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US-SPORT
Von seinen "Schülern" vorgeführt
Eishockey-Erfolgscoach Scotty Bowman und Detroit sind nach der letztjährigen Finalniederlage stilsicherer geworden
Der letzte Stanley-Cup-Sieg der Detroit Red Wings datiert aus dem Jahre 1955. Unter dem erfahrenen Coach Scotty Bowman scheint der Traditionsklub nun aber endlich seine lange Wartezeit beenden zu können.
VON SIMON GRAF UND GERHARD KUNTSCHIK
Es war die bitterste Niederlage in Scotty Bowmans langer Coachingkarriere, als er Ende vergangener Saison mit Detroit als überlegenem Qualifikationssieger und ohne nennenswerte Gegenwehr in den Play-off-Final einzog, ehe sein Team dort gegen New Jersey unerklärlich chancenlos war. Bowman musste für einmal seinerseits erfahren, wie es ist, ausgecoacht zu werden, und dies erst noch von seinen "Schülern" Jacques Lemaire und Larry Robinson, die einst unter ihm gespielt hatten. In keinem der vier Finalspiele gelang Bowmans Detroit mehr als zwei Tore, obwohl es doch über ein so riesiges Offensivpotential zu verfügen schien.
Verzweifeltes Schusstraining
Bowman fand kein Mittel gegen die "trap", die Mittelzonenfalle New Jerseys. Und wie um seine Hilflosigkeit noch zu unterstreichen, liess er zwischen den Partien das Schusstraining forcieren, als Reaktion darauf, dass seine Spieler kaum zu Schüssen kamen. Was allerdings nicht auf deren technische Mängel in der Schussabgabe zurückzuführen war, sondern vielmehr darauf, dass sie sich gegen das engmaschige System des Gegners nur selten in Abschlusspositionen manövrieren konnten. Der schnelle Denker Bowman war ausnahmsweise selbst ein oder zwei Schritte im Hintertreffen, und so müssen die Red Wings auch nach inzwischen 40jähriger Odyssee weiterhin auf den Gewinn des Stanley-Cups warten.
Comeback bei Pittsburgh
Gewonnen hat Bowman indes schon viel. Wenn über ihn geschrieben wird, fehlt nur selten der Zusatz "the winningest coach", der Coach, der am meisten gewonnen hat. Dies stimmt aber nur beschränkt. Mit derzeit 1104 Siegen (952 in der Qualifikation, 152 im Play-off) weist Bowman zwar am meisten gewonnene Spiele aller Coaches auf, doch punkto Stanley-Cup-Erfolge liegt er mit deren sechs nur an zweiter Stelle hinter dem legendären Hector "Toe" Blake (acht Cupsiege). Blake gewann den Titel mit den Montreal Canadiens von 1955 bis 1960 gleich fünfmal in Serie. Auch Bowman feierte mit den Canadiens seine grössten Erfolge mit vier Cupsiegen nacheinander, von 1975 bis 1979.
Nach diesem Höhepunkt musste Bowman über zehn Jahre auf den nächsten Titel warten. Während sieben Saisons coachte er Buffalo, ein Team, das nicht über Mittelmass und den Play-off-Viertelfinal hinauskam, ehe er für einige Jahre die Seite wechselte und sich als TV-Kommentator bei "Hockey-Night in Canada" versuchte. In der Saison 1991/92 gab er dann sein Comeback an der Bande. Vom krank gewordenen Bob Johnson durfte er den eingespielten Titelverteidiger Pittsburgh
1993 hat Bowman mit dem Wechsel zu Detroit seine jüngste Herausforderung angenommen. Bowman traf dort auf eine unerfahrene Mannschaft und auf die ambitionierte Eignerfamilie Ilitch, die mit Nachdruck den sofortigen Stanley-Cup-Sieg forderte. Erreicht hat Bowman dieses Ziel noch nicht, doch unter ihm hat sich Detroit zu einem der besten NHL-Teams gewandelt. Die Handschrift des inzwischen 66jährigen Bowman ist dabei klar zu erkennen. Er stellt eine solide Defensive über alles. In der laufenden Saison hat Detroit denn auch mit Abstand am wenigsten Tore erhalten, in bislang 53 Spielen nur gerade 117. Mit 82 Punkten führen die Red Wings die Liga derzeit an. Bei den Buchmachern in Las Vegas wird Detroit mit einer Quote von 3:1 als Favorit auf den Stanley-Cup gehandelt.
Detroits Ausgeglichenheit
Inzwischen glaubt Bowman, auch gegen die "trap" gewappnet zu sein. Vergangenen Sommer schickte er seinen Assistenten Barry Smith nach Europa, der dort mit seiner Suche nach taktischen Gegenmitteln fündig wurde und auf diese Saison hin die notwendigen Änderungen mit der Mannschaft einexerzierte. Bowman selbst übernimmt die Leitung der Trainings nur im Ausnahmefall. Sein Metier ist das Coaching, das (Eis-)Schachspiel. In der Regel zieht er sich am Tag des Spiels für einige Stunden zurück und denkt darüber nach, wie er seine Spieler einsetzen will. "Die Wichtigkeit der verschiedenen Spieler wechselt von Tag zu Tag", so Bowman, "einmal kann einer die Partie entscheiden, wenn man ihn in einer wichtigen Situation aufs Eis schickt, ein anderes Mal vermag er nichts zu bewirken." Und gerade bei den Red Wings fällt auf, dass es nicht einige wenige Superstars sind, die jeweils den Ausschlag zu ihren Gunsten geben, sondern immer wieder andere. Deshalb ist auch kein Detroit-Spieler unter den 15 besten Skorern der Liga zu finden.
Die Chancen auf den Cupsieg, so glaubt Bowman, sind für die Red Wings diese Saison so gut wie lange nicht mehr. In der Tat haben sie nochmals an Stilsicherheit dazugewonnen. Bowman schränkt aber ein: "Im Play-off kann wieder alles passieren. Die Liga hat an der Spitze eine solch grosse Dichte erreicht, dass etwa sechs Mannschaften fast die gleichen Chancen haben." Doch jedenfalls werde er nicht mehr ausgecoacht.
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