Die Behandlung der Wirbelsäule
durch Handgriffe ist seit ca. 5000 Jahren bekannt. Sogar bei Hippokrates
finden sich mehrere Berichte über eine manuelle Wirbelsäulen-
therapie.
Der Amerikaner D.D. Palmer begründete
im Jahr 1895 in Davenport, Iowa, eine Behandlungsmethode, die er als „Chiropraktik“
bezeichnete.
Das Wort Chiropraktik
bedeutet
„mit der Hand behandeln“.
Es handelt sich hierbei um eine Behandlungsmethode,
die ohne Medikamente, Injektionen oder Operationen durchgeführt
wird. Heute ist die Chiropraktik weltweit gesehen der größte
naturheilkundliche Berufsstand überhaupt. Sie ist wissenschaftlich
gesichert und schulmedizinisch voll anerkannt.
Es gibt weltweit etwa 60.000 Chiropraktoren.
In Deutschland gibt es 40 an einem Chiropraktik College ausgebildete Chiropraktoren,
die im Verband Graduierter
Chiropraktoren Deutschlands e. V.
organisiert sind.
Chiropraktik ist eine selbständige
Disziplin der wissenschaftlichen Heilkunde.
Sie befaßt sich diagnostisch und therapeutisch in erster Linie mit
jenen Krankheitsgeschehen, denen reversible, also umkehrbare Störungen
der Statik und Dynamik des menschlichen Körpers zu Grunde liegen.
Eine zentrale
Bedeutung kommt dabei den Gelenken
im Bereich der Wirbelsäule zu, die z.
B. infolge eines Unfalls, einer Prellung oder auch nur einer „falschen“
Bewegung blockieren können. Ein blockiertes Gelenk kann in einer funktionellen
Fehlstellung lange Zeit verharren und beschwerdefrei sein. Es kann aber
auch zu scheinbar unerklärlichen Schmerzen, Bewegungseinschränkungen,
Muskelverspannungen und Fehlhaltungen führen.
Darüber hinaus können über
reflektorische Vorgänge auch funktionelle organische Störungen,
z. B. nervöse
Herz-, Magen- oder Darmstörungen ausgelöst
werden. Blockierungen können durch ihre Auswirkungen auf das Nervensystem
sehr unterschiedliche Beschwerden verursachen, die z.T. jahrelang bestehen
können, ohne daß die Ursache der Beschwerden in der Wirbelsäule
vermutet wird.
Die Aufgabe des Chiropraktors ist es, solche
Störungen zu diagnostizieren und nach sorgfältiger Klärung
der Ursachen zu behandeln.
Vor Aufnahme einer Behandlung wird eine
genaue Krankengeschichte aufgenommen, wobei nicht nur die gegenwärtigen
Beschwerden wichtig sind, sondern auch nach früheren Krankheiten,
Operationen, Unfällen usw. gefragt wird.
Auf die Anamnese folgt die eigentliche
Untersuchung, bei der zuerst die Haltung und
Beweglichkeit des Patienten begutachtet
wird. Daraufhin werden verschiedene neurologische und orthopädische
Tests durchgeführt, aber auch, wenn nötig, andere Körperfunktionen
untersucht (z. B. Blutdruckmessung u. a. m.). Ziel der Untersuchung ist
es, ein möglichst vollständiges Bild vom Gesundheitszustand des
Patienten zu bekommen.
Häufig sind zur Sicherung der Diagnose
auch Röntgenaufnahmen erforderlich. Nach erfolgter diagnostischer
Abklärung und Lokalisation der entsprechenden Störung wird dann,
sofern der Fall in den Kompetenzbereich des Chiropraktors gehört,
die Indikation gestellt und ein Behandlungsplan aufgestellt. In Fällen
von Nicht- oder nur teilweiser Zuständigkeit empfiehlt der Chiropraktor
den Patienten an allgemeinmedizinische oder fachärztliche Behandlung.
Die eigentliche chiropraktische
Behandlung besteht in spezifischer
sanfter Manipulation oder Mobilisation der gestörten Wirbelgelenke.
Auf diese Weise werden blockierte Gelenke wieder beweglich gemacht und
die Gelenkflächen in korrekte Beziehung zueinander gebracht. Falls
nötig wird diese Behandlung ergänzt durch Maßnahmen, welche
die Funktionstüchtigkeit des Bewegungsapparates möglichst vollständig
wiederherstellen sollen: z. B. physio-therapeutische Anwendungen, orthopädischer
Ausgleich eines verkürzten Beines, Beratung in Bezug auf Haltung,
Schlafgewohnheiten und mögliche Fehlbelastungen, sportliche Betätigung,
usw.
Kernstück der chiropraktischen Tätigkeit
ist die gezielte manuelle Behandlung gestörter Gelenke, wobei
das betreffende Gelenk leicht über seine normale Bewegung hinaus bewegt
wird, jedoch ohne daß hierbei seine anatomischen Grenzen überschritten
werden.
Oft ist hierbei ein Knacken zu hören (das
jedoch für den Erfolg der Manipulation nicht
ausschlaggebend ist), bei dem es sich um eine
kleine Gasexplosion im Gelenk handelt und nicht, wie oft vermutet, um Reiben
der Gelenkflächen aufeinander. Es wird jedoch nicht eingerenkt, d.
h. es werden keine Überdehnungen vorgenommen oder gar ein „Ausleiern“
des Bandapparates herbeigeführt.
Durch
einen qualifizierten Chiropraktor ausgeführt, stellen diese Manöver
die Gelenkfunktion her, ohne Schaden hervorzurufen, auch wenn sie häufiger
angewendet werden müssen.
Auf diese Weise findet auch eine Normalisierung
der mit der Gelenkfunktion im Zusammenhang stehenden Teile des Nervensystems
und der dadurch versorgten Organe statt.