Bieler Tagblatt vom 02.10.1998, Ressort Sport
Eishockey «Ripped Fuel Tea» für Michel Riesen? Sich an das besondere Spiel gewöhnen ist das eine, das andere ist die Gewichtszunahme. Denkbar, dass Eishockeyspieler Michel Riesen demnächst ein «Ripped Fuel Tea» trinken muss. Muskelaufbaupräparate und andere Aufputschmittel sind in Amerika «in». Beat Moning aus Edmonton Sie sind jung und sie sind ehrgeizig. Sie wollen starke Muskeln und schnelle Beine. Sie haben nur ein Ziel vor den Augen: den Sprung in die National Hockey League zu schaffen. Mit allen Mitteln. Und zu diesen Mitteln gehören nicht nur «Geheimrezepte» wie ein besonderer Energieriegel mit Banane, Trockenpflaumen und Sonnenblumenkerne. Das Rezept bedeutet in der Regel den Weg ins «Powerhaus». Sehr wohl gibt es im amerikanischen Sport Grenzen (Drogen, Anabolika), doch Dopingkontrollen, wie in Europa oder an internationalen Anlässen gang und gäbe, gibt es gerade auch in der National Hockey League keine. Das lässt den Spielern viel Freiraum. «You need plenty of protein», ist überall zu lesen und an der Dose Kreatin kommt man in keiner Apotheke vorbei. «Du kommst mit mehr Gewicht zurück», gab Ron Low dem Bieler mit auf den Weg nach Hamilton ins Farmteam. Eine Andeutung, die durchaus darauf schliessen lässt, dass Michel Riesen in den folgenden Wochen zu gewissen Mitteln wird greifen müssen. Ein Schweizer Internationaler verleugnet nicht, sich während zwei Jahren in der Sommerzeit, die er in Amerika verbracht hat, entsprechend mit einem «Weight gainer» aufgepumpt zu haben.
Zehn Kilogramm hat er insgesamt an Gewicht zugelegt. Mit drei bis vier Stunden Krafttraining und drei Trinkmix mit je 3000 Kalorien pro Tag hat er schliesslich sein Ziel erreicht: ein Platz in einem NLA-Team und der Durchbruch zu einem angesehenen Spieler. «Es ist unglaublich, was die jungen Spieler tun, um an Kraft zu gewinnen und an Gewicht zuzulegen. Auch vor den Spielen werden mächtig Pillen geschluckt. In den Spielen musst du voll stimuliert sein, muss du voller Energie sein. Der Erfolgsdruck ist eben enorm.»
Kent Ruhnke, der jetzige ZSC-Coach und ein Kenner der Eishockeyszene in Amerika, bestätigt diese Tatsache. «Die Spieler werden zwar darauf aufmerksam gemacht, dass nicht alles erlaubt ist, aber es wird ihnen gar empfohlen, sich mit den gängigen Mitteln zu befassen.» Michel Riesen wird kaum darum herumkommen, in sein Ernährungsprogramm auch etwas «Dynamic» miteinzubeziehen, will er sich mit der Konkurrenz messen. Noch waltet bei ihm die typisch schweizerische Vernunft. «Ich bin mir bewusst, dass das eines Tages zum Thema wird. Aber ich werde auf jeden Fall mit meinen Ärzten in der Schweiz Rücksprache nehmen. Ich werde auf keinen Fall etwas zu mir nehmen, was meiner Gesundheit schadet. Ich habe nicht im Sinn, mit 35 an Herzversagen zu sterben.»