TAGBLATT.ch

Sport | Freitag, 7. Dezember 2001


Kaderergänzungen, aber keine Stars

Der DSC St. Gallen Women hat für diese Saison Ausländerinnen aus den USA und Finnland verpflichtet

Eigentlich wollte der DSC St. Gallen Women keine Ausländerinnen verpflichten. Doch das knappe Kader zwang die Verantwortlichen, im Ausland Spielerinnen zu suchen. Die zwei Amerikanerinnen und eine Finnin sind keine Stars, ergänzen das Kader aber ideal.

Roger Ackermann

Mit seinen drei Ausländerinnen im Kader ist Reto Roveda, Trainer des DSC St. Gallen Women, soweit zufrieden. «Aber man muss sich auch bewusst sein, dass die drei international keine Top-Spielerinnen sind», sagt Roveda. Er glaubt, die Leistungsfähigkeit der zwei Amerikanerinnen Michelle Snyder und Lisa Meyers sowie jene der Finnin Virve Latvala sei vergleichbar mit derjenigen seiner stärksten Schweizerinnen im Team. «Sie halten das Niveau unserer besten Spielerinnen, aber mehr nicht. Unser Spiel können sie nicht bestimmen», sagt Reto Roveda weiter.

Zu dünnes Kader

Der DSC St. Gallen Women bestritt die vergangenen beiden Saisons ohne Ausländerinnen und wurde vor zwei Jahren auch ohne Verstärkungsspielerin Schweizer Meister. Wieso also teure Ausländerinnen verpflichten, wenn sie keine tragende oder gar herausragende Rolle spielen können? «Wir wollten auch diese Saison ohne Ausländerinnen bestreiten», erklärt Trainer Roveda, «wir waren aber aufgrund des zu knappen Kaders gezwungen, uns im Ausland umzusehen, weil keine Schweizer Spielerinnen dieses Niveaus verfügbar waren.» Dass schliesslich keine Spielerin von Top-Format und internationaler Klasse geholt wurde, lag dann allerdings weniger am Verein, sondern hat in erster Linie mit den Olympischen Spielen vom nächsten Februar in Salt Lake City zu tun. Die dominierenden Eishockeynationen bei den Frauen, Kanada und die USA, haben ihre Nationalmannschaften im Hinblick auf die Olympischen Spiele bereits zusammengezogen, weshalb es nicht mehr möglich war, die absoluten Top-Spielerinnen zu verpflichten. «Deshalb kann man unsere drei Ausländerinnen auch nicht mit einer Kelly O'Leary vergleichen», sagt Klub-Präsident Claudio Ortelli. Die Weltklasse-Spielerin aus den USA führte einst das St. Galler Team zu seinen ersten grossen Erfolgen.

Fehlende Spielpraxis

«Natürlich haben wir von Kelly gehört, sind uns aber bewusst, dass wir nie in ihre Fussstapfen treten können», sagt Michelle Snyder. Ihre Kolleginnen Lisa Meyers und Verve Latvala stimmen ihr zu. Mit ihren Leistungen auf dem Eis sind aber die drei jungen Frauen auch so noch nicht ganz zufrieden. Lisa Meyers: «Ich musste mich zuerst wieder an den Rhythmus gewöhnen.» Weil in den USA nach den College-Ligen keine eigentliche Meisterschaft für Frauen existiere, hätten sie und Michelle Snyder - beide besuchten in Chicago dieselbe High School - praktisch keine Spielpraxis mehr gehabt. «Wir haben sicher noch mehr Potenzial und möchten der Mannschaft vermehrt helfen», sind sich die beiden Amerikanerinnen einig. Noch nicht viel zeigen konnte bisher Virve Latvala. Die finnische Verteidigerin zog sich bei ihrem ersten Einsatz, noch während der Vorbereitung, eine Bänderverletzung im Knie zu. Sie ist aber zuversichtlich: «Ich spüre die Verletzung noch, hoffe aber bald wieder ganz fit zu sein.» Und dann sollte das Team des DSC St. Gallen Women noch stärker sein. Zurzeit belegt es den dritten Tabellenplatz.