Hier werden einige Fakten, Stellungnahmen u.a. dargestellt, wobei diese Seite natürlich nur einige Eindrücke vermitteln kann. Berichte über konkrete kommerzielle Mißbräuche von persönlichen Gesundheitsdaten finden Sie auch auf den anderen Seiten dieser Site, besonders unter "Berichte vom Umgang mit Gesundheitsdaten".
Island / Iceland: [Englisch] Opposition to the Icelandic government's Bill on a Health-Sector Database authorizing the creation of a centralized database of medical, genetic and genealogical information covering a whole nation.
Zum Inhalt: Die Gruppe Icelanders for ethical genetics, science, medicine and industry hat sich formiert, um Widerstand gegen den Gesetzentwurf zu leisten, welcher den Firmen deCODE und Hoffmann-La Roche ermöglichen würde, eine Datenbank mit medizinischen, genealogischen und genetischen Daten der Bevölkerung eines ganzen Landes aufzubauen.
Mehr Informationen zu den Hintergründen enthält ein Beitrag vom Juni 1998: "Icelanders Put deCODE Genetics and Roche on Ice - Corporate Gene Hunters' Bid for Monopoly on Icelanders' DNA put on Hold".
Übrigens hatte eine französische Firma bereits in China die Exklusivrechte gekauft, in denen Genen aller 1,2 Mrd. Chinesen nach Verwertbarem zu fischen (Der Standard, Wien, vom 22. November 1996, S. 30)
English addendum: A French firm has already bought the exclusive rights to search the genes of the Chinese population, see the Viennese newspaper (Der Standard, of 22 Nov 1996, p. 30; quoted from New Scientist 2056, p. 4)
The DeCODE Proposal for an Icelandic Health Database - Paper by Ross Anderson with detailed background and technical information, and proposals
D: debis, die Datenverarbeitungs-Tochter des Daimler-Benz Konzerns, hat rund 15 000 Mitarbeiter weltweit (Umsatz 1997: 15,5 Milliarden Mark). Sie verarbeitet unter anderem die Abrechungsdaten für die deutschen Ersatzkassen und wurde wegen anscheinend ungenügender Datenschutzvorkehrungen dabei vom Bundesbeauftragten für den Datenschutz bereits scharf kritisiert
[Link zum Teil über die debis im 16. Tätigkeitsbericht des BfD].
Aus dem Spiegel erfahren wir noch mehr (war zum Teil nur zeitweise online zugänglich):
- D: Die "debis" gehört zu den deutschen Internet-Backbone-Betreibern
Die Bertelsmann AG gründete zusammen mit der debis die Mediaways, die insbesondere das Netzwerk für den deutschen Dienst von AOL (America Online) bereitstellt.
- D: Verletzungen des Datenschutzes gab es schon bei einem anderen debis-Projekt.
Ein weiterer Spiegel-Artikel berichtete im Februar 1998 davon, wie die debis im großen Maßstab in der Verarbeitung von Daten der öffentlichen Verwaltung tätig werden will. Bei einem Probelauf im Saarland "landeten die Steuerdaten aller Bürger unverschlüsselt auf dem Computer" der debis, wovon der Datenschutzbeauftragten nur durch aufgebrachte Finanzbeamte erfuhr. Die CDU-Landtagsabgeordnete Monika Bachmann kritisierte, "daß es kein schlüssiges Sicherheitskonzept gibt, um die Steuer- und Sozialdaten der Bürger vor dem Zugriff Dritter zu schützen". Im Saarland (rund 1,1 Millionen Einwohner) werden Daten aus Steuererklärungen, Gehaltsabrechnungen von Landesbediensteten, aus einer Volkszählung oder der Erwerbsstatistik künftig auf debis-Computern in Völklingen verwaltet. Der Zehnjahresvertrag sei ohne Ausschreibung vergeben worden.
- D: Metro und debis gründen eine gemeinsame Internet-Firma
Die dpa berichtete am 2.2.98, daß die Metro Holding AG und die debis AG zum 1. Februar ein Unternehmen für Internet-Handel und Online-Dienste gegründet haben. "Wie die Metro am Montag in Köln mitteilte, wird das Gemeinschaftsunternehmen Primus-Online (Köln) Dienstleistungen, Waren und Informationen vertreiben. Die Metro-Gruppe bringt in die Firma das Know-how und die Infrastruktur des größten europäischen Handelskonzerns ein sowie den konzerneigenen Online-Dienst Metronet mit rund 180 000 Kunden." (zitiert nach dem Online- Spiegel im Februar 1998)
Man kann hoffen, daß die deutschen Gesetze ausreichen, um zu verhindern, daß debis einmal den gleichen Weg geht wie die Firma Equifax, die in den USA mit Daten aller Art handelt.
D:Deutsches Gesundheitsnetz - Die Betreiber sind unter anderem die Konzerne VEBA und RWE [Link zum DGN]. Es ist zu diskutieren, ob das Netz angsichts der Beteiligungen des Versicherungskonzerns Allianz und der Nähe von Bankmanagern zu Betreibern (ursprünglich wollte auch die Deutsche Ärzte- und Apothekerbank ein Mitbetreiber sein - siehe auch die "Netze"-Seite unter "Spezielle Themen"auf diser Site) genügend vertrauenswürdig ist, um je Patientendaten durch es zu versenden. Man liest in
Bury HM, Schmidt T (1996), Das Bankenkartell. Die Verflechtung von Geld, Macht und Politik, München, Knaur:
Der Allianz AG gehören knapp 1% der BASF, rund 10 % der VEBA, 38% der Beiersdorf AG, 18 % der MAN AG, gut 10% des RWE, 11 % der Linde AG, 10% vn Leifheit, 10% der Rheinelektra AG, 5 % von Bayer bis hin zu geringeren Beteiligungen von drei % an Siemens, 3,5 % der VIAG, 2% der Daimler-Benz AG sowie 2 % der Thyssen AG.
"Noch im Geschäftsbericht 1994 wies die Allianz lediglich 23 wesentliche Beteiligungen von mehr als 5 % aus. Nur per Gerichtsbeschluss hatten Aktionäre der Allianz ihrem Management weitergehende Informationen über direkt gehaltene Beteiligungen abgerungen." [S. 56]
Die VEBA sei einer "der Großen Drei unter Deutschlands Energiekonzernen" [S. 85]: "So ist VEBA-Chef Ulrich Hartmann Aufsichtsratsvorsitzender der Ruhrkohle AG und sitzt in den Kontrollgremien von Daimler-Benz, Hapag Llyod und Münchner Rück sowie im Beraterkreis der Deutschen Bank."
Bernd W. Voss von der Dresdner Bank sitzt auch im Aufsichtsrat der VEBA [S. 135]
Die Münchner Rück sei das weltweit größte Rückversicherungsunternehmen, siamesischer Zwilling mit der Allianz, mit gegenseitig je ca. 25 % Beteiligung [S. 34]
Siemens wiederum hat kleinere Beteiligungen an der Allianz und der Münchener Rück (über 10%) [S. 81].
Im Februar 1998 hat auch Bill Gates von Microsoft in München einen Vertrag mit Siemens abgeschlossen.
Da Microsoft am Bau des national Master Patient Index (MPI) in den USA maßgeblich beteiligt ist, der die technische Infrastruktur für die Verknüpfung der elektronischen Patientenakten aller 240 Millionen Einwohner der Vereinigten Staaten schaffen soll, und weil Siemens wiederum ein großer Chipkartenhersteller ist, kann man sich fragen, ob eventuell auch im Bereich medizinischer Netzwerke und elektronischer Patientenakten eine Zusammenarbeit von Siemens und Microsoft entsteht.
EU/USA/Intnl.: [Deutsch/Englisch] EU Datenschutz-Direktive - die Gesetzgebung in Sachen Internet irritiert Online-Unternehmer diesseits und jenseits des Atlantik
URL: http://ourworld.compuserve.com/homepages/gesundheitsdatenschutz/commerc.htm
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