Am
Wochenende ist der SC Reinach (AG) Schweizermeister im Dameneishockey geworden. Mit dabei sind aktuell vier
ehemalige Langenthaler Spielerinnen, und auch die beiden Trainer
Toni Neuenschwander und Stefan Kummer stammen aus der
Region.
Beat Waldmeier
Wenn am nächsten Sonntagabend
um 17.30 Uhr die Meisterfeier des SC Reinach im Kanton Aargau über die Bühne geht, dann ist das für Toni Neuenschwander eine
besondere Genugtuung. Nach Langenthal ist Reinach die zweite
Station, wo er Schweizer Meister geworden ist. Nach neun Jahren
Damentrainer in Langenthal und zwei Jahren bei den Herren in Huttwil
hat er mit seinem Team die höchsten Weihen im Dameneishockey erreicht. Mit dabei sind aber auch
Stefan Kummer als Betreuer und vier ehemalige Langenthaler
Spielerinnen oder hier wohnhafte, nämlich die Nationalspielerin
Prisca Mosimann, Evelyn Bieri, Jeanine Affentranger und die
Kanadierin Colette Bredin. Vor einem Jahr waren es gar noch vier
mehr.
«Kein Herz in Langenthal»
Immerhin fahren die
sechs alle Wochen zweimal 50 Minuten Auto, um ins Training zu
gelangen, dabei läge die Schoren-Eishalle vor der Haustür. Kein
Wunder also, dass Toni Neuenschwander sagt, «das müsste eigentlich
in Langenthal geschehen». Es töne brutal, aber Langenthals Team habe
kein Herz. Die Aussage ist insofern brisant, als Neuenschwander vor
sechs Jahren in Langenthal entlassen worden war. Doch der Trainer
wiegelt ab, Ressentiments gegenüber dem DHC Langenthal hege er keine, dies sei einfach
seine Analyse. Man habe damals in Langenthal vom Vorstand aus nicht
erkannt, dass die Guten weiterkommen wollten. Ins gleiche Horn
stösst aber auch René Affentranger, Inhaber der Langenthaler Firma
Createch und Sponsor sowohl von Reinach als auch von Langenthal.
«Der Erfolg in Reinach ist eher absehbar, es wird dort besser
gearbeitet», sagt der Firmenboss. In Langenthal gebe es eine
Hierarchie, in Reinach nicht. Wenn er sagt, die Jungen müssten etwas
zeigen, aber seien beim Meisterteam intergriert, so denkt er an
seine Tochter Jeanine, welche auf diese Saison hin zu Reinach
wechselte, weil sie in der Nationalliga A habe spielen wollen. Dies
hat sie erfolgreich getan, erscheint sie doch mit acht Skorerpunkten
als 30. auf der offiziellen Skorerliste.
«Selber lieb
sein»
Der Erfolg ist Neuenschwander und seiner Truppe aber
nicht in den Schoss gefallen, vor allem nicht so schnell. Vier Jahre
brauchte er. «Das Team passte damals nicht zusammen, und ich habe
ein Jahr gebraucht, bis es vorwärts gegangen ist», erzählt er. Eine
Mannschaft müsse entstehen und reifen. Es sei naheliegend, dass
er deshalb mit früheren Spielerinnen aus der DHC-Zeit Kontakt aufgenommen und sie zu einem
Wechsel bewegt habe. Nun ist es ihm gelungen, eine Meisterfrauschaft
zu bilden. «Viele wollen etwas erreichen», begründet Mosimann den
Erfolg. «Diejenigen, die wollen, können sich steigern, aber man muss
sich selber lieb sein», sagt sie, die einmal in der Woche in
Langenthal mit den 14- bis 16-jährigen Novizen des SC Langenthal
trainiert. Neuenschwander unterstreicht diese Aussage, wenn er
sagt, er sei nicht der Motivator, die Spielerinnen müssten selber
wissen, warum sie in diesem Team seien. Generell windet er dem
Dameneishockey ein Kränzchen: «Die Damen
sind leistungsbereiter, weniger wehleidig, wenn es gelingt, sie am
richtigen Nerv zu packen.» Wichtig seien intensive Trainings, der
Aufwand habe nichts mit Stunden zu tun.
«Eine Familie ohne
Stars»
Profitieren können die Reinacherinnen von guten
Trainingsbedingungen. «Wir trainieren zwei Mal zu den besten Zeiten»,
erklärt Neuenschwander. Dazu kommt, wie die Langenthaler
Spielerinnen übereinstimmend bezeugen, die familiäre Stimmung ohne
Stars und die Identifikation mit dem Verein. Einigermassen
erstaunlich ist die Liebe zum Verein für die Oberaargauerinnen, aber
Toni Neuenschwander sagt: «Der Ort ist eigentlich
unwesentlich». Gerade für Jeanine Affentranger war die gute
Stimmung neben der sportlichen Herausforderung auch ein Grund für
den Wechsel. «Ich kannte das Team und es gefiel mir».
Niveau
gestiegen
Die fehlende Hierarchie und die Gleichwertigkeit
der Spieler betrachten sowohl die beiden Trainer als auch die
Spielerinnen als wesentlichen Punkt für ihren Erfolg. Dadurch sei
die Mannschaft ausgeglichener geworden, und verschiedene Schweizer
Spielerinnen hätten gerade nach der Winterpause Verantwortung
übernommen. Dank der Tatsache, dass die Mädchen heute vermehrt in
Knabenmannschaften trainierten, sei das Niveau in der Nationalliga A
gestiegen und die Gleichung «Top-Ausländerin = Top-Platz» stimme
nicht mehr. Aber Colette Bredin ziert dennoch die Spitze der
nationalen Skorerliste. Nun kommt das Danach. «Man geniesst es,
aber nachher geht es weiter», sagt Neuenschwander. Das Ziel, weiter
zu den Besten zu gehören, sei Motivation genug.
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