Basel. Von
grossen Investoren und einer neuen Eishalle ist die Rede, wenn man
in diesen Tagen vom EHC Basel spricht. Das Wirken des
Frauenteams des Vereins spielt sich derweil auf einer komplett
anderen Ebene ab. Das Schweizer Frauen-Eishockey kann sich nicht
grösseren Interesses erfreuen, auch wenn sich die Sportart seit den
Anfängen im Jahr 1984 durchaus entwickelt. Seit der Saison 1988/89
ist die Meisterschaft in die Leistungsklassen A und B (LKA/LKB)
aufgeteilt, 1990 stiegen die Frauen des EHC Basel in der LKB in den
Spielbetrieb ein. Durch das Interesse immer mehr Vereine ist
mittlerweile noch eine dritte Leistungsklasse (LKC) dazugekommen, in
der auch die Baslerinnen in der zweiten von drei Gruppen spielen.
Vielleicht nicht mehr lange, denn am Samstag trennten sich die
Frauen des EHC Basel und Rapperswil-Jona auf der Kunsteisbahn
Margrethen im Aufstiegsspiel zur zweithöchsten Schweizer Spielklasse
4:4-Unentschieden, und so können die Baslerinnen mit einem Sieg
heute Abend im zweiten Spiel, auswärts gegen Fribourg-Gottéron, den
Aufstieg aus eigener Kraft realisieren. Wenn es nach
Spieler-Trainerin Isabelle Gramelsbacher geht, wirds heute in
Fribourg wohl klappen. Die letzte Aufstiegseuphorie lässt die
Baslerin bei ihrer Aussage allerdings vermissen. Die Gründe, die sie
dafür nachliefert, sind einleuchtend: «Der Entwicklung der jüngeren
Spielerinnen, die sich noch mitten im Aufbau befinden, wird ein
Aufstieg wohl eher hinderlich sein.» Denn, und das weiss
Gramelsbacher aus eigener Erfahrung von einem früheren Engagement
beim DHC Langenthal, in der Leistungsklasse B sind die Anforderungen
weitaus höher, was die erfahrenen Spielerinnen im EHC-Team sportlich
durchaus herausfordern könnte. Doch auch wenn man sich mit einem
kleinen Dilemma konfrontiert sieht, geht die Tendenz klar dahin, die
Promotion wahrzunehmen: «Wenn es klappt, freuen wir uns über den
Aufstieg und werden in der nächsten Saison versuchen, uns in der LKB
zu halten.» Mit dem Stellenwert, der den Frauen des EHC Basel
innerhalb des Vereins zukommt, ist die Spieler-Trainerin zufrieden.
Zweimal wöchentlich auf Eis trainieren zu können, sei im
Frauen-Hockey keine Selbstverständlichkeit. Und da es sich nicht um
ein Nachwuchs-Team für die erste Mannschaft handelt und man dem EHC
in diesem Sinne «nichts bringen» würde, will man sich auch nicht
über mangelnde Unterstützung beklagen. «Für uns ist das Umfeld in
Ordnung. Die Schlittschuhe sind ständig geschliffen und es ist immer
jemand da, der das Isostar zubereitet», weiss Gramelsbacher zu
schätzen. Der Kern der heutigen EHC-Frauen-Equipe spielt schon
seit rund zehn Jahren zusammen. Dazu kommen immer mehr jüngere
Frauen, die Spass am Eishockey haben und diesen auch auf dem Eis
ausleben wollen. Einige Nachwuchsspielerinnen trainieren mit den
männlichen Alterskollegen, wo sie Technik und Taktik von Grund auf
lernen. In diesem Rahmen kann das Frauen-Team längerfristig auch
indirekt von den derzeitigen strukturellen Veränderungen des Vereins
profitieren, zumal in Zukunft auch eine beträchtliche Summe Geld in
die Nachwuchsabteilung fliessen soll. Vieles, was die weitere
Entwicklung der EHC-Frauen betrifft, hängt auch vom noch zu
bestimmenden neuen Sportchef des Vereins und von seinem Interesse an
den Eishockey spielenden Frauen ab. Paul-André Cadieux, der neue
Sportdirektor des EHC, hat sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger
Peter Tschudin, der auch für die Amateur-Teams zuständig war, nur
mit der Nationalliga-Mannschaft zu beschäftigen. Eines ist indes
klar: Wer Interesse wecken will, muss sportlichen Erfolg oder
zumindest das Potenzial dazu vorweisen können. Zumindest das soll
heute Abend gelingen. Remo Meister
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