SonntagsZeitung
Publikations-Datum: 26.04.1998

Ralph Krueger, Eishockey-Nationaltrainer

"Du bist Vater, Bruder, Lehrer, du bist Philosoph, Prophet und Botschafter. Und du bist Verkäufer"

VON MARKUS EISENHUT UND DANIEL GERMANN

Am 1. Mai beginnen in Zürich und Basel die Eishockey-Weltmeisterschaften. Die Verantwortung für die Mannschaft der Schweiz lastet auf den Schultern von Ralph Krueger. Der Deutschkanadier steht im Ruf, ein Winner-Typ zu sein. Doch er ist weit mehr: ehrlich, nachdenklich, sensibel - und eloquent.

Ralph Krueger, die Schweiz verliert auch unter Ihnen weit mehr, als sie gewinnt. Warum sind Sie nicht erfolgreicher als Ihre Vorgänger?

Krueger: Das ist eine Frage, die ich in dieser negativen Form nicht verstehe. Erfolg reduziert sich für mich nicht nur auf Sieg oder Niederlage.

Im Sport reduziert sich alles letztlich auf das Resultat. Sie leiden darunter.

Krueger: Ja, ich leide darunter. Viele Dinge, die in meiner Mannschaft passieren, sind nicht messbar. Ich sehe natürlich, dass die Siege kommen müssen. Doch der Erfolg muss auch am Potential des Teams gemessen werden. Schaut man in diesem Augenblick nur die einzelnen Ergebnisse an, ist es sicher noch nicht merkbar, was sich bei uns in der Nationalmannschaft tut. Aber es tut sich etwas.

Was?

Krueger: Dass wir eine Mannschaft werden. Wir werden reifer und beginnen auf und neben dem Eis gleich zu denken. Ich bin überzeugt, dass in einiger Zeit die Siege automatisch kommen.

Was heisst in einiger Zeit? Schon an dieser Weltmeisterschaft?

Krueger: Ich verspreche nichts. Weder Siege noch sonst irgendetwas. Höchstens, dass ich das Beste aus der Mannschaft zu holen versuche. Logisch ist es mein Ziel, öfters zu gewinnen als zu verlieren. Aber ich darf mich damit nicht beschäftigen, es würde mich unnötig Kraft kosten.

Womit befassen Sie sich dann?

Krueger: Sicher nicht mit Meinungen und Kommentaren von aussen. Ich befasse mich mit den Dingen, die ich beeinflussen kann. Wie schnell die Grösse des Teampotentials am Resultat offensichtlich wird, weiss kein Mensch.

Auch wenn Sie nicht wissen, was kommt, was sind Ihre Erwartungen an diese Weltmeisterschaften.

Krueger: Ich will das Gefühl haben, dass jeder gibt, was er innerhalb des Teamkonzepts zu geben hat. Habe ich dieses Gefühl, werden die Erfolge kommen. Denn ich glaube an das Prinzip der harten Arbeit, der ehrlichen und positiven Zusammenarbeit. An Dinge, die nicht in meinem Einflussbereich sind, verschwende ich keine Gedanken. Deshalb habe ich keine Angst vor den Resultaten.

Andere stünden bei ähnlichen Resultaten schon in der Kritik. Sie nicht. Sind Sie ein besserer Verkäufer?

Krueger: Das ist das Schöne am Trainerjob: Du bist ein Vater, ein Bruder, ein Lehrer, du bist ein Philosoph, ein Prophet, ein Botschafter und ein Vermittler. Und du bist ein Verkäufer.

Sie verstehen es perfekt, Leute für sich einzunehmen, sie zu manipulieren.

Krueger: Ich mache das nicht bewusst. Es gibt keinen Plan, der mir sagt, heute musst du dort 5000 Leute beeinflussen, morgen dort. Es darf nicht mein Ziel sein, in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Frage ich mich vor jeder Entscheidung, wie die Allgemeinheit darauf reagiert, verliere ich die Glaubwürdigkeit.

Ihre Wirkung auf die Öffentlichkeit ist Ihnen egal.

Krueger: Völlig. Ich möchte nur, dass mich die Leute respektieren.

Kein Taktieren?

Krueger: Ich bin so wie ich bin. Vor diesem Interview sagte mir Misko Antisin . . .

Der Stürmer in der Nationalmannschaft . . .

Krueger: Misko Antisin sagte, ich solle aufpassen, was ich sage. Ich muss nicht aufpassen, denn ich sage einfach die Wahrheit.

Die schmerzt manchmal. Wie stark berührt es Sie, Spieler aus der WM-Mannschaft zu werfen?

Krueger: Das kostet sehr viel Kraft und einige schlaflose Nächte. Gleichzeitig ist es aber so, dass ich ganz klar sehe, welche Charaktere, welche Spieler ich brauche, um das Beste aus der Gruppe herauszuholen. Folglich gibt es keinen Platz für bestimmte Persönlichkeiten, für bestimmte Typen von Spielern. Wenn ich dann aber eine Entscheidung getroffen habe, bin ich von dieser Entscheidung dermassen überzeugt, dass ich keinen Gedanken mehr daran verschwende. Denn eine Führungsperson ist nur dann eine Führungsperson, wenn sie getroffene Entscheide nicht immer wieder hinterfragt.

Sie sollen sich Anfang Monat nach den Partien in Kanada von Spielern mit den Worten verabschiedet haben, man sehe sich am Montag wieder. Und dann riefen Sie einige am Wochenende an und erklärten, dass für sie an der WM kein Bedarf mehr bestehe.

Krueger: Ich habe damals allen Spielern schöne Freitage gewünscht. Nichts anderes. Ich habe das ganz bewusst getan, weil ich am Ende des Kanadatrips nicht wusste, was ich entscheiden werde. Ganz generell rede ich aber nicht mehr gerne über diese Entscheidungen. Ich würde lieber über Gründe Auskunft geben, warum einige Spieler noch hier sind.

Nichstdestotrotz: Warum ist Felix Hollenstein nicht mehr dabei?

Krueger: Er ist bei Kloten seit Jahren ein Leader und ist folglich nur schwer für eine Nebenrolle prädestiniert. Um eine Leaderrolle in der Nationalmannschaft übernehmen zu können, hätte er aber unter den absoluten Topstürmern sein müssen. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, dass er einer der sechs, sieben besten Stürmer sein könnte. In einer Nebenrolle wäre er jedoch unglücklich gewesen und damit zu einem theoretischen Störfaktor geworden. Sicher ist Felix Hollenstein stärker als einige Spieler, die jetzt noch im Team sind. Doch diese Spieler haben nie den Anspruch gehabt, Leaderrollen zu übernehmen. Hollenstein - egal, was er jetzt sagen würde - wäre sicher nicht mit fünf Einsätzen pro Spiel zufrieden. Ich will die richtigen Spieler am richtigen Ort haben. Jeder muss in seiner Rolle happy sein.

Was war bei Torhüter Renato Tosio das Problem?

Krueger: Ich habe gespürt, dass er nur die Nummer 1 sein kann. Nichts anderes. Ich will nicht die 23 stärksten Spieler haben, ich will das beste Team.

Waren Sie ein guter Teamspieler?

Krueger: Ich hatte Probleme als Spieler. Ich war zu direkt, zu offen. Ich wollte zwar immer den Erfolg mit der Mannschaft. Aber ich habe stets zuviel in Frage gestellt. Es war nicht meine Rolle, Dinge und Anordnungen in Frage zu stellen. Ich war zwar ein Arbeiter, ein Kämpfer, weil ich aber Mitspracherecht haben wollte, war ich für die Führung ein Stressfaktor. Als Trainer hätte ich mich nicht in meinem Team gewollt.

Ihre Spieler sollen also keine Fragen stellen und schon gar nicht mitreden?

Krueger: Wir können nicht jeden Tag über die Taktik diskutieren. Wir haben dafür keine Zeit. Es ist doch nicht der Job des Spielers zu fragen, ob man nun als Schweizer Nationalspieler tatsächlich zuerst defensiv denken müsse.

Keinen Raum für Mündigkeit und Mitverantwortung?

Krueger: Viel Raum. Ich diktiere die Grundgesetze, der Rest liegt in der Verantwortung der Spieler. Man sollte schon hinterfragen. Aber die Frage ist: Was hinterfrage ich? Nehmen wir ein Beispiel: Peter Jaks war vor der Reise nach Kanada nicht auf der Liste, die 45 Spieler umfasste. Dann gab es Verletzte. Ich rief ihn an, und er kam ohne zu fragen, warum sein Name nicht auf der Liste war. Er wollte ganz einfach für die Schweiz spielen. Das ist es, was ich will.

Haben Sie Probleme mit starken Persönlichkeiten?

Krueger: Überhaupt nicht. Es ist aber nun mal so, dass nicht jede starke Persönlichkeit die Fähigkeit hat, sich anzupassen. Doch genau das ist im Mannschaftssport gefragt.

Waren Sie sich schon als Spieler bewusst, kein guter Teamsportler zu sein?

Krueger: Ich war nicht speziell glücklich als Eishockeyspieler. Die absolute Liebe zu diesem Sport habe ich erst als Trainer gefunden.

Wie kann man ohne Liebe professionell Eishockey spielen?

Krueger: Ich flüchtete vor meiner Welt in Nordamerika. Ich wollte Freiheit, Unabhängigkeit.

Das tönt nach familiären Problemen.

Krueger: Ich sollte studieren, wie meine Geschwister. Doch ich wollte nicht. Eishockey war mein Vehikel, um frei zu werden.

Um frei zu werden und unglücklich zu bleiben.

Krueger: Mir fehlte als Spieler die Anerkennung meines Vaters. Er ist Arzt und konnte nie akzeptieren, dass ich nicht studierte, er hatte andere Erwartungen.

Was erwarten Sie von sich?

Krueger: Dass ich mich immer weiter entwickle, dass ich meine Person niemals zu wichtig nehme.

Sie unterdrücken Ihr Ego.

Krueger: Nein, nein. Man braucht ein starkes Ego, und ich brauche viele starke Egos in meiner Mannschaft. Nur muss man sein Ego zum richtigen Zeitpunkt einsetzen.

Egoistisches Denken liegt in der Natur des Menschen.

Krueger: Man muss sein Ego anpassen. Leute, die nur nach dem Ego führen, sind Leute, die Komplexe haben, die unsicher sind.

Jeder hat Komplexe. Was sind die Komplexe der WM-Spieler?

Krueger: Ich kenne sie sehr gut, doch das ist Vertrauenssache.

Und die eigenen?

Krueger: Meine Komplexe, meine Ängste habe ich im Griff. Ich bin ein sensibler, unglaublich empfindlicher Mensch. Ein Beispiel: Zeigt mir einer beim Autofahren den Stinkefinger, habe ich ein Problem damit. Ich habe diese Empfindlichkeit aber zu kontrollieren gelernt.

Wie?

Krueger: Indem ich darüber rede.

Haben Sie sich auch mit Ihrem Vater ausgesprochen?

Krueger: Wir diskutieren jetzt sehr gut miteinander. Ich akzeptiere ihn so, wie er ist, und respektiere ihn weit mehr als früher. Aber wir gehen nicht über bestimmte Grenzen. Bestimmte Diskussionen finden nicht statt. Unser Verhältnis ist relativ oberflächlich.

Nichts zu machen?

Krueger: Nein. Ich habe mich damit abgefunden.

Sonst suchen Sie nach Lösungen.

Krueger: Nun, in meiner privaten Welt vermeide ich negative Energie soweit es geht. Ich schaue mir keine Horrorfilme an, auch kaum die Nachrichten, ich lese gerne Sportgeschichten, weil Sport letztlich ein Spiel ist. Früher verschlang ich Tageszeitungen, jetzt lese ich nur noch Wochenzeitschriften, um mich zu bilden, aber nicht um Negatives in mir aufzunehmen. Gleich verhält es sich mit dem Verhältnis zu meinem Vater. Statt mich täglich damit zu befassen, habe ich gelernt, die negative Seite irgendwo hinzustellen, wo sie mich nicht belastet. Viele Kinder lassen nie los, bleiben Gefangene ihrer Eltern bis zum Ende. Ich nicht.

Wann beschlossen Sie, sich nicht mehr mit Negativem zu belasten?

Krueger: 1990, als meine Mutter an Krebs starb.

Wie war Ihr Draht zu ihr?

Krueger: Wir standen uns sehr nahe. Sie war Schauspielerin, sie bildete mich rhetorisch aus, in der Literatur, im Theater. Ich hätte gut Schauspieler werden können.

Schauspieler?

Krueger: Ja. Durch Theater kann man der Menschheit einiges mitgeben. Die Leute könnten sich viele Probleme im Leben ersparen, wenn sie mehr ins Theater gehen und dort auch zuhören würden.

Die Schauspielerei als Scheinwelt passt zu Ihrem persönlichen Kosmos, den Sie vom Bösen, vom Negativen abzuschotten versuchen. Sie sind ständig auf der Flucht.

Krueger: Ich glaube einfach an das Gute auf dieser Erde, das kann mir keiner nehmen. Es gibt Schlechtes, es gibt Böses, es gibt die Hölle, den Tod. Aber es gibt viel mehr Gutes. Und dennoch dominieren in der Regel die Schattenseiten. Diese Dominanz lasse ich in meinem Mikrokosmos nicht zu.

Nur mit positivem Denken wird man mit der Schweiz aber auch nicht Weltmeister.

Krueger: Natürlich nicht. Ich bin ein optimistischer Realist. Die Schweiz wird nicht Weltmeister werden. Aber ich glaube, dass wir eine Basis haben, die gut genug ist, um nicht auf Rang 15 zu enden.

Wie überzeugen Sie Ihre Spieler davon?

Krueger: Das Gespräch ist unheimlich wichtig, das qualitative Gespräch.

Und wer spricht mit Ihnen?

Krueger: Das ist ein Problem. Ich suche die Einsamkeit, nehme mir Zeit. Ich denke, dass man gerade bei negativen Impulsen nicht sehr schnell reagieren sollte.

Keine Freunde?

Krueger: Ich vermisse Bryan Lefley sehr. Mit ihm habe ich täglich telefoniert.

Bis der Ex-Trainer des SC Bern letzten Winter tödlich verunglückte.

Krueger: Nach seinem Tod fiel ich zum zweiten Mal in ein tiefes Loch. Aber man findet dann irgendwo neue Wege. Meiner ist im Moment die Einsamkeit.

Tönt nicht nach Ideallösung.

Krueger: Ist es auch nicht.

Haben Sie Probleme mit der Mentalität der Mitteleuropäer?

Krueger: Ich mag sie. Weil sie im Vergleich mit der nordamerikanischen seriöser ist. Die Mentalität der Europäer ist geprägt von Geschichte, Kultur und einer soliden Basis, während in Nordamerika die Menschen von einem Extrem ins andere wechseln. Mal sind sie religiöse Fanatiker, dann glauben sie an die Hölle, mal sind sie Demokraten, dann wieder Republikaner.

Doch sie haben den Optimismus, den wir nicht haben.

Krueger: Das ist das Gute.

War die Mentalität der Grund, weshalb Sie nicht in Nordamerika Trainer wurden?

Krueger: Ich hatte mich zum Hotelmanager ausgebildet, doch ich erkannte, dass ich nicht zum Business man tauge. Zudem hatte ich mit dem dortigen Sozialsystem Probleme. Es kann doch nicht sein, dass ein Arbeitgeber die Angestellten beispielsweise nicht versichern muss. Das soziale System in Europa gefällt mir, denn ich glaube daran, dass der Staat für seine Bürger eine soziale Verantwortung hat.

Vom Hotelmanager zum Eishockeytrainer. Ziemlich unüblich.

Krueger: Beim Basketballtraining eines Freundes wurde mir plötzlich klar, dass ich Trainer werden wollte. Ich fuhr nach Hause und sagte zu meiner Frau, dass wir zurück nach Europa fahren werden. Ich buchte einen Flug nach Frankfurt, mietete ein Auto, las die Zeitungen, um zu sehen, wo ein Trainer entlassen worden ist, und verpflichtete mich bei Feldkirch . . .

. . . um im letzten Frühling Nationaltrainer der Schweiz zu werden.

Krueger: Die Arbeit als Klubtrainer wäre tatsächlich einfacher. Denn als Nationalcoach muss ich die Spieler für einen Job begeistern, der gar nicht ihr eigentlicher Job ist. Sie verdienen ihr Geld beim Klub, er ist ihr Arbeitgeber, und er entscheidet, ob sie in der nächsten Saison noch einen Vertrag bekommen. Ich muss folglich die Spieler viel tiefer berühren können, damit sie sich für die Nationalmannschaft opfern. Das ist die Herausforderung.

Als Sie den Job übernahmen, haben Sie sich sicher gewisse Vorstellungen gemacht. Sind Sie schon enttäuscht worden?

Krueger: Mit der Konzentration und dem Trainingsniveau war ich anfänglich nicht glücklich. Jetzt bin ich es.

Was hat Sie positiv überrascht?

Krueger: Die Kultur und die Intelligenz der Spieler sind enorm hoch.

Wie weit sind Sie auf Ihrem Weg mit der Mannschaft?

Krueger: So weit, wie ich sein muss. Wir haben alles getan, nichts ausgelassen. Wir sind bereit für die WM.

Werden Sie vor dem Spiel gegen die USA nervös sein?

Krueger: Überhaupt nicht. Ich bin konzentriert. Nervosität ist negativ.

Wer war Ihr Lehrmeister?

Krueger: Bücher. Als ich Trainer wurde, habe ich die besten 50 oder 100 Bücher über Philosophen, Trainer, Psychologen gekauft. Durch diese Lektüre haben ich viel gelernt. Dazu kamen natürlich die Erfahrungen mit Feldkirch.

Existiert Glück?

Krueger: Glück verdient man sich durch Arbeit. Früher gebrauchte ich dieses Wort, doch jetzt glaube ich weder an Zufall noch an Glück.

Dann steuern nur wir Menschen unser Schicksal.

Krueger: Ich glaube schon an etwas Grösseres, ich glaube daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Wenn man das Universum anschaut, kann es doch nicht sein, dass wir, dass diese Erde der Mittelpunkt ist.

Warum nicht?

Krueger: Weil ich nicht daran glaube. Weil es nicht logisch ist, denn gerade die Menschen sind auf dieser Erde unglücklich, die glauben, Mittelpunkt zu sein. Wir sind doch nur Teil der Natur. Wie die Ameise, wie der Baum. Dazu auserwählt, mitzugehen.

Wann sind Sie glücklich?

Krueger: In meinem Kanu, wenn die Vögel singen und das Wasser flach ist.

Und wenn Sie am Samstag gegen die USA gewinnen?

Krueger: Ich kann nicht glücklich sein, bevor die ersten drei Spiele vorbei sind.

Was, wenn Sie scheitern?

Krueger: Was heisst scheitern? Scheitern ist, wenn ich nicht alles tue, wenn ich am Morgen nicht mehr in den Spiegel schauen kann, wenn ich die Spieler nicht fair und respektvoll behandelt habe. Ich habe alles getan. Und ich verliere als Mensch nicht an Wert, wenn die Schweiz nicht weiterkommt.
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Harte Arbeit und gezielte Kommunikation

Ralph Krueger, 39, ist seit diesem Winter Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Der Deutschkanadier gilt als ausgewiesene Fachkraft und profunder Kenner der Szene. Krueger war 13 Jahre Profi- und lange Zeit Nationalspieler in Deutschland und führte als Coach die VEU Feldkirch an die europäische Spitze und in dieser Spielzeit gar zum unerwarteten Sieg im Europacup.
Seine Erfolge und seine Prinzipien basieren auf harter Arbeit und gezielter Kommunikation. Krueger bezeichnet sich selber als optimistischen Realisten. Ehrlichkeit, Gradlinigkeit und positives Denken sind seine Maximen. Er glaubt an die Kraft der Metapher und an die Macht der Rhetorik. Wissenschaftliche Analysen seien im Umgang mit den Spielern kontraproduktiv. Er müsse Bilder malen in den Köpfen der Spieler, sagt Krueger, ihnen ein einfaches Wie und ein einfaches Warum besorgen. "Der Geist macht den Körper."
Der Familienvater, aufgewachsen in Kanada als Sohn einer deutschen Schauspielerin und eines Arztes, ist der Hoffnungsträger des helvetischen Eishockeys. Nach einem steten Niedergang soll er die Schweiz wieder zurück unter die ersten Zehn der Weltrangliste führen.