Dienstag, 24. Februar 1998

NZZ Monatsarchiv

Neue Zürcher Zeitung SPORT Mittwoch, 18.02.1998 Nr. 40  61

  Olympische Premiere an US-Damen  

    per. Die Amerikanerinnen haben die erste Olympia- Goldmedaille des Frauen-Eishockeys gewonnen. An vier Weltmeisterschaften waren die Kanadierinnen die Stärkeren gewesen, an Olympia entschieden nun die USA erstmals einen Titelkampf zu ihren Gunsten. Ulion (23.) und Looney (51.) hatten in einem intensiven Spiel ihr Team in Führung gebracht, Goyette, die beste Torschützin des Turniers (9 Treffer), auf 1:2 verkürzt (56.) - alle Tore fielen übrigens im Powerplay. Trotz zahlreichen Chancen glückte der Ausgleich in der Schlussphase nicht mehr, Whyte gelang vielmehr noch das Tor zum 3:1.

    Die beiden Finalisten hatten schon am Samstag gegeneinander gespielt, damals hatten ebenfalls die Amerikanerinnen gewonnen. Schon das erste Spiel der beiden Teams war an Dramatik kaum zu überbieten gewesen. 1:1 stand es nach zwei Dritteln, in der Folge gingen die Kanadierinnen bis zur 46. Minute mit drei Toren in Führung. Die Amerikanerinnen konnten aber ihrerseits zusetzen und erzielten innert 12 Minuten sechs Tore. Das Spiel war sehr rauh geführt worden, gesamthaft mussten 19 kleine Bankstrafen und eine 10-Minuten-Strafe ausgesprochen werden.

    Im Spiel um Platz 3 besiegte Finnland China, auch hier in Wiederholung des Ausgangs des Vorrundenspiels. Die Chinesinnen waren zwar in der 15. Minute in Führung gegangen, die Finninen führten im zweiten Drittel aber die Wende herbei und gewannen schliesslich 4:1. Das letzte Tor erzielte Riika Nieminen, die mit 7 Goals und 4 Assists die beste Skorerin des Turniers war. Nieminen war einmal für den Verein von Lyss engagiert gewesen . . .

    Die Spiele der Frauen stiessen auf grosses Interesse. Nur wenige Partien fanden vor weniger als 3000 Zuschauern statt, der Final zog gar 8127 Leute an, die ihre helle Freude am Geschehen hatten. Weil die Spielerinnen kleiner sind und weniger körperbetont vorgehen, bleibt mehr Raum für das spielerische Element und das beachtliche technische Können der Frauen. Bemängelt werden muss hingegen die fehlende leistungsmässige Dichte. Das Turnier lebte ganz von der Rivalität der Amerikanerinnen und Kanadierinnen, selbst die Finninen waren letztlich nur Staffage auf einer Bühne, die ganz für die Nordamerikanerinnen hergerichtet war. Wenn in einem Olympiaturnier mit sechs teilnehmenden Teams Resultate von 13:0 wie im Spiel Kanada - Japan auftreten, ist das nicht nur ein Hinweis auf die Stärke des siegreichen Teams, sondern auch einer auf die mangelnde Qualität des Wettbewerbs.

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