Friederike Kempner


Gedichte



Pegasus



Dichterleben, Himmelsgabe,
Selbst im Unglück glücklicher -
Als die breiten, kot'gen Pfade
Der Gemeinheit sicherlich.



Von der Decke bis zur Diele
Muß der Schweiß herunter rinnen,
Willst gelangen Du zum Ziele,
Wohlverdienten Preis gewinnen.



Prall nicht an, prall nicht an,
Steine gibt es überall,
Und man kann, und man kann
Haben einen bösen Fall;

Stoß nicht an, stoß nicht an,
Böse Menschen gibt es viel,
Und man kann, und man kann
Kommen in ein böses Spiel;

Halt zurück, halt zurück
Deine Meinung, deinen Blick
Und die Klugheit und das Glück
Leiten weise dein Geschick.


Bäume

Menschliche Hilfe ist bald kaput,
Göttliche Hilfe allein es tut. -

("kaput" ist nicht falsch geschrieben, sondern von der Dichterin so gewollt.)



Wehmütig,
Demütig,
Viel verkannt und tief gebeugt,
Ist der Mensch, vom Weib erzeugt.





Die Nemesis, sie waltet
Bei allem, was man tut,
Nehmt Euch in Acht, ihr Menschen,
Die Nemesis nie ruht.





Es ringt der Regen mit dem Winde,
Es ringt der Segen mit dem Fluch,
Es ringt das Alter mit dem Kinde,
Es ringt die Sage mit dem Buch.

Es kämpft die Tugend mit dem Bösen,
Es kämpft die Arbeit mit dem Gold,
Es kämpft ein jeglich, jeglich Wesen:
Ob es, und ob es nicht gewollt!

Pegasus