27.02.2001
 - 21:40
LANGENTHAL
 

Wohnen in Langenthal, siegen in Reinach


Beim neuen Dameneishockey-Schweizermeister geben Oberaargauer den Ton an
Die Langenthaler Fraktion beim Schweizer-Meister SC Reinach: (v.l.) René Affentranger (Sponsor), Toni Neuenschwander, Stefan Kummer (Trainer), Evelyn Bieri, Prisca Mosimann, Colette Bredin und Jeanine Affentranger (Spielerinnen).
Foto: Hanspeter Bärtschi




Am Wochenende ist der SC Reinach (AG) Schweizermeister im Dameneishockey geworden. Mit dabei sind aktuell vier ehemalige Langenthaler Spielerinnen, und auch die beiden Trainer Toni Neuenschwander und Stefan Kummer stammen aus der Region.

Beat Waldmeier

Wenn am nächsten Sonntagabend um 17.30 Uhr die Meisterfeier des SC Reinach im Kanton Aargau über die Bühne geht, dann ist das für Toni Neuenschwander eine besondere Genugtuung. Nach Langenthal ist Reinach die zweite Station, wo er Schweizer Meister geworden ist. Nach neun Jahren Damentrainer in Langenthal und zwei Jahren bei den Herren in Huttwil hat er mit seinem Team die höchsten Weihen im Dameneishockey erreicht.
Mit dabei sind aber auch Stefan Kummer als Betreuer und vier ehemalige Langenthaler Spielerinnen oder hier wohnhafte, nämlich die Nationalspielerin Prisca Mosimann, Evelyn Bieri, Jeanine Affentranger und die Kanadierin Colette Bredin. Vor einem Jahr waren es gar noch vier mehr.

«Kein Herz in Langenthal»

Immerhin fahren die sechs alle Wochen zweimal 50 Minuten Auto, um ins Training zu gelangen, dabei läge die Schoren-Eishalle vor der Haustür. Kein Wunder also, dass Toni Neuenschwander sagt, «das müsste eigentlich in Langenthal geschehen». Es töne brutal, aber Langenthals Team habe kein Herz. Die Aussage ist insofern brisant, als Neuenschwander vor sechs Jahren in Langenthal entlassen worden war. Doch der Trainer wiegelt ab, Ressentiments gegenüber dem DHC Langenthal hege er keine, dies sei einfach seine Analyse. Man habe damals in Langenthal vom Vorstand aus nicht erkannt, dass die Guten weiterkommen wollten.
Ins gleiche Horn stösst aber auch René Affentranger, Inhaber der Langenthaler Firma Createch und Sponsor sowohl von Reinach als auch von Langenthal. «Der Erfolg in Reinach ist eher absehbar, es wird dort besser gearbeitet», sagt der Firmenboss. In Langenthal gebe es eine Hierarchie, in Reinach nicht. Wenn er sagt, die Jungen müssten etwas zeigen, aber seien beim Meisterteam intergriert, so denkt er an seine Tochter Jeanine, welche auf diese Saison hin zu Reinach wechselte, weil sie in der Nationalliga A habe spielen wollen. Dies hat sie erfolgreich getan, erscheint sie doch mit acht Skorerpunkten als 30. auf der offiziellen Skorerliste.

«Selber lieb sein»

Der Erfolg ist Neuenschwander und seiner Truppe aber nicht in den Schoss gefallen, vor allem nicht so schnell. Vier Jahre brauchte er. «Das Team passte damals nicht zusammen, und ich habe ein Jahr gebraucht, bis es vorwärts gegangen ist», erzählt er. Eine Mannschaft müsse entstehen und reifen.
Es sei naheliegend, dass er deshalb mit früheren Spielerinnen aus der DHC-Zeit Kontakt aufgenommen und sie zu einem Wechsel bewegt habe. Nun ist es ihm gelungen, eine Meisterfrauschaft zu bilden. «Viele wollen etwas erreichen», begründet Mosimann den Erfolg. «Diejenigen, die wollen, können sich steigern, aber man muss sich selber lieb sein», sagt sie, die einmal in der Woche in Langenthal mit den 14- bis 16-jährigen Novizen des SC Langenthal trainiert.
Neuenschwander unterstreicht diese Aussage, wenn er sagt, er sei nicht der Motivator, die Spielerinnen müssten selber wissen, warum sie in diesem Team seien. Generell windet er dem Dameneishockey ein Kränzchen: «Die Damen sind leistungsbereiter, weniger wehleidig, wenn es gelingt, sie am richtigen Nerv zu packen.» Wichtig seien intensive Trainings, der Aufwand habe nichts mit Stunden zu tun.

«Eine Familie ohne Stars»

Profitieren können die Reinacherinnen von guten Trainingsbedingungen. «Wir trainieren zwei Mal zu den besten Zeiten», erklärt Neuenschwander. Dazu kommt, wie die Langenthaler Spielerinnen übereinstimmend bezeugen, die familiäre Stimmung ohne Stars und die Identifikation mit dem Verein. Einigermassen erstaunlich ist die Liebe zum Verein für die Oberaargauerinnen, aber Toni Neuenschwander sagt: «Der Ort ist eigentlich unwesentlich».
Gerade für Jeanine Affentranger war die gute Stimmung neben der sportlichen Herausforderung auch ein Grund für den Wechsel. «Ich kannte das Team und es gefiel mir».

Niveau gestiegen

Die fehlende Hierarchie und die Gleichwertigkeit der Spieler betrachten sowohl die beiden Trainer als auch die Spielerinnen als wesentlichen Punkt für ihren Erfolg. Dadurch sei die Mannschaft ausgeglichener geworden, und verschiedene Schweizer Spielerinnen hätten gerade nach der Winterpause Verantwortung übernommen. Dank der Tatsache, dass die Mädchen heute vermehrt in Knabenmannschaften trainierten, sei das Niveau in der Nationalliga A gestiegen und die Gleichung «Top-Ausländerin = Top-Platz» stimme nicht mehr. Aber Colette Bredin ziert dennoch die Spitze der nationalen Skorerliste.
Nun kommt das Danach. «Man geniesst es, aber nachher geht es weiter», sagt Neuenschwander. Das Ziel, weiter zu den Besten zu gehören, sei Motivation genug.