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Torhüterin Riitta
Schäublin fühlt sich im Kreis ihrer Teamkollegen voll
akzeptiert. Foto Dominik Plüss
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| Basel.
«Er steht im Tor, im Tor, im Tor und ich dahinter», trällerte
die Schlagersängerin Wencke Myhre irgendwann einmal, lang ist es
her. Heute kann die Rollenverteilung schon mal umgekehrt sein. Die
Frau steht im Tor, und die Männer haben sich hinter und vor ihr zu
bemühen, sie bei der Arbeit so gut wie möglich zu
unterstützen. Beim EHC Zunzgen/Sissach zumindest sind die Rollen
derart ungewohnt verteilt. Zwei Goalies befinden sich im Kader des
Eishockey-Erstligisten. Einer davon ist eine Sie: Riitta Schäublin
bestreitet ihre erste Saison in einem Männerteam. Und sie macht ihre
Sache gut. So gut, dass sie inzwischen als Stammtorhüterin des Clubs
angesehen werden darf. Zuvor hatte es noch einige Hürden zu
überspringen gegeben, um als erste Frau in der dritthöchsten
Schweizer Spielklasse (der Männer) antreten zu dürfen. Erst war ihr
jetziger Verein von ihrem Können zu überzeugen, dann mussten die
Regionalverbände einer Reglementsänderung zustimmen, die ihren
Einsatz überhaupt erst ermöglichte.
Keine
PR-Geschichte
Doch so selbstverständlich, wie die
Geschichte klingt, war der Weg der 19-Jährigen zur Torhüterin bei
Z/S keineswegs. Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass der
Baselbieter Club über eine Verpflichtung der gross gewachsenen
Baslerin nachdenkt, kam an manchem Ort vorschnell der Verdacht auf,
es könne sich dabei um eine PR-Geschichte handeln. Allein dieser
Gedankengang zeigt schon, dass der Eintritt einer Frau in eine
Männerdomäne nicht immer reibungslos vonstatten geht. Dass
ausschliesslich sportliche Gründe für den Verein ausschlaggebend
waren, die Spielerin zu verpflichten, musste Z/S dem Verband denn
auch im Antrag für die Spielgenehmigung beteuern. Im Herbst 2001
wars dann so weit, im vierten Saisonspiel kam Schäublin erstmals zu
einem Einsatz. Die Torhüterin weiss, dass ihre Präsenz in der 1.
Liga ein mediales Echo ausgelöst hat, das keiner ihrer Teamkollegen
auch nur annähernd erreichen kann. Doch die Baslerin hat sich gut
auf dieses - aus ihrer Sicht - übertriebene Interesse eingestellt.
Wenn es ihr passt, spielt sie das Spiel der Medien mit, wenn nicht,
verzichtet sie dankend. So erteilte sie im vergangenen Sommer «10
vor 10» eine Absage, als das Nachrichtenmagazin ihre Geschichte
verfilmen wollte. «Mich ärgert, wenn man jemanden vor dem
Wettkampf hochjubelt», begründet sie ihren Entscheid, denn zu jenem
Zeitpunkt hatte sie noch kein Spiel für Z/S absolviert. Hingegen
liess sie sich gerne vom «Sonntagsblick» einspannen, als ihr dieser
ein Probetraining beim EV Zug ermöglichte. «Ich wusste von Anfang
an, dass das nur ein Promo-Gag ist.» Sie habe aber unbedingt mal bei
einem Profiteam reinschauen wollen, das Erlebnis bezeichnet sie
rückblickend mit leuchtenden Augen als «grossartig». Die
angehende Wirtschaftsstudentin weiss nur Positives über ihre ersten
Monate in einem Männerteam zu berichten. «Ich wurde von Anfang an
von meinen Mitspielern grossartig akzeptiert.» Erst seien die
Teamkollegen vorsichtig gewesen, sagt sie, und meint damit in erster
Linie den Umgangston. Inzwischen hätten sie aber gemerkt, dass sich
die junge Torhüterin auch in einer Männergruppe bestens zu
verteidigen wisse, und würden sie deshalb wie einen männlichen
Mitspieler behandeln. Auch haben die Männer anfangs nicht so recht
gewusst, ob sie mit voller Wucht auf ihr Tor abziehen dürfen, doch
diese Unsicherheit hat sich ebenfalls längst gelegt.
Gegner nehmen keine Rücksicht
Auch die Gegner
im Wettkampf nehmen keine Rücksicht, dass da eine Frau versucht, sie
an Torerfolgen zu hindern. «Einmal nur habe ich gemerkt, dass ein
Spieler den Stock zurückzieht, statt nachzustochern.» Manchmal
würden ihre Mitspieler im Training sie gar stärker als nötig
bedrängen, damit sie den Respekt vor solchen Situationen verliere.
Dies wertet sie als Zeichen, dass ihr sportliches Leistungsvermögen
ernst genommen wird. Denn dieses - und nur dieses - bildet den
Hintergrund ihres beachteten Ausflugs ins Männer-Eishockey. Im
letzten Jahr noch bestritt Schäublin mit Reinach die Meisterschaft
der Frauen, doch schon damals absolvierte sie einige Trainings bei
Z/S und spürte sofort, dass ihr die härteren und schnelleren Schüsse
sportliche Fortschritte ermöglichen. Es ist ihr wichtig zu betonen,
sie spiele bei den Männern, um guten Sport auszuüben - das
Geschlecht ihrer Mitspieler sei ihr egal. Sie will als Sportlerin
ernst genommen werden. Als Vorkämpferin, die anderen Frauen
irgendwelche Türen öffnet, betrachtet sie sich selber nicht, denn
«ich bin keine Feministin». Vielleicht deshalb nicht, weil sie
selber kaum Erfahrungen gemacht hat, mit denen Frauen in der
Berufswelt manchmal zu kämpfen haben. Im Sport, dies ist ihre
Wahrnehmung, zähle die Leistung des Einzelnen - unabhängig vom
Geschlecht. Neid ihrer Geschlechtsgenossinnen ist ihr fremd. Die
Kolleginnen im der Frauen-Nationalteam würden sich sehr für ihr
«Abenteuer Männerliga» interessieren, fänden den Schritt gut, meint
sie. Überhaupt fühlt sie sich von allen Seiten unterstützt -
insbesondere auch von ihrer Familie. Bruder Jarkko spielt selber
ambitioniert Eishockey, in der Nationalliga B für den EHC Basel. «Er
akzeptiert mich als Eishockeyspielerin», sagt sie nicht ohne Stolz,
denn seine Meinung bedeute ihr sehr viel. Ein Mann also, der hinter
ihr steht, während sie das Tor hütet.
Von Patrick Künzle
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