Publikations-Datum: 19991014
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Der Verteilungskampf um Schulstunden ist voll im Gang. Die dritte Turnstunde pro Woche ist in Frage gestellt.
Autor: Von Peter Haerle
Zürich. - In der Schweiz schreibt der Bundesrat seit dem Jahr 1874 den Kantonen vor, dass die Schülerinnen und Schüler der Volksschule sowie der Sekundarstufen I und II wöchentlich drei Turnstunden erhalten sollen.
Immer mehr Kantone opponieren jedoch gegen diese Vorschrift aus Bern. Sie fühlen sich bevormundet und wollen selber darüber bestimmen können, wie viele Turnlektionen erteilt werden. In einer Vernehmlassung der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz zum Schulsportobligatorium verlangen 23 von 26 Kantonen eine Kantonalisierung der Turnstundenregelung.
Hinter dem Selbstbestimmungswillen der Kantone verbirgt sich ein brisanter Gedanke: Einige kantonale Erziehungsdirektoren wollen nämlich die dritte Turnstunde abbauen, um damit die Kantonsfinanzen zu entlasten und in der hart umkämpften Stundentafel Platz für neue Fächer wie Frühenglisch oder Informatik zu schaffen. Gar nicht einverstanden mit den Abbauplänen sind die nationalen Sportverbände sowie die Lehrerorganisationen. Sie stehen praktisch geschlossen hinter der heute gültigen Regelung, wie eine Vernehmlassung des Bundesamtes für Sport zeigt. René Burkhalter, Präsident des Schweizerischen Olympischen Verbandes, kündigt bereits massiven Widerstand an. Die Sportverbände hätten mit ihrem Kampf gegen die Mehrwertsteuer bewiesen, dass sie ein Referendum ohne Probleme zu Stande brächten: "Wir beginnen schon jetzt mit dem Lobbying", sagt Burkhalter. Nun versucht das Bundesamt für Sport zwischen den Fronten zu vermitteln. Mit einer Kompromissformulierung will man zwar den Kantonen mehr Handlungsspielraum geben, die Anzahl Turnstunden pro Woche aber generell beibehalten.
Kommentar 5. Spalte, Bericht Seite 9
"Du hattest Recht, man kann beides miteinander verbinden."