
© Aargauer Zeitung 2002-08-09; Seite 29
Meisterlicher Kampf mit den Konsequenzen
FRAUEN-EISHOCKEY · Der SC Reinach verliert nach Trainer Neuenschwander auch seineTopskorerinnen
Im Schweizer Frauen-Eishockey sind die Wege von Trainern und Spielerinnen oft eng miteinander verknüpft. Dies muss zurzeit Schweizer Meister SC Reinach schmerzlich erfahren.
In den letzten beiden Jahren war der SC Reinach bei den Frauen das Mass aller Dinge. Sicherlich ein Verdienst von Trainer Toni Neuenschwander, der während fünf Jahren im Wynental wirkte. In diesem Sommer hat sich der Verein von seinem Erfolgstrainer getrennt, weil neben all den sportlichen Verdiensten des Langenthalers andere Dinge weniger gestimmt haben. Mehr dazu will Franz Pelloli, Präsident des SCR, nicht sagen. Er nennt Neuenschwander «ein abgeschlossenes Kapitel» und - gentleman-like - einen Mann, «dem wir viel zu verdanken haben».
Für Neuenschwander, den es ins Tessin zu Lugano zieht, stösst mit Gregor Seiler aus Fischbach-Göslikon ein alter Bekannter zu den Wynentalern. Der 41-Jährige trainierte zwischen 1994 und 1996 für zwei Saisons die Reinacher Männer. Daneben war er Coach beim Fanionteam des HC Wohlen und zuletzt bei den Freiämtern im Nachwuchsbereich tätig. Seiler betritt mit dem Engagement beim Schweizer Frauen-Meister Neuland.
Allerdings wird der Freiämter in seiner ersten Saison im Wynental mit ganz anderen Perspektiven Vorlieb nehmen müssen als zuletzt Neuenschwander. Präsident Pelloli definiert das Saisonziel des Doppelmeisters nämlich mit «Ligaerhalt». Dies in erster Linie wegen des extrem schmalen Kaders. Gerade mal neun Spielerinnen absolvierten unter Interims-Konditionstrainer René Affentranger das Sommertraining. Drei Ausländerinnen sowie zwei junge Schweizer Spielerinnen sollen noch zum Team stossen. Als einziges «Glanzlicht» figuriert bislang Rückkehrerin Helga Schneiter auf der Habenseite der Transferbilanz.
Ansonsten spürt man beim Meister die Kehrseite der bisherigen «Alleinherrschaft» Neuenschwanders, der praktisch alle Transfers von auswärtigen Spielerinnen abwickelte. Neben den bisherigen Ausländerinnen - unter ihnen die kanadische Torschützenkönigin Erin Magee - verlassen im Soge des Trainers auch die Nationalspielerinnen Anita Steinmann und Reglua Müller, die frühere Internationale Evelyn Bieri und Daniela Diaz, hinter Magee Nummer 2 der Schweizer Skorerwertung, Reinach. Dazu verliert man mit Priska Mosimann aus beruflichen Gründen eine weitere Nationalspielerin.