Presse-Stimmen aus Deutschland

1.

aus: Schwarzwälder Bote, vom 3. August 1999Lettland

Künstler hält das ganz normale Leben fest

Werke von Josif Elgurt werden in der Feldberghalle
und beim Schwarzwälder Bote ausgestellt

St. Blasien. »Elgurt ist ein Jahrhundertgrafiker und ein Mann solcher Klasse, wie man ihn selten trifft«, sagt Alexander Dettmar, der derzeit federführend die Organisation für eine Ausstellung der Werke des rumänischen Grafikers Josif Elgurt übernimmt. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Feldberg und dem »Schwarzwälder Bote« werden die Bilder von 6. bis 29. August in der Feldberghalle und in der Geschäftsstelle St. Blasien ausgestellt.

»Das Schönste in meinem Leben ist die Überzeugung, daß es sehr viele gute Menschen gibt - mehr als ich früher dachte. Das erhält meine Lebenskraft« - eine Aussage, die Wesen und Leben des rumänischen Künstlers bereits annähernd auszudrücken vermag.   Nicht grundlos wird Elgurt als ein »Sänger der Stadtrandgebiete Rigas« bezeichnet: Kleine Häuschen, kleine Höfe, leuchtende Fenster, hinter denen ein fremdes Leben pulsiert - seine Werke beinhalten einen Schein von Traurigkeit und leichter Melancholie, schlichtweg für die Seele des Betrachters gemacht.

Der 75jährige lebt heute in Riga. Er ist ein Mann mit keinem leichten Schicksal. Er hat den Krieg und das jüdische Ghetto durchstehen müssen. Dennoch gibt es in seinen Bildern keine Tragik. »Er malt keine pompösen Schlösser und nichts Spektakuläres, sondern hält in seinen Werken das tägliche Leben fest«, erklärt Alexander Dettmar, den mit dem »Meister des Siebdrucks« eine ganz besondere Künstlerfreundschaft verbindet. Viele seiner Werke hat Elgurt aus dem Blickwinkel seines Ateliers gemalt. In seinem rund sieben Quadratmeter großen Atelier lebt Elgurt als Künstler völlig zurückgezogen. »Er macht keine süßliche Kunst, sondern Kunst, die jeder versteht und, genau wie das Leben, Licht und Schatten hat«, so Dettmar.

Der 46jährige beschreibt Elgurt als einen sehr bescheidenden, an sich zweifelnden, ruhigen Mann. »Er posaunt nicht großkotzig heraus: Ich bin der Größte.« Dennoch sei bei ihm noch das vorhanden, was eigentlich einen jungen Menschen auszeichnen müßte: Spannung und Kraft seinen genauso stark ausgeprägt, wie Zweifel und Kampf.

Mit seinen Bildern vom »ganz normalen Leben« verarbeitet Elgurt in einer besonderen, fast schon poetischen Art und Weise die schrecklichen Erlebnisse, die er als Kind und junger Mann durchmachen mußte. Alexander Dettmar hat sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Andrea Wenzel vorgenommen, »die beeindruckenden Werke des Meisters der Grafik gewissermaßen unter die Leute zu bringen.« Er habe Elgurt gegenüber einen großen »Künstlerrespekt«, erklärt er, »denn er malt still, aber mit großer Kraft.« Zudem habe er gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den Werken des »Meisters des Siebdrucks« und seinen entdecken können: Ich male alte Häuser - Architektur, die in besonderer Harmonie mit der Umgebung stehen, und Josif Elgurt setzt ähnliche Schwerpunkte.« Ende August wird Dettmar den Künstler in Riga besuchen. Einige größere Ausstellungen seien bereits im Herbst geplant.

Wohlwissend, dass er es mit einem sehr bescheidenen Mann zu tun hat weiß er aus Erfahrung aber auch eines: »Ein Künstler arbeitet nicht für die Mappe. Die Bilder sind seine Kinder, die gehegt und gepflegt werden wollen.«

Am Donnerstag, 5. August, wird Feldbergs Kurdirektor Volker Haselbacher um 16 Uhr die Ausstellung in der Feldberghalle in Altglashütten mit geladenen Gästen eröffnen, die Vernissage in St. Blasien findet um 19 Uhr statt.

Annegret Klaiber (sb)

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2.

aus: Mecklenburgische Kirchenzeitung, vom 26. September 1999, Kultur und Angebote

Gegen das Vergessen

Begegnung mit dem Jahrhundert-Graphiker Josif Elgurt

Täglich geht ein Linienbus von Berlin nach Tallinn. Ende August endlich war es für mich so weit. Bis dahin hatte ich mit dem großen Josif Elgurt, geboren 1927, nur Briefkontakt.

In Lohmen im Alten Tanzsaal - parallel zu meiner Dauerausstellung "Paradies des Nordens" - läuft seine hochkarätige (Dauer)Ausstellung "Gegen das Vergessen", Bilder aus Riga. Diese graphischen Arbeiten sind von höchster Qualität. Die Stille, Schönheit und Kraft seiner Bilder gehören zum Besten, was in der bildenden Kunst geschaffen wurde.

Die Besucher seiner Ausstellungen in Lohmen, St.Blasien, Feldberg, sind euphorisch von seinen Bildern begeistert. So intensiv und still seine Bilder sind, so ist auch dieser große Künstler im Gespräch. Jeden Tag ist er, der 1924 in Kischinew geboren wurde, in seinem Atelier an der Arbeit.

Die Gespräche über Kunst waren für uns beide sehr wichtig. Josif Elgurt ist der einzige Überlebende eines Ghettos in Moldawien. Alle anderen Juden wurden ermordet.

In seinen Bildern aber findet man die Schönheit dieser Welt. Die dichterische Kraft seiner Bilder von schneebedeckten Dächern Rigas haben geradezu eine erschütternde Kraft. Das geschlossene graphische Werk von Josif Elgurt macht ihn zu einem Jahrhundert-Graphiker. Jedes Blatt wird vom Meister selbst von Hand abgezogen.

Der Alte Tanzsaal in Lohmen bei Güstrow hat geöffnet Mo bis Fr 8 bis 16 Uhr, Sonnabend 10 bis 16 Uhr, Sonntag nach telefonischer Vereinbarung.

Alexander Dettmar

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Hommage à Josef Elgurt

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