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Die Baslerin Riitta
Schäublin nach ihrem durchaus geglückten Einstand in der 1.
Liga der Männer. Foto Markus Stücklin
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| Sissach. Zwei Tore des SC Langenthal
innert 50 Sekunden zum 3:0 und zum 4:0, nur drei Minuten später fiel
auch noch das 5:0. Da entschlossen sich Christof Amsler und
Christopher Lattmann, Coach beziehungsweise Spielertrainer des
Erstligisten EHC Zunzgen/ Sissach, ihren Torhüter zu wechseln und
damit in gewissem Sinn für ein kleines Stück Geschichte im Schweizer
Eishockey zu sorgen: Die Matchuhr war bei 31:51 stehen geblieben,
als der 19-jährige Simon Roth den Platz im Tor seinem gleichaltrigen
Ersatz überliess, der Baslerin Riitta Schäublin. Die
Frauen-Nationalspielerin ist damit die erste Frau des Landes, die in
der drittobersten Spielklasse (der Männer) zum Einsatz
gelangt.
Anfeuerung und Murren
«Es ist
komisch», sagte Amsler hinterher, «in dieser Situation den Goalie zu
wechseln lag auf der Hand. Aber wenn man daheim eine Frau
einwechselt, dann überlegt man sich diesen Schritt zwei oder drei
Mal. Misslingt das Experiment, dann ist der Schaden riesig.» Doch
Riitta Schäublin machte ihre Sache recht gut, liess sich nur noch
ein Mal bezwingen und zeigte ein paar bemerkenswerte Paraden, mit
denen sie das Murren vieler männlicher Matchbesucher
beantwortete. Davon freilich hatte sie ohnehin nichts
mitbekommen. «Ich hörte, wie ein paar Fans meinen Namen riefen»,
sagt sie, «und innerhalb der Mannschaft geniesse ich ohnehin die
volle Anerkennung. Die Kritiker haben nun sehen können, dass ich
hier durchaus mithalten kann.» Viel fehlte nicht, und sie hätte am
Mittwoch sogar von Beginn an gespielt, doch ausgerechnet das
Training vom Vortag ging «voll in die Hose», wie die gross
gewachsene Torhüterin selbstkritisch eingesteht, «so konnte mich der
Trainer nicht bringen».
«Erst einmal Leistung
zeigen»
Als sie dann plötzlich aufs Eis beordert wurde,
blieb ihr keine Zeit, um nervös zu werden. «Nun bin ich froh, dass
dieser Schritt gemacht ist und mir dabei eine einigermassen gute
Leistung gelungen ist», sagt die Basler Studentin mit dem finnischen
Vornamen. Denn ihr Mut, sich im Eishockey mit den Männern zu messen,
hat lange vor diesem ersten Einsatz vom Mittwoch für Diskussionen
gesorgt. Der Verein musste beteuern, dass es ihm mit ihrer
Verpflichtung ernst und das Ganze nicht bloss ein PR-Gag ist. Die
Regionalverbände mussten einer Reglementsänderung
zustimmen, welche den Einsatz einer Frau in der 1. Liga erst
ermöglichte, und im Sommer wollte sogar «10 vor 10» mit der
Geschichte von Riitta Schäublin ein Sommerloch stopfen. Dort aber
sagte sie ab. «Ich will erst einmal Leistung zeigen, bevor man mich
hochjubelt.» Auch wenn sie dreieinhalb Spiele warten musste, bis
sie zum ersten Einsatz gelangte, bereut sie ihren Entscheid in
keiner Weise, lieber in der 1. Liga der Männer die Zweite, als in
der obersten Liga der Frauen die Erste zu sein. Denn in Training und
Spiel wird sie bei den Männern weit härter gefordert. «Das bringt
mich wesentlich weiter», sagt sie, ohne weitere sportliche Ziele zu
nennen. So zog sie es vergangenen Samstag zum Beispiel vor, in Aarau
lieber bei Z/S Ersatzfrau zu sein, als mit dem Frauen-Nationalteam
zu spielen, und stand erst am Sonntag im Tor, als die Schweizerinnen
in Reinach (AG) die Slowakei mit 3:0 bezwangen. Das
Fünf-Länder-Turnier im November und das erste Spiel über 60 Minuten
mit Zunzgen/Sissach visiert sie als Nächstes an. Sonst aber will sie
sich nicht zu weit nach draussen lehnen. «Meine Pläne muss ja nicht
gleich jeder kennen», fügt sie lediglich an, «nur so viel: Ich bin
sehr, sehr ehrgeizig.» Jürg Gohl
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