Seit Ende 1994 haben die meisten Bundesbürger die inzwischen vertraute Krankenversichertenkarte. Sie enthält Namen, Geburtstag und Anschrift und außerdem nur noch Angaben zur Versicherung - aber keine medizinischen Informationen. Sie ist praktisch und spart Kosten.
Dabei soll es jedoch nicht bleiben: sie ist der Einstieg in viel umfassendere Kartenprojekte. Verschiedene neue Chipkarten werden bereits angeboten oder erst geplant - von Krankenkassen, Apothekenverbänden und auch schon von manchen Krankenhäusern. Auf ihnen sollen sensible medizinische Daten gespeichert werden, z.B. über Allergien, Risikofaktoren, Notfalldaten, Medikamentenkäufe, Krankengeschichten, Diagnosen. Dieneue Technik ermöglicht eine vollständige Krankenakte im Scheckkartenformat.
Damit können Sie aber zum gläsernen Patienten werden, durchschaubar für alle, die in der Lage sind, diese Karte zu lesen. Bisher sollen das vor allem Ärzte und Apotheken sein - aber sind Sie sicher, daß es nicht zukünftig auch der Personalchef oder Betriebsarzt beim Bewerbungsgespräch sein könnte?
Kann ich zum gläsernen Patienten werden? |
Die Krankenversicherten-Pflichtkarte darf nur wenige "harmlose" Angaben enthalten - das haben die Datenschutzbeauftragten erreicht, die sich auf das Bundesverfassungsgericht beriefen, das Ihnen 1983 in seinem berühmten Volkszählungs-Urteil das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zusprach. Daher können die neuen medizinischen "Gesundheitskarten" niemandem aufgezwungen werden. Die Chipkarten-Anbieter werben aber um Ihr Vertrauen und um Ihre freiwillige Teilnahme an der modernen Chipkarten-Kommunikation. Denn diese neue Technik verspricht den Krankenkassen Kostensenkungen und der Elektronik-Industrie Produktionsaufträge in Millionenhöhe.
Und wo bleiben Ihre Interessen als Patientin, als Versicherter? Bevor Sie sich für die Teilnahme an einem "Gesundheitskarten"-Projekt entscheiden - ob es nun die "A-Card" der Apotheken oder eine Patientenkarte Ihrer Krankenkasse ist - sollten Sie die Vor- und Nachteile gründlich abwägen. Wir geben Ihnen dazu einige Argumente an die Hand.
1. Die Werbung für diese Karten verspricht. Mit der Chip-karte hat der Arzt endlich alle notwendigen Informationen für die Behandlung zusammen und sofort parat.
2. Die Werbung für die Gesundheitsdaten hat den mündigen Patienten entdeckt.- Der Patient habe mit der Karte seine medizinischen Daten selbst in der Hand.
Wie wirkt sich der soziale Druck auf mich aus? |
3. Ein dritter Vorteil der Chipkarte wird gepriesen: Im Notfall gebe sie alle für die Erste Hilfe nötigen Informationen, sie könne so Leben retten.
4. Und schließlich: Die Gesundheits-Chipkarte soll den Versicherungen - und damit ja auch Ihnen als Beitragszahler - Kosten sparen durch eine schnelle und sichere Kommunikation zwischen den Institutionen des Gesundheitswesens.
Wie sieht das Arztgespräch der Zukunft aus? |
Entscheiden müssen Sie selber. Wir warnen Sie aber vor unbedachten Entscheidungen - die "Vorteile" werden von den Anbietern der Chipkarten so bunt und glänzend herausgestellt, die Nachteile und Gefahren da gegen völlig vernachlässigt, daß Sie schnell zu Schritten verführt werden, die Sie später bereuen.
Wenn Sie sich für eine freiwillige Chipkarte entscheiden: Achten Sie auf jeden Fall darauf, daß Ihnen der Rückweg offen steht, daß Sie die Karte jederzeit wieder zurückgeben und zur bisherigen Methode zurückkehren können!
Literatur zum WeiterlesenBertrand U, Kuhlmann J, Stark C (1995) Der Gesundheitschip. Vom Arztgeheimnis zum gläsernen Patienten. Chip Chip Hurra? Chipkarten im Gesundheitswesen. Broschüre der Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen
Erklärung der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder vom 10.11.1995 zu Gesundheits-Chipkarten. Anzufordern bei den Landesbeauftragten für den Datenschutz [hier: Link zur Erklärung] |
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