Aus dem Tagblatt vom 23.10.1999 © St.Galler Tagblatt

Interkantonale Truppe ist gefordert

Der DSC St. Gallen rekrutiert seine Spielerinnen in nicht weniger als fünf Kantonen

Das Dameneishockey hat es auf Clubebene in der Schweiz schwer, sich behaupten zu können. Der DSC St. Gallen ist der einzige NLA-Club in der Ostschweiz, seine Spielerinnen sind in der gesamten Ostschweiz wohnhaft.

albert gründler

Eishockey hat es in der Ostschweiz schwer. Clubs wie Herisau und der HC Thurgau machten schlimme Zeiten durch, ehe sie finanziell wieder gesundeten. Unter einem noch bedeutend schwierigeren Umfeld behaupten sich Damen-Eishockeyclubs, die, bis sie ein gewisses sportliches Niveau erreicht haben, enorm viel Kraft und Durchstehvermögen benötigen.
Behauptet in dieser rauhen Landschaft hat sich bisher der DSC St. Gallen, welcher im April 1998 gegründet wurde und der zuvor beim EHC St. Gallen angesiedelt war. Das Sekretariat befindet sich in Weinfelden, der Präsident wohnt in Erlen, der Trainer in St. Gallen und die Spielerinnen kommen sozusagen aus allen Himmelsrichtungen - aus Neftenbach, Wil, St. Gallen, Uzwil, Müselbach, Niederhasli, Kreuzlingen, Herisau, Chur usw.

Nachwuchsarbeit vorrangig

Obwohl der Schweizerische Eishockeyverband in der nun beginnenden Saison 99/2000 es ermöglicht, in der Nationalliga A drei sowie in der Nationalliga B und C zwei Ausländer einzusetzen, zieht es der DSC St. Gallen vor, ohne Ausländerinnen den Ligaerhalt, ja vielleicht sogar Rang vier zu schaffen. Präsident Claudio Ortelli: «Wenn wir ohne Ausländerinnen nicht absteigen, haben wir schon viel erreicht. Zudem möchte ich dem Nachwuchs die Chance geben, Verantwortung zu übernehmen.» Auch der neue DSC-Trainer Michael Fischer ist überzeugt, dass er mit seinem Team den Ligaerhalt schaffen kann. Er unterstützt das jetzige Langfristkonzept, in dem talentierte Spielerinnen in den Vereinen früh erfasst und zur Weiterausbildung in sogenannte Regionauswahlen gesteckt werden. Sie können sich fürs B- und später sogar fürs A-Team empfehlen, was einer internationalen Karriere gleichkäme. Fischer: «Die Erfahrungen in den Auswahlen und Nationalteams befruchten letztlich die Entwicklung der Vereine beim Aufbau der eigenen Spielerinnen.»

Gut dotiertes Kader

Der DSC St. Gallen ist für die Meisterschaftssaison 99/2000 personell gut gerüstet. Das Kader enthält einige Nationalspielerinnen beziehungsweise ehemalige Nationalspielerinnen. Das Sommertraining wurde im Mai mit zwei wöchentlichen Einheiten gestartet, seit August befindet sich das Kader bereits auf dem Eis. Neben zwei Trainingslagern in Flims und Grüsch kamen auch einige Testspiele zur Durchführung, das Team ist also für die kommen- de Meisterschaft gut vorbereitet. Präsident Ortelli: «Die jüngste Spielerin ist 16jährig, die älteste 30. Obwohl die Spielerinnen aus allen Himmelsrichtungen kommen, herrscht ein bäumiger Teamgeist, der Ligaerhalt oder sogar Rang vier scheint mir nicht unmöglich zu sein.» Nicht weniger als fünf Spielerinnen kommen aus dem Thurgau (Erlen, Bischofszell, Kreuzlingen und Rothenhausen). Zu ihnen gehört auch Kathrin Vonwiller. Sie ist im Damen-SC Weinfelden gross geworden und wechselte auf die neue Saison hin zu St. Gallen, mit guten Gründen: «Ich freue mich besonders darauf, Hockey auf höherem Niveau spielen zu können. Der Wechsel kam auf Initiative des DSC zustande; ich bin am Mages-Cup, an dem auch St. Gallen mitspielte, offenbar beo-bachtet und daraufhin kontaktiert worden».

Happiges Programm

Morgen Sonntag wird die NLA-Meisterschaft im Damen-Eishockey mit der Heimpartie gegen Lyss gestartet. Das Meisterschaftsprogramm umfasst insgesamt 20 Partien (Hin- und Rückspiele), abgeschlossen ist es am 5. März 2000. Stärkste NLA-Teams sind Zug (amtierender Schweizer Meister), Lyss und Illnau-Effretikon; sie dürften wahrscheinlich die ersten Plätze auch unter sich ausmachen. Hinter diesem Trio besitzt die interkantonale Truppe von Trainer Fischer aber recht gute Chancen, sich festsetzen zu können. Werden die gesteckten Ziele erreicht ist dies zweifllos ein Auftrag an die DSC-Verantwortlichen, auch künftig mit dem eigenen Nachwuchs zu arbeiten und von Experimenten mit Ausländerinnen abzusehen.