Eishockey-Thema 10.02.00

Ein Schritt aus der Abhängigkeit

Eishockey-Thema Das Frauenteam des SC Reinach sucht in der nächsten Nationalliga-A-Saison eine neue Herausforderung

Rainer Sommerhalder

Der Popularitätsschub, welcher das Fraueneishockey nach dem ersten olympischen Turnier in Nagano erfasst hat, scheint nicht bis ins obere Wynental vorgedrungen zu sein, obwohl der Reinacher Drittliga-Eishockeyclub seit Jahren ein Frauenteam in der höchsten Spielklasse betreibt.

Nachdem vor wenigen Jahren Trainer Nik Heim dank einer beträchtlichen Innerschweizer Kolonie den Aufschwung eingeleitet hat, musste sein Nachfolger Toni Neuenschwander nach seinem Amtsantritt vor drei Jahren praktisch eine neue Mannschaft aufbauen. Dass ein Coach meistens einige Spielerinnen im Schlepptau mitbringt, gehört genauso zum Schweizer Fraueneishockey wie die Tatsache, dass je nach Transfers bereits vor der Saison ziemlich klar ist, wer um den Schweizer-Meister-Titel kämpft. So steht St. Gallen, Reinachs Gegner vom Dienstagabend, vor allem deshalb an der Spitze, weil die Ostschweizerinnen mit Patricia Sauter den Nationalmannschaftsgoalie und eine der weltweit bes-ten Eishockeytorhüterinnen verpflichten konnte. Sie spielte zuvor bei den Männern mit, weil sie sich im Fraueneishockey unterfordert fühlte. Sie war schliesslich auch dafür verantwortlich, dass die Reinacherinnen einmal mehr in dieser Saison in einem ausgeglichenen Spiel mit 0:3 den Kürzeren zogen.

Immerhin sind die Zeiten im Schweizer Fraueneishockey vorbei, als jeweils die halbe Nationalmannschaft von Saison zu Saison zusammen den Klub wechselte und die Meistertitel damit quasi eingekauft wurden. Diesen Weg ist Reinach nie gegangen, auch wenn unter Neuenschwander wieder Auswärtige das Gros der Mannschaft stellen. Diesmal stammt der Kern des Teams aus der Region Langenthal, getreu der sportlichen Vergangenheit des Trainers, der seit 15 Jahren Frauen trainiert.

Kein Zuwachs aus der Region

Während zum Beispiel Zug seit geraumer Zeit mit dem gleichen Team Erfolge feiert und der Verein infolge ungenügender Nachwuchsarbeit nach dieser Spielergeneration wohl aus der nationalen Spitze verschwinden wird, hat man in Reinach trotz grösserem Kader und grösserer Fluktuation für die Zukunft ein ähnliches Problem zu lösen. "Ich sage es nicht gerne, aber irgendwie fühle ich den Druck in mir, dass das Team nicht mehr existieren könnte, wenn ich eines Tages in Reinach aufhöre." Trainer Neuenschwander kennt die Abhängigkeiten zwischen Mannschaft und Coach. Er fordert deshalb, dass man im Verlauf dieses Jahres auf Führungsebene des Vereins Strukturen für das Fortbestehen der Frauenabteilung auch nach seiner Amtszeit schafft. "Oder dann entscheidet man sich dafür, auf auswärtige Verstärkungen zu verzichten und mit der jetztigen zweiten Mannschaft in einer unteren Liga plauschmässig zu spielen."

Trotz sportlichem Erfolg hat das Frauenteam aus der Region bisher keinen grossen Zuwachs erhalten. "Vielleicht hat man in der Vergangenheit wenig dafür getan", orakelt Neuenschwander, der im Gegenzug die hervorragende Nachwuchsarbeit in Langenthal lobt, die auch in Zukunft als Quelle angezapft werden könnte. Oder man geht den umgekehrten Weg: Mit der Spitze zur Basis - von Reinach nach Langenthal.

Hochkarätige Verstärkungen

Noch sind solche politischen Entscheide nicht reif, zuerst muss im oberen Wynental ein personenunabhängiges Strukturkonzept ausgearbeitet werden. Und vorläufig geht Neuenschwander nicht verloren. Dieser ist trotz sportlichen Enttäuschungen in der laufenden Saison bereits fleissig an der Zusammensetzung der nächstjährigen Mannschaft. "Nach zwei Jahren ohne grosse Erfolgserlebnisse muss in der nächsten Saison etwas gehen, damit die Spielerinnen nicht die Motivation verlieren." Mit zwei hochkarätigen Verstärkungen aus Nordamerika, und zwei bis drei Schweizer Spielerinnen als Zuzüge will man um den Titel mitspielen. Der Stamm der Mannschaft bleibt zusammen und bildet ein Erfolg versprechendes Fundament, stehen immerhin sieben Spielerinnen mit Nationalmannschafts-Erfahrung im Kader der Reinacherinnen.