Schaffhauser Zeitung 17.02.1998

Auf dem Sprung nach Kanada
Patricia Sautter, die wohl auch beim heutigen Heimspiel des EHCS (KSS, 17.30 Uhr) zwischen den Pfosten steht, möchte einst in der berühmten NHL spielen.
Eishockey, 2. Liga. (H. Ci.) Auszeichnungen hat die 18jährige Torhüterin des EHC Schaffhausen schon genügend erhalten, so zum Beispiel an der letzten WM, als sie zur besten Torsteherin des Turniers gewählt worden war. Trotzdem hat die Praxisassistenz-Lehrtochter noch viele weitere Ziel. "Ich will einmal etwas Besonderes erreichen, zum Beispiel bei einem NHL-Spiel im Tor stehen", sagt sie. Den ersten Schritt auf dem Weg zur Erfüllung dieses Wunsches wird sie schon 1999 machen, denn dann schliesst sie sich einem kanadischen Damen-Profiteam an. Die Suche dürfte sich für Sautter aber nicht schwierig gestalten, bekam sie doch in den letzten drei Jahren regelmässig Angebote aus Nordamerika. "Ich möchte aber nur zu Beginn bei den Damen spielen, danach will ich wieder zu den Herren - entweder in die AHL oder in die IHL."
Dass sie sich bei den Herren durchsetzen kann, hat sie in dieser Saison beim EHC Schaffhausen neuerlich bewiesen. Mit José Leon und Ronnie Heinz, der inzwischen zu Flims gewechselt hat, setzte man ihr gleich zwei Konkurrenten vor. "Am Anfang war ich schon frustriert, dass man mir so wenig Vertrauen entgegenbrachte", erinnert sich Sautter, "gleichzeitig war diese neue Situation auch Ansporn für mich." Sicher, mit der neuen Ausgangslage war die 18jährige alles andere als glücklich, aber mittlerweile herrscht wieder Normalität, zumal das Verhältnis zwischen den beiden Torhütern des EHCS kameradschaftlich ist.
Dass Konkurrenz die Situation belebt und förderlich ist, sieht man auch am Beispiel von Sautter. Nachdem sie Leon als Nummer eins im Tor des EHCS abgelöst hat, zeigt sie konstant gute Leistungen, und im Vergleich zur letzten Saison sind grosse Fortschritte zu erkennen. "In jedem Training muss man zeigen, was man kann. Sonst spielt der andere", gewinnt Sautter dem Goalieduell eine positive Seite ab.
Sautter strahlt vor allem dann Sicherheit aus, wenn sie ihre Fanghand einsetzen muss. "Ich genoss eine gute Grundausbildung, die mir nun zugute kommt." Aber auch ihre stoische Ruhe treibt die 2.-Liga-Gegnerschaft dann und wann zur Verzweiflung. Sie sei als Torsteherin reifer und erfahrener geworden, urteilt Sautter über sich. Mit ein Grund sind natürlich auch die Erfolge mit der Damen-Nationalmannschaft, wenngleich die Schaffhauserin und ihre Kolleginnen die Olympiaqualifikation knapp verpassten. "Hoffentlich gelingt uns irgendwann die Qualifikation", hat sich die beste Torhüterin der Schweiz ein weiteres Ziel gesetzt.
Vorerst aber steht für sie der Erfolg mit dem EHCS im Vordergrund. Einem allfälligen Aufstieg in die 1. Liga blickt Sautter gelassen entgegen. "Die Schüsse in der 1. Liga sind nicht härter, sondern nur präziser", vermutet sie, "ich jedenfalls habe vor dem 1.-Liga-Niveau keine Angst." Ein Aufstieg in die 1. Liga käme Sautter auch deshalb gelegen, weil sie dann eine weitere Referenz hätte, die ihr bei der Suche nach einem Klub in Kanada viel nützen würde.