Die Furcht vor den Göttern wird überwunden durch das Erkennen ihres wahren Wesens. (Da sie glückselig sind, haben sie keinerlei Interesse daran, dem Menschen zu schaden oder ihn zu strafen.)
· Die Todesfurcht wird überwunden durch die Überlegung ,dass man den Tod ja nicht er”lebt”. (”Der Tod ist nichts, was uns betrifft. Denn das Aufgelöste ist empfindungslos. Das Empfindungslose aber ist nichts, was uns betrifft.”)
· Die Begierde wird gezähmt durch das Wissen, dass das natürliche Bedürfnis beschränkt und leicht zu erfüllen ist .
· Der Schmerz
wird erträglich durch den Gedanken, dass heftiger Schmerz kurz, langdauernder
Schmerz nicht heftig sei.
Epikur schrieb ohne Schnörkel und ohne Rhetorik. Er achtete darauf, dass er für seine jeweils sehr verschiedenen Schüler je eine passende Form und Länge fand. So waren seine ”37 Bücher über die Natur” eher für diejenigen gedacht, die Zeit und Interesse hatten , sich intensiv mit seiner Philosophie zu beschäftigen. Für die anderen verfasste er selbst kürzere Auszüge, die viele knappe und eindrückliche Lehrsätze enthielten, welche seine Schüler leicht auswendig lernen und bei ”seelischer Bedrängnis” hervorholen konnten. Bekannt sind vor allem auch seine Briefe an die Familie und Lehrbiefe an Menoikeus, Pythokles und unseren Freund Herodot. Während seine Lehrsätze, die uns ,wie vieles andere auch, nur fragmentarisch erhalten geblieben sind, ziemlich polemisch daherkommen, zeugen diese Briefe geradezu von Milde und Freundschaft. Womit wir schon beim nächsten Thema wären:
”Von dem was die Weisheit für die Glückseligkeit des gesamten Lebens bereitstellt, ist das weitaus Grösste der Erwerb der Freundschaft.”
Epikur hielt sehr viel von der Freundschaft und pflegte sie auch dementsprechend: ”Mitfühlen wollen wir mit unseren Freunden nicht indem wir jammern, sondern indem wir uns um sie kümmern!”
Von seinen Freunden und direkten Schülern wurde nach ihm keiner so populär wie er. Bekannt wurden dann eher seine römischen Nacheiferer:
Seneca an erster Stelle, Cicero (bedingt), Vergil und Horaz. Viel später dann galt Goethe als Epikureer, Russel kann man als Epikureer des 20. Jahrhunderts bezeichnen.
Dies zu den Zugeneigten Epikurs. Wie bereits erwähnt hatte er aber auch Kontrahenten. Wie war das zu seiner Zeit?
Vergleichen wir ihn mit den Stoikern, Platonikern und Sophisten:
Mit den Stoikern teilte er zwar das ethische Ziel, dass der Mensch in Ruhe und Gleichmut den Schrecken des Lebens begegnen soll, unterschied sich von ihnen aber durch den grundsätzlichen Zugang: Während die Stoiker in Askese und Desinteresse das Leben zu meistern versuchen, erhebt Epikur den Hedonismus zum ”non plus ultra”.
Mit Platon verbindet ihn sein starkes Interesse an der Ethik - von ihm trennt ihn jedoch, dass er (Epikur) nur eine einzige ethische Maxime zulässt: den Seelenfrieden. Die anderen Werte, Tugenden, Ideen eines Platon lehnt er ab, bzw. reduziert sie auf den Hedonismus. (Warum bin ich tapfer? Nicht weil tapfer sein an sich erstrebenswert ist, sondern weil ich durch kurzfristige Tapferkeit die Bedingungen für meine Schmerzvermeidung erreiche). ”Ich spucke auf die Vollkommenheit und jene , die sie sinnlos anstaunen, wenn sie keine Lust erzeugt.”
Bedeutend anderer Meinung waren sich die beiden auch betreffend der Beschaffenheit der menschlichen Seele. Während Platon von einem ”Jenseits” spricht, gibt es für Epikur nur ein ”Diesseits”.
Von den Sophisten übernimmt er das rationale ” An-Probleme-herangehen” , lehnt aber ihre Rhetorik , das ”Reden um des Redens Willen” kategorisch ab.
Zu erwähnen sei noch , dass Epikur sich wenig für Politik und Gesellschaft interessierte. Zwar sagte er : ”Die Natur hat uns zur Gemeinschaft geschaffen” ,fand aber auch ”Befreien muss man sich aus dem Gefängnis der Alltagsgeschäfte und der Politik”. Einer seiner grossen Sätze, die sehr zu seinem ”Gartenleben” und dem der ”Gartenphilosophen” (so wurden die Epikureer teilweise genannt ) passte, war: Lebe im Verborgenen !
Ich will mich daran halten und verschwinde vom Bildschirm...
Quellen:
· Gigon, O. (1949). Epikur. Von der Überwindung der Furcht. Artemis-Verlag Zürich
· Krautz, H.-W. (1985). Epikur. Briefe Sprüche Werkfragmente. Reclam Stuttgart
· Kundera, M. (1995). Die Langsamkeit. Carl Hanser Verlag München/Wien
AUTORIN: Iris Meier, Prima a, März 97 Zurück zur Epikur-Seite