Und plötzlich gerät er ins SchwärmenHC-Davos-Trainer Arno Del Curto ist Ausbildner der grössten Talente im Schweizer Eishockey Neben Riccardo Fuhrer (La Chaux-de-Fonds) und Ueli Schwarz (Bern) ist Arno Del Curto der Dritte in der Fraktion der Schweizer Trainer in der NLA. Seinem Ruf als hervorragender Ausbildner wird er auch in Davos gerecht. Die Arbeit mit den grössten Talenten im Schweizer Eishockey ist für den Enthusiasten ein Geschenk, auch wenn ihm der Glanz der NLA «nicht viel bedeutet». * christian bürge Einen Verrückten haben
sie ihn schon genannt, einen Hockey-Besessenen oder eines
der leidenschaftlichsten Energiebündel im Schweizer
Eishockey. Arno Del Curto wurde schon immer mit
Attributen bedacht, die ihm nie ganz gerecht wurden. Er
sagt, er könne eigentlich nur darüber lachen, wenn er
derlei Bezeichnungen über sich höre. Stationen als Wellental Der Bündner hat schon
einige Orte gesehen, bevor er in Davos gelandet ist. Je
zwei Jahre arbeitete er bei den Zweitligisten Buochs und
Reinach, sechs Jahre beim Erstligisten SC Küsnacht,
zweieinhalb Jahre beim damaligen B-Ligisten SC Herisau,
zwei Jahre beim ZSC, dann zurück in die NLB zu Bülach
und in die 1. Liga zu Luzern (2 Jahre). Dazu kamen vier
Jahre mit der U18- und U20-Juniorennationalmannschaft.
Die Stationen spiegeln ein eigentliches Wellental der
Ligen. Für Del Curto ist dies aber nicht gleichbedeutend
mit «Hoch» und «Tief». «Ich habe in Luzern zwei
wunderbare Jahre erlebt, weil ich dort etwas bewegen
konnte. Auch wenn das nur in der 1. Liga war, sind das
die grossen Anreize meiner Arbeit.» Dass er dies so
hervorhebt, verwundert nicht. Del Curto hält nicht viel
davon, die höchste Liga als einzig befriedigendes
Betätigungsfeld zu sehen. Er spricht auch von Neid und
Falschheit, die einem dort in grossem Masse begegneten.
Auch jenen, die ihn jetzt für den Grössten halten,
bleibt er lieber fern. «Ich kann in diesem Jahr mit
Davos Meister werden und dann errichten sie mir ein
Denkmal. Wenn dann in der folgenden Saison meine Spieler
aber einmal auf die Nase fallen, kann ich schnell meine
Koffer packen. So läuft das.» Der grosse Ausbildner Warum er trotzdem dem
Eishockey erhalten bleibt, ist seiner Faszination für
die Veränderung zuzuschreiben. Und verändern kann er am
meisten bei den jungen Talenten. Die Spieler will er
formen, sie ausbilden, aus Reagierenden Agierende machen,
wie er sagt. «Ich will attraktives Hockey vermitteln,
damit die Leute unterhalten werden. Die Jungen sind
schlittschuhläuferisch ebensogut wie jeder Ausländer,
aber sie müssen noch abgeklärter werden. Manchmal
zünden sie ein Feuerwerk und verlieren trotzdem, weil
sie die Ruhe nicht haben. Daran müssen wir arbeiten,
arbeiten und nochmals arbeiten. Dann ernten wir auch den
Lohn.» Mit seiner Begeisterungsfähigkeit werden sie
diese Arbeit auch gerne tun. Für ihn muss Davos eine Art
Paradies sein. Mit Mark Streit, Reto von Arx und dem von
den Edmonton Oilers gedrafteten Michel Riesen hat er die
grössten Talente der Schweiz im Team. Um mit ihnen zu
arbeiten, müsse man kein Künstler sein, sagt Del Curto.
Sie seien selbst Künstler. (Zu)viel Rummel um Riesen Er mag es nicht, wenn man
Spieler wie Riesen schon jetzt zu Stars machen will. Bis
in die NHL sei es noch ein weiter Weg. «Man muss sich
einmal vor Augen führen, dass ein Weltklassespieler wie
Oleg Petrow von Ambri auch nicht in der NHL spielt.
Michel ist noch nicht soweit, aber er ist auf gutem
Weg.» Und dann gerät er doch ins Schwärmen. «Der
Junge hat die Genialität. Mein Gott», sagt er, «und
diese Hände». Dass diese grossen Talente für ihn auch
zum Stolperstein werden könnten, glaubt er nicht. «Wenn
sie mich hier davonjagen sollten, ist das auch keine
Tragödie. Dann steige ich ins Auto und fahre woanders
hin. Es gibt noch viele interessante Plätze in der
Schweiz.» Aus dem Tagblatt vom 15.11.1997 © St.Galler Tagblatt |