09.01.2001 - 16:52
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Vom Bruder angesteckt


Beim EHC Zuchwil Regio spielen zwei Bruder-Schwester-Paare
Beim EHC Zuchwil Regio findet man momentan eine Situation vor, die in der Schweizer Eishockey-Szene nicht viele Pendants haben dürfte: Gleich zwei Bruder-Schwester-Paare sind in den Zuchwiler Nachwuchs-Mannschaften vertreten.
Marco Felder

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Die Situation ist nicht neu. Brüderpaare, die in der höchsten Schweizer Eishockeyliga für Furore sorgten gab und gibt es einige (Gebrüder Lindemann, Schmid, Torriani oder Celio). Auch in den unteren Ligen und im Nachwuchs findet man immer wieder Brüder, die gemeinsam dem Eishockey frönen. Dass sich aber das Geschwister-Paar aus einem Jungen und einem Mädchen zusammensetzt, hat eher Seltenheitswert. Und wenn dann sogar zwei solche Paare im gleichen Verein aktiv sind, ist dies noch erstaunlicher.
Beim EHC Zuchwil Regio ist dieser seltene Fall eingetroffen. Eines der beiden Geschwisterpaare bilden Andi und Cornelia Gasser. Der 17-Jährige Andi, der bei den Junioren spielt, war der Vorreiter und konnte seine um sechs Jahre jüngere Schwester auch für seinen Sport begeistern. Die aufgeweckte Cornelia, die im Team der Moskitos aktiv ist, hatte dabei nie Probleme mit dem «starken» Geschlecht: «Am Anfang wurde ich vielleicht schon etwas gehänselt, dies hat sich aber dann sehr schnell gelegt.» Vom Spiel habe sie keine Angst, da in den unteren Nachwuchsabteilungen das Checken verboten sei.
Tipps weitergeben
Edith Gasser, die Mutter der beiden, sieht in der für Mädchen nicht gerade typischen Freizeitbeschäftigung ihrer Tochter überhaupt kein Problem und betont, dass Eishockey auch für Mächen sehr attraktiv sein kann». Belegt wird dies durch das zumindest beim Nachwuchs tiefe Verletzungsrisiko; beim Geschwisterpaar Gasser habe es bisher höchstens ein paar blaue Flecken zu beklagen gegeben.
Das zweite Bruder-Schwester-Gespann in Zuchwil bilden Roy und Joanna Schluep. Der 13-jährige Mini-Novize war wie Andi bei den Gassers auch der Anstoss für die Eishockey-Tätigkeit seiner elfjährigen Schwester und darf als ihr Vorbild bezeichnet werden. «Ich kann ihr manchmal schon ein paar Tipps weitergeben», erzählt Roy stolz. Auch für Joanna, die bei den Piccolos mitspielt, ist es kein Problem ausschliesslich mit Knaben zusammenzuspielen und sie würde sich im Gegensatz zu Cornelia auch keine anderen Mädchen in ihrer Mannschaft wünschen.
Manfred Schluep, Vater von Roy und Joanna, freut sich ebenfalls über die Aktivität seiner Tochter: «Ich finde, Eishockey ist eine Sportart, die sich prima für die ganze Familie eignet; vorausgesetzt natürlich, jeder hilft mit.» Trotzdem sei für ihn Joannas Wunsch, Eishockey zu spielen etwas überraschend gekommen, denn «sie ist sonst eigentlich ein eher ruhiges Kind». Der Bruder habe sie aber halt einfach auch angesteckt.
Weniger Junioren
«Wir hatten hier in Zuchwil früher mehr Mädchen, momentan sind Cornelia und Joanna jedoch die einzigen», beschreibt Ferdinand Grichting, Junioren-obmann beim EHC Zuchwil Regio die Situation des weiblichen Geschlechtes in seinem Verein. Die Zahl junger Spieler sei aber im allgemeinen zurückgegangen, man habe im Augenblick nur noch gerade hundert Junioren, weshalb für jede Altersstufe nur eine Mannschaft gestellt werden könne. Für die Mädchen sei es besonders schwierig, da sie ab dem 14. Altersjahr nicht mehr zusammen mit den Knaben spielen dürften und somit zu einer der Frauenmannschaften nach Lyss oder Langenthal wechseln müssten.
Für Cornelia und Joanna ist Lyss schliesslich auch das Zwischenziel im Traum von einem Platz in der Schweizer Damen-Nati. Bis dahin wird aber noch einiges Eis schmelzen, und es wird abzuwarten sein, wie sich die sich unaufhaltsam anbahnende Pubertät und die angesprochenen Wechsel auf die beiden auswirken werden. Klar ist im Augenblick nur, dass den beiden ihre Sportart wahnsinnig viel Spass macht, was ja auch die Hauptsache sein soll. Das andere wird die Zukunft schon zeigen.