Erschienen am: 05.03.2002

Aufstiegswunsch mit Vorbehalten
Gewinnen die Frauen des EHC Basel heute auswärts gegen Fribourg-Gottéron, ist der Aufstieg in die zweithöchste Schweizer Spielklasse perfekt. Ein Aufstieg könnte dem Team aber auch Probleme bereiten.
Basel. Von grossen Investoren und einer neuen Eishalle ist die Rede, wenn man in diesen Tagen vom EHC Basel spricht. Das Wirken des Frauenteams des Vereins spielt sich derweil auf einer komplett anderen Ebene ab. Das Schweizer Frauen-Eishockey kann sich nicht grösseren Interesses erfreuen, auch wenn sich die Sportart seit den Anfängen im Jahr 1984 durchaus entwickelt. Seit der Saison 1988/89 ist die Meisterschaft in die Leistungsklassen A und B (LKA/LKB) aufgeteilt, 1990 stiegen die Frauen des EHC Basel in der LKB in den Spielbetrieb ein.
Durch das Interesse immer mehr Vereine ist mittlerweile noch eine dritte Leistungsklasse (LKC) dazugekommen, in der auch die Baslerinnen in der zweiten von drei Gruppen spielen. Vielleicht nicht mehr lange, denn am Samstag trennten sich die Frauen des EHC Basel und Rapperswil-Jona auf der Kunsteisbahn Margrethen im Aufstiegsspiel zur zweithöchsten Schweizer Spielklasse 4:4-Unentschieden, und so können die Baslerinnen mit einem Sieg heute Abend im zweiten Spiel, auswärts gegen Fribourg-Gottéron, den Aufstieg aus eigener Kraft realisieren.
Wenn es nach Spieler-Trainerin Isabelle Gramelsbacher geht, wirds heute in Fribourg wohl klappen. Die letzte Aufstiegseuphorie lässt die Baslerin bei ihrer Aussage allerdings vermissen. Die Gründe, die sie dafür nachliefert, sind einleuchtend: «Der Entwicklung der jüngeren Spielerinnen, die sich noch mitten im Aufbau befinden, wird ein Aufstieg wohl eher hinderlich sein.» Denn, und das weiss Gramelsbacher aus eigener Erfahrung von einem früheren Engagement beim DHC Langenthal, in der Leistungsklasse B sind die Anforderungen weitaus höher, was die erfahrenen Spielerinnen im EHC-Team sportlich durchaus herausfordern könnte. Doch auch wenn man sich mit einem kleinen Dilemma konfrontiert sieht, geht die Tendenz klar dahin, die Promotion wahrzunehmen: «Wenn es klappt, freuen wir uns über den Aufstieg und werden in der nächsten Saison versuchen, uns in der LKB zu halten.»
Mit dem Stellenwert, der den Frauen des EHC Basel innerhalb des Vereins zukommt, ist die Spieler-Trainerin zufrieden. Zweimal wöchentlich auf Eis trainieren zu können, sei im Frauen-Hockey keine Selbstverständlichkeit. Und da es sich nicht um ein Nachwuchs-Team für die erste Mannschaft handelt und man dem EHC in diesem Sinne «nichts bringen» würde, will man sich auch nicht über mangelnde Unterstützung beklagen. «Für uns ist das Umfeld in Ordnung. Die Schlittschuhe sind ständig geschliffen und es ist immer jemand da, der das Isostar zubereitet», weiss Gramelsbacher zu schätzen.
Der Kern der heutigen EHC-Frauen-Equipe spielt schon seit rund zehn Jahren zusammen. Dazu kommen immer mehr jüngere Frauen, die Spass am Eishockey haben und diesen auch auf dem Eis ausleben wollen. Einige Nachwuchsspielerinnen trainieren mit den männlichen Alterskollegen, wo sie Technik und Taktik von Grund auf lernen. In diesem Rahmen kann das Frauen-Team längerfristig auch indirekt von den derzeitigen strukturellen Veränderungen des Vereins profitieren, zumal in Zukunft auch eine beträchtliche Summe Geld in die Nachwuchsabteilung fliessen soll.
Vieles, was die weitere Entwicklung der EHC-Frauen betrifft, hängt auch vom noch zu bestimmenden neuen Sportchef des Vereins und von seinem Interesse an den Eishockey spielenden Frauen ab. Paul-André Cadieux, der neue Sportdirektor des EHC, hat sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger Peter Tschudin, der auch für die Amateur-Teams zuständig war, nur mit der Nationalliga-Mannschaft zu beschäftigen. Eines ist indes klar: Wer Interesse wecken will, muss sportlichen Erfolg oder zumindest das Potenzial dazu vorweisen können. Zumindest das soll heute Abend gelingen. Remo Meister