SexistInnenseite
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Worum geht es dabei inhaltlich?
[...] Maenner koennen nicht bestimmen, wann und wie Frauen sich von ihnen belaestigt fühlen, welches Verhalten sexistisch ist und welches nicht, oder gar, wo Gewalt gegen Frauen anfaengt. Maenner koennen versuchen, ihre Machtstrukturen zu aendern und an sich zu arbeiten. Einzig und allein Frauen bestimmen, was Sexismus und Gewalt gegen Frauen ist. Maenner koennen sich dazu solidarisch verhalten. [...]
(ZECK, Juli '95)
Das Brett vorm Kopf zur Waffe machen!
Zu den Angriffen auf Lesungen von Wiglaf Droste
In schoener Regelmaessigkeit rotten sich seit gut ueber einem halben Jahr
"autonome Maennergruppen", "Frauen- und Lesbengruppen" und andere
sogenannte "Zusammenhaenge" zu Rollkommandos zusammen, um Lesungen des
Polemikers und Kritikers Wiglaf Droste zu stoeren oder zu verhindern.
Die Aktionen laufen, mit jeweils leichten Modifikationen, nach
folgendem Schema ab: zunaechst wird versucht, diejenigen, die Droste
eingeladen haben - das sind Buchlaeden und Organisationen aus dem
linken Spektrum - zu bewegen, die Veranstaltung abzusagen. Dies
geschieht entweder durch die Zusendung von sogenanntem
"Aufklaerungsmaterial" ueber Droste - in der Regel Pamphlete aus dem
Krampfblatt "Interim" - oder, wie in Reutlingen, dadurch, dass ein
Trupp Vermummter in dem fraglichen Buchladen auftaucht, die
Veranstaltungsplakate abreisst und, fuer den Fall, dass die Lesung nicht
sofort abgesagt wird, androht, ein zweites Mal zu erscheinen, um dann
Richtigkeit zu machen. Denkbar ist auch, wie im Hamburger
Schanzenviertel geschehen, Plakate zu kleben, die in der Aufmachung
gleichermassen an die bekannten "Vorsicht! Vergewaltiger!"-Plakate der
Szene wie an BKA-Fahndungslisten mit der Uberschrift "Terroristen!
Vorsicht: Schusswaffengebrauch!" gemahnen. Auf ihnen ist das Konterfei
von Wiglaf Droste in Passfotogroesse zu sehen, garniert mit den Parolen:
"Keinen Raum den Sexisten! Wiglaf Droste. Sexist. Taeterschuetzer.
Keinen Platz fuer Droste! Kein Auftritt auf Kampnagel". Bleiben diese
Aktivitaeten ohne Erfolg, konstituieren sich die jeweiligen Gruppen zu
Defaekationskollektiven, die nach dem Vorbild der getrennten
Muellsammlung ihre koerperlichen Ausscheidungen in Eimern und ihren
geistigen Duennpfiff auf dem Papier abladen. Diejenigen, deren
Verdauung schlechter funktioniert, duerfen sich auch Buttersaeure
beschaffen. Bevor die Lesung mit Droste beginnt, versammelt man sich,
um entweder vor oder in den Veranstaltungsraeumen seinen mitgebrachten
Dreck auszukippen bzw. zu verteilen und das Publikum am Betreten der
Raeume zu hindern. Dabei werden ohne Bedenken auch
Schlaegertrupp-Methoden angewandt. Anlaesslich einer Lesung mit Droste,
die am 3. Oktober in Braunschweig stattfand, wurde eine Frau, die
nicht einsah, warum sie sich von ca. 25 vermummten Gestalten um ihr
kulturelles Vergnuegen bringen lassen wollte und deshalb an den
Blockierern vorbei den Veranstaltungsort betreten wollte, mit
Holzknueppeln zu Boden geschlagen und mit Springerstiefeln getreten.
Das Publikum wurde als "brauner Mob" und "Faschisten" beschimpft.
Es sei hier versichert, dass es sich bei dem eben Geschilderten nicht
um einen auf die Gegenwart projizierten Bericht ueber seltsame
kriegerische Rituale eines archaischen Stammes handelt, obwohl
jemand, der mit den Gepflogenheiten der hiesigen "Szene" nicht
vertraut ist, einen solchen Eindruck leicht gewinnen koennte. Falsch
waere es auch - obwohl die Ereignisse in Braunschweig dazu Anlass gaeben
- das Auftreten der Anti-Droste-Kommandos mit dem von SA-Trupps zu
vergleichen - und zwar, weil man nicht noch einen weiteren Beitrag
zur Inflationierung des Faschismus-Vorwurfs liefern moechte, der
mittlerweile derart entleert ist, dass er - wie das Beispiel
Braunschweig ebenfalls zeigt sogar verwandt werden kann, um aus
nacktem Stumpfsinn geborene Brutalitaet auch noch mit der Aura
antifaschistischen Widerstands zu umgeben. Um zu einer einigermassen
realistischen Beurteilung der gegen Droste gerichteten Aktionen zu
gelangen, muss man sich schon die Muehe machen, die Kleinanzeigen des
"Bielefelder Stadtblatts" vom 21.9.1995 zu studieren. Hier findet man
zunaechst das in dieser Rubrik Ubliche: neben einem Inserat, in dem
ein "junggebl. 40er" sich als "sehr einfuehlsam und sensitiv" anpreist
und den Gruessen an den "Geliebten Mausebaer" so interessante Sachen wie
"Frauen zur Gruendung einer Massage-Shiatsu Gut-tu-Wohlfuehlgruppe
gesucht. Gerne auch im Herforder Raum", aber auch so kryptischdunkle,
von der unverfaelschten Kraft der Idiotie beseelte Saetze wie: "Ich
gebe mir jetzt endlich die Zeit, die ich brauche, um Dir in meiner
Echtheit zu begegnen, ohne immer wieder am Rad zu drehen". Dann nimm
halt einen Schraubenschluessel und montier's ab!, denkt man sich, doch
da begegnet einem in der gleichen Ausgabe zwischen den sensitiven
Mausebaeren und den immer wieder sich drehenden Raedern die Gesinnung
bereits existierender Wohlfuehlgruppen in ihrer ganzen Echtheit.
Gemeint sind insgesamt zehn Inserate, in denen vermutlich
irgendwelche Leute aus der Bielefelder "Szene" mobil machen gegen die
"antinationale Woche" in Detmold, zu der auch Wiglaf Droste
eingeladen war. Ein Bemuehen um stilistische Vielfalt kann man diesen
Annoncen nicht absprechen: die kongeniale Mixtur aus softigem
SzeneGelalle und gehobener Festtagsansprache a la Weizsaecker ("Gruesse
an alle Frauen und Maenner, die sich ... kritisch und konstruktiv [!]
mit dem Thema sexueller Missbrauch auseinandersetzen ...") ist ebenso
vertreten wie ordinaerer Klatsch und Tratsch ("Hallo Stella! Schoen,
dass Du mit uns boykottierst! Sag doch allen anderen Bescheid, was fuer
Sexisten in Detmold taetig sind!") und Selbstgedichtetes nach dem
Schema "Der Reim muss bleim" ("Karl Held hin oder her, Droste kommt
und die Entscheidung faellt uns nicht schwer: in die ,Pauline' gehen
wir nicht mehr!!"). Der Inhalt freilich ist immer derselbe; das
Gespenstische und Skurrile an diesen Anzeigen ist, dass deren
Verfasser - vergleichbar jenen Renegaten a la Joschka Fischer, die
einander bestaendig auffordern, alte Dogmen abzustreifen, die aber
ohnehin keiner mehr vertritt - einander fortwaehrend versichern, dass
Droste ein Schwein sei, obwohl von ihnen keiner das Gegenteil
behauptet.
Politische Identitaet - oder: Etwas Warmes braucht der Mensch
Dass man von seiner Feindschaft gegen Droste nicht ablassen darf -
dies muessen sich die autonomen Aktivisten immer und immer wieder
einbleuen, weil ansonsten einer den Unsinn des ganzen Unternehmens
vielleicht merken koennte. Die Verfasser der Annoncen verhalten sich
hier wie Bandenhaeuptlinge, die ihre Gefolgschaft vor dem geplanten
Coup auf absolute Geschlossenheit einschwoeren, mit dem Unterschied
jedoch, dass es sich bei der zu erlangenden Beute hier nicht um Cash,
sondern um Gesinnung handelt. Offenbar findet nicht nur dort, wo im
Gefolge des Zusammenbruchs des "realen Sozialismus" ganze Industrien
zu Schrott erklaert wurden, aus dem kein Profit zu schlagen ist, ein
Zerfall organisierter Gesellschaften in ein Ensemble mafioser Banden
und Cliquen statt. Auch dort, wo der Kampf fuer die gute Sache einem
durch Gegreine uebers eigene Scheitern und dem zaehem Willen, trotzdem
im alten Trott weiterzumachen, gekennzeichneten Zustand gewichen ist,
aus dem kein psychischer Mehrwert mehr zu ziehen ist, verwandeln sich
Teile der linken "Szene" in bandenartige Spuertrupps, auf der Suche
nach neuen identitaetsstiftenden Themen fuers eigene Wohlfuehlkollektiv
und offensichtlich bereit, das Brett vorm Kopf zur Waffe zu machen
gegen Leute, die ihnen ihre Beschraenktheit auch noch vorrechnen. Die
hiesige Linke, aus deren Zerfall diese "Political-Correctness"-Banden
hervorgehen, hat auf ihre Weise in den letzten 20 Jahren den in
Deutschland immer schon besonders ausgepraegten Gemeinschaftswahn nach
besten Kraeften konserviert. Sie begeisterte sich fuers Proletariat,
die unterdrueckten Voelker, die Frauen, die Natur und vieles andere,
wobei die jeweils standhaft verteidigten Subjekte jedoch nie Zweck
waren, sondern ein Mittel, um sich an der Vorstellung zu berauschen,
es handele sich beim eigenen Kluengel um eine Vereinigung tapferer und
edel gesinnter Menschen, die immer nur das Beste wollen und aufgrund
ihres beherzten Einsatzes fuer die gute Sache von finsteren
herrschenden Maechten verfolgt, bespitzelt und unterdrueckt wuerden. Der
heroische Kampf gegen den aeusseren Feind verlangte dabei immer die
Verschworenheit der linken Solidargemeinschaft nach innen, welche
sich stets im einvernehmlichen Ressentiment gegen den "abgehobenen"
und "unsolidarischen" Kritiker zu bewaehren wusste. In dem Augenblick,
wo die guten Opfer, die zur Identifikation, und die boesen Taeter, die
zur Feinderklaerung taugen, rar werden, buesst der Wahn seine erborgte
Substantialitaet ein; je weniger er sich umstandslos auf die Realitaet
projizieren kann und je substanzloser er damit wird, desto
erbitterter und rabiater muss er verteidigt werden und sei es mit
Gewalt.
Nirgends kommt der gewaltheischende Bekenntniszwang, die im Gestus
ostentativer Gutartigkeit lauernde Aggressivitaet deutlicher zum
Ausdruck als in jener stereotyp vorgetragenen These, man duerfe sich
ueber "ernste" Dinge nicht lustig machen, sondern eben nur "ernsthaft"
aeussern. Wenn es ueberhaupt so etwas wie zivilisatorische
Errungenschaften gibt, dann zaehlt zu ihnen auf jeden Fall die
Faehigkeit des denkenden Subjekts, die vorgefundenen Verhaeltnisse,
denen es angehoert, sich zum Objekt von Kritik und Polemik zu setzen
als auch die Faehigkeit, zu sich selbst auf Distanz zu gehen und, ohne
sich dabei aufzugeben, ueber die eigenen Prinzipien und Gewohnheiten
sich lustig zu machen und zu spotten. Diese Abstraktionsleistung ist
negiert in der Haltung sogenannter "Ernsthaftigkeit", mit der bezeugt
werden soll, dass das sich engagierende Subjekt mit der gerechten
Sache, der es sich verschrieben hat, voellig eins geworden ist. Person
und Sache klumpen zur "politischen Identitaet" zusammen, die keinerlei
Widerspruch duldet. Die "Ernsthaftigkeits"-Gesinnung kann Kritik,
Polemik, Sarkasmus nur als boesartige Verleumdung und Sabotage der
eigenen "Identitaet" auffassen. Im Ressentiment der politisch
Korrekten gegen das "Sich-lustig-machen" lebt kaum verhuellt der
dumpfe Hass gegen den prinzipienloser Spekulation verdaechtigen
Kritiker auf, der durch seine "zersetzende" Taetigkeit das
kaputtmache, was andere in muehevoller Kleinarbeit aufgebaut haben -
wobei dieser Hass wiederum in der Furcht gruendet, der Kritiker koennte
ausplaudern, dass es mit dem ach so beschworenen "Ernst" soweit auch
wieder nicht her ist.
Genau dies hat Wiglaf Droste aber getan. In zwei Geschichten, die
bereits 1993 in der Satirezeitschrift "Titanic" erschienen sind -
"Der Schokoladenonkel bei der Arbeit" bzw. "Zur Dialektik von
Vatermutterkind" - hat er einige spitze Bemerkungen darueber gemacht,
dass der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs an Kindern jenen
autonomen Kreisen, die sich dieses Themas angenommen haben, nur als
Vehikel dient, um edle und hochherzige Gesinnung zur Schau zu tragen.
Wie ausserordentlich treffend Drostes Kritik ist, bezeugen gerade die
Reaktionen derjenigen, die sich davon zurecht angesprochen glauben.
Weil die Drostesche Kritik den Identitaetskult und damit den Nerv
einer laengst bankrotten Bewegungspolitik trifft, wird diese Kritik
instinktiv als akute Bedrohung des eigenen politischen
Kleingewerblertums empfunden; man ahnt, dass die Berechtigung der
Kritik zuzugeben gleichzeitig bedeuten wuerde, den eigenen Laden
dichtzumachen. Der politisierende Identitaetswahn sieht sich deshalb
ermaechtigt, gegen den Kritiker vorzugehen, wobei man den eigenen
Frontalangriff als Notwehrmassnahme verkauft.
Worum geht es dabei inhaltlich???
[...]Einzig und allein Frauen bestimmen, was Sexismus und Gewalt gegen Frauen ist.
Maenner koennen sich dazu solidarisch verhalten.
Wer diesen Grundsatz nicht anerkennt, macht Gewalt gegen Frauen zur Glaubens- oder Beweisfrage. Dies ist keine neutrale Rolle, sondern Parteinahme für die HERRschenden im Machtverhaeltnis Patriarchat. [...]
(ZECK, Juli '95)
Der Boese hat Namen und Anschrift, oder: wir basteln uns einen Feind
Zu diesem Zweck muss der Kritiker zunaechst als jemand hingestellt
werden, der, egal was er tut, sagt oder schreibt, immer nur seine
abgrundtiefe Boesartigkeit zu erkennen gibt und deshalb zum Schweigen
gebracht werden muss. Als haetten alle Ubel dieser Welt in einer Person
Gestalt angenommen, soll Wiglaf Droste nicht nur ein "Sexist" sein,
der den Kindesmissbrauch "verharmlost" oder gar als "Erfindung"
hinstellt - Droste "relativiert" auch noch die "Verbrechen des
Faschismus", er ist "Rassist", "Nazi" und ein "widerlicher
Chauvinist". Selbstverstaend;ich sind alle diese Vorwuerfe dermassen
absurd, dass hier deren inhaltliche Widerlegung in keinster Weise zur
Debatte stehen kann. Wer sich von der Haltlosigkeit dieser
Beschuldigungen ueberzeugen will, der kaufe sich eine der vielen
Textsammlungen von Droste und lese nach. (1)
Um die besondere Gefaehrlichkeit des zur Unperson aufgebauten
Kritikers glaubhaft zu machen, muss dieser zweitens als ein Exponent
einer hinterhaeltigen, finsteren Verschwoerung erscheinen. Als
Verschwoerung fungiert dabei die sogenannte "Kampagne" "Missbrauch des
Missbrauchs", die wiederum Ausdruck von etwas noch Geheimnisvollerem
sein soll: dem "backlash", der ohne irgendwo ausgefuehrt zu sein,
immer wieder als blosse Imponiervokabel eingesetzt wird. Es ist schon
abenteuerlich genug, sich aufgrund der Tatsache, dass in den letzten
Jahren von verschiedenen Seiten mehrfach heftige und begruendete
Kritik an der Arbeit von Beratungsstellen fuer missbrauchte Kinder
oeffentlich geaeussert wurde, eine planmaessig inszenierte und gesteuerte
"Kampagne" zusammenzuphantasieren, die sich dem "Taeterschutz"
verschrieben habe. Umso haarstraeubender freilich, Wiglaf Droste zu
einem der Exponenten dieser sogenannten "Kampagne" zu erklaeren, nur
weil dieser sich in der Geschichte vom "Schokoladenonkel" sowie in
einer Radiosendung anerkennend ueber die - selbstverstaendlich
diskutablen - Arbeiten von Katharina Rutschky zum Thema
Kindesmissbrauch geaeussert hatte.
Die Methode, die dieser ganze Wahnsinn leider besitzt, laesst sich an
den Kommandoerklaerungen der Anti-Droste-Banden leicht aufzeigen: da
wimmelt es geradezu vor Woertern wie "somit", "so", "deshalb", die
einen festgezurrten realen Zusammenhang suggerieren, in Wahrheit aber
nur die Geschlossenheit des Wahnsystems demonstrieren. Ein Beispiel
aus der Presserklaerung der Braunschweiger Knueppelgarden
(Hervorhebungen F.F.): "(Droste) stellt die Maennerwelt als Opfer ...
dar und betreibt Taeterschutz. Dies gleicht einem Aufruf zum
,Gegenangriff der Maenner' und reiht sich somit ein in das
Zurueckdraengen ... der Frauenbewegung ... Auf diese Weise soll
jeglicher Widerstand gegen patriarchale Verhaeltnisse ... zum
Schweigen gebracht werden. Wiglaf Droste stellt sich somit auf die
Seite der Herrschenden ..." Nach dieser Methode werden auch alle, die
sich dem Bekenntniszwang der Anti-Droste-Aktivisten verweigern, in
geistige Sippenhaft genommen. Das Detmolder antinationale Plenum
hatte in zwei offenen Briefen mit bemerkenswertem Langmut die
Haltlosigkeit der gegen Droste erhobenen Vorwuerfe entkraeftet. Von der
"Unabhaengigen Antifa Bielefeld" wurden ihnen darauf folgendes
beschieden (Hervorhebungen F.F.): "Euer Plenum hat sich ungenuegend
mit Droste auseinandergesetzt ... Das bedeutet: Von eurer Seite aus
geschieht zumindest eine Duldung der Positionen Drostes ... Da auch
die restlichen Referenten wahrscheinlich wissentlich im Kontext mit
Droste auftreten, gibt es auch bei ihnen zumindest eine Duldung ...
Somit hat die ganze Veranstaltungsreihe den Nebeneffekt ..." Der
Charakter einer juristischen Anklageschrift, der sich hier durch den
Gebrauch von Worten wie "wissentlich" oder "Duldung" einstellt,
bringt ziemlich praezise die in bestimmten autonomen Gruppen
vorhandene Wehrhaftigkeits-Gesinnung zum Vorschein, die sich in Akten
von Selbstjustiz dann konsequent Luft verschafft. Autonom sein heisst
nun offenbar, den Staat zu bekaempfen, weil man dessen Geschaefte auch
ganz selbstbestimmt besorgen kann. Wo der "Kampf" autonomer
Aktivisten sich darum dreht, en miniature Beispiele dafuer zu liefern,
wie ein Staat mit ihm missliebigen Kritikern umzuspringen haette. wird
auch mal Beifall von der richtigen und dafuer zustaendigen Seite laut.
Hoch erfreut berichteten die Nazis im "Nationalen Info-Telefon", dass
es den "linken Zekken" in Hamburg gelungen sei, eine Lesung des
"sexuell perversen Droste" zu verhindern.
Der konsequente Verzicht auf Logik und Argumentation, der die
Erklaerungen aus dem Kreis der Anti-Droste-Banden durchgaengig
kennzeichnet, schlaegt freilich bisweilen in unfreiwillige Komik um.
Da fordert zum Beispiel ein "F. Salim" in einem Leserbrief die Bonner
Stadtzeitung "Schnuess" auf, ihrem freien Mitarbeiter Droste zu
kuendigen (2), wobei er sich besonders entruestet ueber dessen in der
"Schnuess" veroeffentlichte Geschichte von der "Pandabaeren-Peep-Show".
Darin schildert Droste, dass die Berliner, anstatt an den nasskalten
Ostertagen dieses Jahres in den eigenen Betten zu bleiben und zu
mauseln, lieber in den Zoo gingen, um etwaigen
Fortpflanzungsaktiviaeten der dortigen Pandabaeren zuzusehen. Nach der
Massgabe, dass man nicht nur keine Gedanken haben, sondern auch
unfaehig sein muss, sie auszudruecken, wird bei "F. Salim" folgendes
daraus: " ... anstatt Wiglaf Droste weiter Honorar fuer fickende
Pandabaeren zu zahlen, spendet lieber das Geld zugunsten der
misshandelten Kinder ... " Also nochmal: Wiglaf Droste erhielt Geld
fuer fickende Pandabaeren? Nicht vielleicht die Pandabaeren fuers Ficken?
Nein? Also ist Droste im Besitz von Pandabaeren? Die er zum Ficken
abgerichtet hat, um Geld zu kassieren? Die er vielleicht gar ...
missbraucht hat? Deren Animal-Wuerde er verletzt, indem er sie schamlos
ausbeutet, um dann auch noch in geradezu zynischer und
baerenverachtender Weise ueber sie herzuziehen? Womit er den Pandabaer
als Nebenwiderspruch behandelt? Offenbar war "F. Salim" nahe daran,
ein weiteres dunkles Kapitel - nein, nicht der deutschen Geschichte -
sondern im Leben des Wiglaf Droste aufzudecken. Wir empfehlen "F.
Salim" dringend, sich zwecks weiterer Nachforschungen mit dem
"autonomen Tierrechtscafe" in Berlin in Verbindung zu setzen. Auf
etwaige "Entlarvungen" Drostescher Machenschaften freut man sich
schon heute, und vielleicht ist ja dann auch die Gelegenheit gegeben,
endlich eine griffige Parole zu kreieren, etwa: "Wiglaf Droste ist
Sexist und Sodomist!", oder vielleicht, um die "vegane Offensive"
gleich mit einzubeziehen: "Ob Foetus oder Pandabaer Ein jedes Leben
wiegt gleich schwer Verdammte aller Laender Haengt Droste auf, den
Baerenschaender!" Nun, man wird sehen.
Sollte aber, was nicht auszuschliessen ist, der heldenhafte Kampf
gegen Wiglaf Droste irgendwann einmal zu oede werden, dann sei hier
schon prophylaktisch ein kritischer und konstruktiver Vorschlag zur
Guete unterbreitet: wenn's soweit ist - einfach eine Annonce ins
Bielefelder Stadtblatt setzen, die ungefaehr so lauten koennte:
MenschInnen zur Gruendung einer Massage-Raiki-Gut-besser-Paulaner-
Wohlfuehlgruppe gesucht. Thema: wie drehen wir uns solange immer
wieder im eigenen Saft, ohne dass schliesslich auch der letzte
junggebliebene sensitive 40er ein Rad ab hat? Gerne auch im
Nuernberger, Tuebinger, Kasseler, Hamburger, Bonner und Braunschweiger
Raum.
Fritz Ferstl
Anmerkungen:
1) Die Geschichte vom "Schokoladenonkel" ist erschienen in: Wiglaf
Droste, Sieger sehen anders aus, Edition Nautilus, Hamburg 1994
2) Droste wurde von der "Schnuess" zur Juli-Nummer dann auch
gekuendigt. Dio Redaktion hatte sich kurz zuvor fuer ihn stark gemacht,
waehrend die sonstigen Mitarbeiter zur Anti-Droste-Fraktion gehoerten.
Angesichts des Konflikts veraenderte der Traegerkreis der Zeitung die
Zusammensetzung der Redaktion, in der nun auch die Mitarbeiter
vertreten waren, deren erste Amtshandlung war, Droste zu feuern. Kein
Kommentar.
aus: Bahamas 18 1995
Der Kampf gegen Sexismus und Faschismus ist unteilbar!
Für eine herrschaftsfreie Gesellschaft!
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