Der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) hat sich bemüht,
eine genaue Kostenanalyse zu machen und hat diese in der Publikation "Kostentransparenz
im Auto Verkehr" im Jahr 1996 veröffentlicht.
Kostentransparenz im Auto Verkehr
Eine Analyse des VCÖ.
| Das kostete der Kfz-Verkehr
in Österreich im Jahr 1995 139,6 Mrd. öS
So wurde der Kfz-Verkehr
139,6 Mrd. öS
Der Kfz-Verkehr deckt in Österreich durch verkehrsspezifische Einnahmen von 49,8 Mrd. öS (inklusive Strafgelder) etwa die von ihm direkt verursachten Kosten von 49,9 Mrd. öS im Jahr. Auch ohne Berücksichtigung der Staukosten (je nach Berechnung zwischen 35 und 148 Mrd. öS) fallen an externen Kosten durch Lärm, Abgase und Unfälle jährlich mindestens 54,7 Mrd. öS als ungedeckte Kosten des Straßenverkehrs der Allgemeinheit zur Last. |
Finanzsituation und Defizit des Öffentlichen Verkehrs sind ein
Dauerbrenner der Medien. Wieviel aber dem Staat der Kfz-Verkehr kostet,
wird häufig ignoriert oder verschleiert. Faktum ist, daß das
Defizit des Kfz-Verkehrs enorm ist und durch nicht offengelegte Subventionierung
ausgeglichen wird.
Wieviel der Staat am Straßenverkehr verdient Die Einnahmen aus dem Straßenverkehr sind jene Steuern und Abgaben, die ausschließlich im Zusammenhang mit dem Kauf und Betrieb von Fahrzeugen zu entrichten sind. Die Gesamtsumme der Kfz-spezifischen Einnahmen beläuft sich auf 48,1 Milliarden Schilling im Jahr (ohne Strafgelder). Diese verkehrsspezifischen Erlöse sind Mauten (3,1 Mrd.) und sonstige Straßenbenützungsabgaben (4,3 Mrd.), Kfz-Steuer (1,5 Mrd.), motorbezogene Versicherungssteuer (7,8 Mrd.), Normverbrauchsabgabe (4,6 Mrd. Schilling) und der verkehrsspezifische Anteil der Mineralölsteuer (26,8 Mrd.). Nicht verkehrsspezifisch sind dagegen Steuern und Abgaben, mit denen auch andere Wirtschaftsbereiche in gleicher Weise belastet sind (etwa durch die Mehrwertsteuer, die Einkommenssteuer oder die ASVG-Beiträge der Beschäftigten). Denn diese allgemeinen Steuern haben Aufgaben zu finanzieren, die nicht nach dem Verursacherprinzip zuordenbar sind, wie etwa Bildung, Sicherheit, Gesundheit oder Justiz. Die größte Einnahmequelle - die Mineralölsteuer Die gesamten Mineralölsteuererlöse machten 34,0 Milliarden öS im Jahr 1995 aus. Allerdings sind diese nicht zur Gänze verkehrsspezifisch. Beispielsweise ist auch für Heizöle Mineralölsteuer zu zahlen 12). Darüber hinaus war die Erhöhung der Mineralölsteuer um 1,1 öS je Liter Benzin und 0,6 öS je Liter Diesel am 1. Mai 1995 ein Vorgriff auf die seit 1. Juni 1996 auch für andere Energieträger geltende Energiesteuer 3). Energiesteuern sind aber nicht verkehrsspezifisch, weil sie auch auf Gas und Strom eingehoben werden. Weder die Mineralösteuer auf Öle von 3,3 Milliarden Schilling im Jahr 1995 17) noch der Energiesteueranteil der Mineralölsteuer auf Treibstoffe von 3,9 Milliarden sind eine Leistung des Kfz-Verkehrs. Die verkehrsspezifischen Mineralölsteuereinnahmen betragen daher 26,8 Milliarden. Strafgelder aus Verkehrsdelikten decken bei weitem nicht die Kosten der Verkehrsüberwachung Die Strafgelder für Verstöße gegen Verkehrsregeln von jährlich 1,7 Mrd. werden häufig als "Leistung" des Straßenverkehrs angeführt. Daher sind auch die Sach- und Personalaufwendungen der Exekutive für die Verkehrsüberwachung von 8,4 Milliarden pro Jahr 11) als verkehrsspezifische Kosten zu verbuchen. Die direkten Kosten - Straßenbau und -erhaltung Die Einnahmen aus der Mineralölsteuer auf Treibstoffe (ohne Heizöl
und ohne Energiesteueranteil) von 26,8 Mrd. öS erhält größtenteils
der Bund, wodurch die Kosten für Straßenbau und -erhaltung des
Bundes (12,2 Mrd. 2)), doppelt abgedeckt
wären. Diese "Überdeckung" dient der Autolobby als Argument für
die Legende von der "Melkkuh Autofahrer". Vergessen wird dabei, daß
von den Gesamtaufwendungen für Straßenbau und -erhaltung von
33,7 Mrd. öS (bereinigt um Transferleistungen) der größte
Teil von Ländern und Gemeinden (21,5 Mrd.) getragen wird 20).
Besonders die Gemeindestraßen werden fast ausschließlich aus
allgemeinen Steuern finanziert. Nur 6 % (0,7 Mrd.10))
der Straßenausgaben der Gemeinden (12,5 Mrd. sowie 1,0 Mrd. für
Wien) waren 1995 aus Teilen der Mineralölsteuer gedeckt.
|
| Österreich leistet sich ein
enormes Autobahnnetz Autobahnkilometer pro 1 Mio. Einwohner
Daten: Verband der deutschen Automobilindustrie, Das Auto international in Zahlen, Frankfurt 1995, ergänzt um die Schnellstraßen mit Autobahnquerschnitt. |
Was sind die externen Kosten des Kfz-Verkehrs Neben den direkten Kosten des Kfz-Verkehrs aus Straßenbau, -erhaltung und -finanzierung gibt es indirekte Kosten aus Unfällen, Umweltschäden und Staus. Indirekte Kosten werden zum größten Teil nicht von den Verursachern getragen, sondern als externe Kosten Dritten aufgebürdet. Die externen Kosten des Straßenverkehrs werden von der EU-Kommission für Österreich mit 54,7 Mrd. Schilling (ohne Staukosten) angegeben 5). Die Umweltkosten des Verkehrs sind nicht fiktiv Die wichtigsten verkehrsspezifischen Umweltkosten sind Kosten aus Lärm- und Abgasbelastung. Sie beinhalten beispielsweise die Entwertung von Grundstücken durch Lärm. Die EU-Kommission beziffert die Schäden durch Straßenlärm in Österreich mit insgesamt 7,5 Mrd. öS pro Jahr; die Schäden durch Abgase mit 15,9 Mrd. öS 5). Unfallfolgekosten belasten die Allgemeinheit Straßenverkehrsunfälle verursachen Sach- und Personenschäden aber auch Schäden durch Krankenstände und Produktionsverluste. Sachschäden werden überwiegend von den Verursachern bezahlt. Personenschäden belasten großteils, beispielsweise über die Spitalsfinanzierung, als externe Kosten die Allgemeinheit. Die EU-Kommission 5) berechnet den externen Anteil der Unfallfolgekosten des Straßenverkehrs in Österreich mit 31,3 Mrd. Schilling pro Jahr. Einen wesentlichen Teil davon machen Produktionsausfälle durch Arbeitszeitverluste aus. |
| Staugefahr durch Platzbedarf
Benützer von Bus oder Straßenbahn verursachen kaum Staus, sie sind jedoch voll von Staus betroffen. Staukosten und Kosten für deren Vermeidung (Busspuren, Ampelsteuerung) sind daher dem stauverursachenden Autoverkehr anzulasten. Daten:
|
Staukosten schädigen die Wirtschaft Auch Staukosten gelten als externe Kosten, weil der Zeitverlust nicht allein den Verursacher trifft. Wer beispielsweise im Bus fährt, bewirkt aufgrund des geringeren Platzbedarfes pro Person nur etwa 6 % der Staukosten eines Autobenützers 8). Verzögerungen durch Staus treffen jedoch Bus- und Pkw-Verkehr gleich. Die Gesamthöhe der Staukosten für die österreichischen Unternehmen ausgedrückt als Wert der im Stau verbrachten Arbeitszeit wird auf 35,0 Mrd. Schilling pro Jahr 19) geschätzt. Unter Berücksichtigung der verlorenen Lebens- und Freizeit gehen die Annahmen bis 148,0 Mrd. öS pro Jahr 13). Wer zahlt derzeit das Defizit des Straßenverkehrs Insgesamt deckt der Kfz-Verkehr durch die verkehrsspezifischen Einnahmen von 49,8 Milliarden etwa seine direkt verursachten Kosten von 49,9 Mrd. Schilling im Jahr. Der Kfz-Verkehr deckt aber nicht seine externen Kosten von mindestens 54,7 5) Mrd. (ohne Stau). Die externen Kosten werden einerseits auf die Privatwirtschaft abgewälzt (etwa die Wertminderung durch verlärmte Grundstücke) und andererseits aus diversen Steuertöpfen subventioniert (etwa die ungedeckten Unfallfolgekosten aus der Sozial- und Krankenversicherung). Die versteckte Subventionierung des Kfz-Verkehrs Für das ländliche Wegenetz werden vom Bund (Budgetkapitel "Land und Forstwirtschaft" 14)) 0,5 Mrd. an die Länder überwiesen. Aus dem Katastrophenfonds fließt jährlich etwa die gleiche Summe in den Straßenbau. |
| Externe Kosten des Kfz-Verkehrs
in Österreich 54,7 Mrd. Schilling pro Jahr
|
Auch Steuergelder, die eigentlich für den Bau von Wohnungen gedacht sind, dienen der Finanzierung von Infrastruktur für den Autoverkehr. So ergibt sich aus den Durchschnittskosten für Garagenbauten, daß pro Jahr über 3 Mrd. öS aus der Wohnbauförderung in den Bau von Garagen fließen. Auch beim Bau öffentlicher Gebäude - bis hin zu Heimen für Behinderte werden aus Steuergeldern Stellplätze errichtet. Die jährlich dafür aufgewendete Summe erreicht dreistellige Millionenhöhe 4). Steuergeschenke machen Autofahren attraktiv Wer vom Arbeitgeber Gratisfahrkarten für die Fahrt zur Arbeit erhält, hat diesen Sachbezug zu versteuern. Wer hingegen sein Auto auf dem Firmenparkplatz gratis abstellt, zahlt dafür keine Steuer. Die Steuerpflicht für Gratis-Parkplätze (Marktwert bis 2.500,- öS/Monat) existiert vielerorts nur auf dem Papier. So beliebt wie Gratis-Parkplätze sind Dienstfahrten im eigenen Auto, denn mit dem steuerfreien Kilometergeld werden auch Fixkosten des Autos abgegolten. Der Fixkostensatz bringt etwa 3 öS je km 9). Der Steuerausfall bei Firmenparkplätzen und Kilometergeldern (Fixkosten) beträgt 1,1 Mrd. öS im Jahr 18). Verursachergerechte Finanzierung des Verkehrs Eine funktionierende Wirtschaft braucht ein funktionierendes Verkehrssystem. Ab einem gewissen Ausbaustandard übersteigen die Kosten den Nutzen. Dieser Standard ist längst erreicht. Gemessen an der Einwohnerzahl hat Österreich schon heute ein doppelt so langes Autobahnnetz wie der Durchschnitt der EU-Länder 16). Die Wirkung des überdimensionierten Wegenetzes und der generellen Subventionierung des Transportwesens durch die Gesellschaft ist, daß seit 1970 der Verkehr eineinhalb Mal schneller wächst als die Wirtschaft15. Die jahrzehntelang fehlende Kostenwahrheit machte das Verkehrssystem zwangsläufig ineffizient. Das Fehlen "echter" Preise im Transportsektor bewirkt immer mehr Verkehr, der nach volkswirtschaftlichen Maßstäben immer unrentabler wird. Ein fortgesetzter Ausbau des Straßennetzes würde Investitionskapital verschlingen, das in produktiven Wirtschaftssektoren dann fehlt. |
Ziele und Grundsätze eines ökonomisch effizienten Verkehrssystems
Anmerkungen und Quellen:
1. Apel et.al., Handbuch der komm. Verkehrsplanung,
Bonn 1992
2. Bischof H., Finanzierungs und Abwicklungsmodelle
Infra-Straße / Infra Schiene, Studie im Auftrag des BMfwA, Wien 1996,
Angaben bereinigt um Transfers an die Länder
3. Die Mineralölsteuererhöhung vom 1.5.1995
wird von den Sozialpartnern als nicht verkehrsspezifisch für den weiteren
Straßenausbau zu verwendende Einnahme beansprucht.
4. 5 % der Hochbauinvestitionen von Bund, Ländern
und Gemeinden
5. EU-Komm., Faire und Effiziente Preise im Verkehr,
Brüssel 1996
6. Institut Sicher Leben, Unfallstatistik 1994, Wien
1994
7. KfV, Unfallstatistik 1994, Wien 1995
8. Knoflacher H., Die radfahrerfreundliche Gemeinde,
im Auftrag des ARBÖ, Wien 1981
9. ÖAMTC, Was kosten Autos wirklich?, Wien 1995
10. Österreichische Gemeindezeitung 4/1996
11. Riedel R., Verkehrsbilanz Österreich, Diplomarbeit
am Institut für Straßenbau und Verkehrswesen der TU-Wien, Wien
1989, aktualisierte Berechnung der Kosten auf Grund der Zahlen des Bundesvoranschlages
1995 für Polizei und Gendarmerie
12. Schamp H., Verbrauchssteuern auf Mineralöl,
Wien 1995
13. Schierhackl K., Glaser S., Staukosten in Österreich
- Abschätzung der einzel- und gesamtwirtschaftlichen Belastungen,
Inst. F. Transportwirts., WU Wien im Auftrag des ÖAMTC, Wien 1995
14. Schönbäck W., Neuordnung der Kompetenzen
und Finanzierungsmöglichkeiten im Verkehrswesen Österreichs,
Wien 1994
15. T&E, Roads and Economy, Brüssel 1995
16. Verband der deutschen Automobilindustrie, Das
Auto international in Zahlen, Frankfurt 1995
17. VCÖ, Berechnungen aus der Mineralölstatistik
1995 der ÖMV
18. VCÖ, Berechnung aufgrund von Daten der Volkszählung
1991 bei 200,- Schilling pro Parkplatz und Monat
19. VCÖ, Sanfte Mobilität in Europas Städten,
Wissenschaft und Verkehr 4/1994, Wien 1994
20. Wirtschaftskammer Österreich, Mit dem Auto
ins dritte Jahrtausend, Sektion Fahrzeughandel, Wien 1996
(Veröffentlichung von "Kostentransparenz im Auto Verkehr" aus der Reihe "Verkehr aktuell" (Ausgabe 3/1996) im WWW mit freundlicher Genehmigung des VCÖ. Graphiken: VSML.)
Diese und andere Publikationen des VCÖ (z.B. "Effizienter Verkehr
durch faire Preise", erhältlich ab Mitte Dezember 1998) können
Sie direkt beim VCÖ bestellen:
| VCÖ Verkehrsclub Österreich
Dingelstedtgasse 15 1150 Wien Tel: (01) 893 26 97, FAX: (01) 893 24 31 e-mail: service@vcoe.at |