27.02.2001

Erster «Aargauer» Titel

Frauen-Eishockey Der SC Reinach ist Schweizer Meister

Rainer Sommerhalder

Das gabs noch nie: Ein Schweizer Meistertitel im Eishockey für den Kanton Aargau. Mit dem 11:2-Kantersieg in Lugano sicherten sich die Frauen des SC Reinach den Pokal auf souveräne Art und Weise bereits zwei Runden vor Schluss.

Nur zwei Niederlagen in 18 Spielen mit über 100 geschossenen Toren - eine stolze Bilanz für Trainer Toni Neuenschwander. Der Langenthaler ist seit vier Jahren im Oberwynental für die Frauen verantwortlich. Bereits in seiner ersten Saison feierte er einen zweiten Schlussrang, «nur entstand dieser damals noch auf der Basis von Vorgänger Nick Heim», wie Neuenschwander einräumt.
Inzwischen hat der Berner innert dreier Jahre praktisch eine neue Mannschaft aufgebaut und nennt deshalb den «Faktor Zeit» als Hauptgrund für den gröss-ten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Dabei vertraut er auf eine «Achse». Im Tor steht mit Riitta Schäublin eine Ausnahmekönnerin. Ein guter Goalie war schon immer notwendige Basis für ein Meisterteam. Auf dem Feld kann Neuenschwander auf sechs Nationalspielerinnen und zwei Mitglieder der B-Nationalmannschaft zurückgreifen. Daneben hat Reinach als einziges der sechs Frauenteams in der A-Klasse alle drei möglichen Ausländerlizenzen eingelöst. Mit der Kanadierin Colette Bredin stellt das Team die Führende im Torschützenklassement, und auch die beiden US-Girls Regnier und Pfeiffer haben dem Team gut getan. «Sie bringen diese typische nordamerikanische Mentalität in die Mannschaft», schwärmt Neuenschwander, dass es neben Toren noch andere Qualitäten von ausländischen Spielerinnen gibt. Der Trainer ist auch ein wenig stolz darauf, seit Jahren durch seine gu-ten Kontakte stets starke Verstärkungen nach Reinach geholt zu haben. In den meisten Fällen mit Au-pair-Verträgen.
Auch die Schweizer Spielerinnen nehmen teilweise einen weiten Weg unter die Räder, um in der neuen Meistermannschaft zu spielen. «Nur mit eigenen Talenten kann man keinen Titel holen und im Fraueneishockey liegen die Teams mit Potenzial geografisch relativ weit auseinander.»
Obwohl er noch vor Weihnachten ans Aufhören dachte, macht Neuenschwander in Reinach weiter. Seine Arbeit sei noch nicht erledigt, äusserte er sich vor zwei Wochen in der Lokalpresse. Doch wo liegt die Steigerung zum Meistertitel? «Der grösste Fehler wäre es jetzt, zu glauben, wir seien die Besten. Alle Spielerinnen haben noch viel Potenzial.» Die Bestätigung der Leistung sei die grosse Herausforderung. Doch vorerst wird in Reinach gefeiert. Nach dem letzten Saisonspiel am kommenden Sonntag (17.30 Uhr) in der Eishalle Moos wird der Pokal übergeben und dann ist Party angesagt. Dies zusammen mit dem Männerteam, das den Reinacher Erfolg am Wochenende mit dem Wiederaufstieg in die 2. Liga vervollständigt hat.