31.10.2001 - 10:57
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Riitta Schäublin stiehlt den Eishockey-Männern die Show


Sie ist der grosse Star im Erstliga-Eishockey der Männer, die 19-jährige Riitta Schäublin vom EHC Zunzgen-Sissach. Die Baslerin hat gegen Langenthal und Burgdorf 70 Minuten lang das Tor gehütet und damit für eine aufsehenerregende Premiere im Schweizer Eishockey gesorgt.
Auf Riitta Schäublin sind in diesen Tagen viele Blicke gerichtet.
Foto: Urs Lindt



Walter Ryser

Riitta Schäublin seufzt und sagt ohne Umschweife, was sie denkt, als sie am Natel erfährt, wer sie sprechen will: «Nein, nicht schon wieder.» Immer wieder rufen in diesen Tagen Journalisten an, auf Schritt und Tritt wird sie von Fotografen verfolgt. Der 19-jährigen Baslerin ist so viel Aufmerksamkeit unangenehm. «Ich bin nicht gerne in der Zeitung. Das muss doch nicht jeder wissen», wehrt sie ab, um dann doch bereitwillig Auskunft zu geben.

Bei den Männern mehr gefordert

Riitta Schäublin hat eine absolute Männer-Domäne geknackt. Am 17. Oktober stand sie im Erstliga-Spiel zwischen Zunzgen-Sissach und Langen-thal ab der 30. Minute für Simon Roth im Zunzgen-Tor und sorgte damit für eine aufsehenerregende Premiere im Schweizer Eishockey, stand doch noch nie eine Frau in einer der drei höchsten Männer-Ligen des Landes im Einsatz. Am letzten Samstag dann die Fortsetzung: Riitta Schäublin stand im Spiel Burgdorf Zunzgen gar 40 Minuten lang im Tor der Baselbieter. In den 70 gespielten Minuten kassierte die Frau lediglich zwei Tore, womit sie in der Gruppe 2 nun sogar statistisch der beste Torwart ist...
«Natürlich habe ich gewusst, dass nach dem ersten Spiel alle Journalisten anrennen werden», sagt sie lachend, um gleich anzufügen, dass ihr dieser Rummel aber höchst unangenehm sei. Riitta Schäublin hätte es einfacher haben und bei einem Frauen-Verein in der NLA spielen können. «Haben Sie schon einmal ein NLA-Spiel der Frauen gesehen...», antwortet sie provokativ auf diese Frage. «Nein, bei den Männern bin ich viel mehr gefordert», entgegnet die Torhüterin, die bereits seit vier Jahren Mitglied der Frauen-Nationalmannschaft ist.

Und wo duscht Frau Schäublin?

Für Riitta Schäublin ist das Mitspielen bei den Männern nichts Besonderes mehr, sie kennt nichts anderes. Seit sie beim EHC Basel mit dem Eishockey begann, spielte sie stets bei den Knaben mit (sechs Jahre lang auch beim EHC Olten). Aufgewachsen mit fünf Brüdern, wovon deren drei auch Eishockey spielen (Jarkko in der NLB bei Basel), war es fast naheliegend, dass auch die Schwester aufs Eis ging. Natürlich hat sie auch bei den Frauen reingeschaut und spielte zwei Jahre mit dem NLA-Team von Reinach. Doch Riitta Schäublin wollte wieder mit den Männern spielen. Der Trainer der Reinacher Frauen vermittelte sie deshalb letzten Herbst zum Erstligisten Zunzgen-Sissach, der ihr anerbot, einmal mitzutrainieren. «Offenbahr habe ich da keinen schlechten Eindruck hinterlassen», sagt sie, denn als Ende Saison Zunzgen-Goalie Leo Giglio zurücktrat, erhielt Riitta Schäublin ein Angebot als Zunzgen-Torhüterin.
Die junge Frau überlegte nicht lange und sagte zu. Skeptisch seien nur die anderen gewesen, sagt sie. «Warum hätte ich das nicht machen sollen?», fragt sie keck. Sicher sei es nicht ganz normal gewesen, als da plötzlich eine Frau mitgespielt habe, «aber nach den ersten Eistrainings haben alle gesehen, dass ich etwas kann.» Diese Aussage wird auch von Spielertrainer Christopher Lattmann bestätigt: Wir hatten Riitta ja schon letztes Jahr im Training, deshalb wussten wir ganz genau, auf was wir uns da einliessen.» Lattmann sagt denn auch, dass er keinerlei Hemmungen habe, die junge Frau im rauhen Erstliga-Eishockey der Männer einzusetzen. Es sei sogar denkbar, dass sie in naher Zukunft von Beginn weg im Tor stehen werde, «wenn sie noch etwas Aggressivität zulegt.» Riitta Schäublin kämpft um diese Chance und betont, dass Simon Roth nicht explizit als Stammgoalie bezeichnet sei.
Die Premiere jedenfalls, die ist der jungen Torhüterin glänzend gelungen. Angst vor diesem Moment, nein, die habe sie nicht verspürt. «Dazu hatte ich gar keine Zeit. Der Trainer kam nur kurz zu mir und sagte, Riitta mach dich bereit, du spielst jetzt. Aber auch sonst bin ich nicht der Typ, der schnell nervös wird. Wenn ich mir diese Aufgabe nicht zutrauen würde, hätte ich nie zusagen dürfen», bemerkt die schweizerisch-finnische Doppelbürgerin (daher der Name Riitta).
Wäre eigentlich nur noch eine Frage zu klären, jene typisch männliche, die bei dieser Story aber auf keinen Fall fehlen darf: Wo duscht denn Frau Schäublin? «Klar, diese Frage taucht immer auf, meist sogar bevor man mich fragt, wie es sei, mit Männern zu spielen», zeigt sie sich wenig überrascht. Doch die junge Frau findet diese Frage gar nicht so daneben, «denn auch ich frage immer zuerst, wo ich duschen kann», sagt sie. Auf der Eisbahn in Sissach habe sie eine eigene Garderobe mit Dusche «und auch auf fremden Eisbahnen konnte Gott sei Dank immer eine Lösung gefunden werden.» Riitta Schäublin erhält in diesen Tagen wirklich viel Aufmerksamkeit.