Beim EHC Zuchwil Regio findet man momentan
eine Situation vor, die in der Schweizer Eishockey-Szene nicht viele Pendants haben
dürfte: Gleich zwei Bruder-Schwester-Paare sind in den Zuchwiler
Nachwuchs-Mannschaften vertreten. Marco Felder ------- Die
Situation ist nicht neu. Brüderpaare, die in der höchsten Schweizer
Eishockeyliga für Furore sorgten gab und
gibt es einige (Gebrüder Lindemann, Schmid, Torriani oder Celio).
Auch in den unteren Ligen und im Nachwuchs findet man immer wieder
Brüder, die gemeinsam dem Eishockey
frönen. Dass sich aber das Geschwister-Paar aus einem Jungen und
einem Mädchen zusammensetzt, hat eher Seltenheitswert. Und wenn dann
sogar zwei solche Paare im gleichen Verein aktiv sind, ist dies noch
erstaunlicher. Beim EHC Zuchwil Regio ist dieser seltene Fall
eingetroffen. Eines der beiden Geschwisterpaare bilden Andi und
Cornelia Gasser. Der 17-Jährige Andi, der bei den Junioren spielt,
war der Vorreiter und konnte seine um sechs Jahre jüngere Schwester
auch für seinen Sport begeistern. Die aufgeweckte Cornelia, die im
Team der Moskitos aktiv ist, hatte dabei nie Probleme mit dem
«starken» Geschlecht: «Am Anfang wurde ich vielleicht schon etwas
gehänselt, dies hat sich aber dann sehr schnell gelegt.» Vom Spiel
habe sie keine Angst, da in den unteren Nachwuchsabteilungen das
Checken verboten sei. Tipps weitergeben Edith Gasser, die
Mutter der beiden, sieht in der für Mädchen nicht gerade typischen
Freizeitbeschäftigung ihrer Tochter überhaupt kein Problem und
betont, dass Eishockey auch für Mächen
sehr attraktiv sein kann». Belegt wird dies durch das zumindest beim
Nachwuchs tiefe Verletzungsrisiko; beim Geschwisterpaar Gasser habe
es bisher höchstens ein paar blaue Flecken zu beklagen
gegeben. Das zweite Bruder-Schwester-Gespann in Zuchwil bilden
Roy und Joanna Schluep. Der 13-jährige Mini-Novize war wie Andi bei
den Gassers auch der Anstoss für die Eishockey-Tätigkeit seiner elfjährigen Schwester
und darf als ihr Vorbild bezeichnet werden. «Ich kann ihr manchmal
schon ein paar Tipps weitergeben», erzählt Roy stolz. Auch für
Joanna, die bei den Piccolos mitspielt, ist es kein Problem
ausschliesslich mit Knaben zusammenzuspielen und sie würde sich im
Gegensatz zu Cornelia auch keine anderen Mädchen in ihrer Mannschaft
wünschen. Manfred Schluep, Vater von Roy und Joanna, freut sich
ebenfalls über die Aktivität seiner Tochter: «Ich finde, Eishockey ist eine Sportart, die sich prima für
die ganze Familie eignet; vorausgesetzt natürlich, jeder hilft mit.»
Trotzdem sei für ihn Joannas Wunsch, Eishockey zu spielen etwas überraschend
gekommen, denn «sie ist sonst eigentlich ein eher ruhiges Kind». Der
Bruder habe sie aber halt einfach auch angesteckt. Weniger
Junioren «Wir hatten hier in Zuchwil früher mehr Mädchen,
momentan sind Cornelia und Joanna jedoch die einzigen», beschreibt
Ferdinand Grichting, Junioren-obmann beim EHC Zuchwil Regio die
Situation des weiblichen Geschlechtes in seinem Verein. Die Zahl
junger Spieler sei aber im allgemeinen zurückgegangen, man habe im
Augenblick nur noch gerade hundert Junioren, weshalb für jede
Altersstufe nur eine Mannschaft gestellt werden könne. Für die
Mädchen sei es besonders schwierig, da sie ab dem 14. Altersjahr
nicht mehr zusammen mit den Knaben spielen dürften und somit zu
einer der Frauenmannschaften nach Lyss
oder Langenthal wechseln müssten. Für Cornelia und Joanna ist
Lyss schliesslich auch das Zwischenziel im Traum von einem Platz in
der Schweizer Damen-Nati. Bis dahin wird aber noch einiges Eis
schmelzen, und es wird abzuwarten sein, wie sich die sich
unaufhaltsam anbahnende Pubertät und die angesprochenen Wechsel auf
die beiden auswirken werden. Klar ist im Augenblick nur, dass den
beiden ihre Sportart wahnsinnig viel Spass macht, was ja auch die
Hauptsache sein soll. Das andere wird die Zukunft schon
zeigen.
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