"Acht Tage" -
eine zahlensymbolische Andachtsreihe

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Der erste Tag
Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.
Und du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.
(5. Mose 6,4+5)
Einmal ist keinmal –
das Bier kaufen wir im Sechser-Pack,
der Zweitfernseher steht im Eßzimmer,
auf einem Bein steht man nicht gut, deswegen geht noch einer;
einmal ist keinmal.
Wir lieben die Auswahlmöglichkeit,
tolerieren die Vielfalt der Meinungen
und tun womöglich manchmal mehreres gleichzeitig.
Und irgendwann reden wir dann von Streß:
weil die dauernde Auswählerei Arbeit macht,
weil wir dauernd Angst haben, etwas aus der Vielzahl der Möglichkeiten zu verpassen oder verpaßt zu haben.
Wir sind unzufrieden,
weil alles immer mindestens zwei Seiten hat
und die Entscheidungen deshalb oft so schwer fallen.
Doch dann, auf einmal, ohne daß wir etwas dazugetan hätten, spüren wir etwas vom "einfachen" Leben, einfach Leben,
keine Spannungen mehr, nur aufgehoben sein, eins mit allem, eins gar mit Gott.
Das kann der kurze Moment bei einem einsamen Spaziergang sein,
das kann ein besonderer Augenblick im Gebet sein,
daß kann das Versinken in der Musik oder in ein Gemälde oder den Armen der Geliebten sein.
Sie lassen sich nicht produzieren, solche Momente;
sie sind immer ein Geschenk:
Gott gibt uns darin etwas von sich zu erfahren.
Gott ist einer, der Herr allein.
Das ist das Grundbekenntnis des Judentums,
das hat das Christentum aus dem Alten Testament festgehalten,
das hat auch der Islam später sich zu eigen gemacht:
Gott ist einer!
Wie die Zahl Eins,
so hat Gott in sich keine Polarität,
er ist ein-deutig,
mit sich eins und mit allem.
Freilich:
In der Bibel hören wir auch davon,
daß er ausschließlich verehrt werden will,
der Einzigartige,
der keine anderen Götter neben sich duldet –
ja mehr noch: neben dem es doch gar keine anderen Götter gibt.
Gott ist der eine;
die Vielfalt und oft genug auch das Durch-ein-ander, das wir so oft erfahren, die Zweideutigkeiten, mit denen wir zu leben haben,
sie finden in ihm ihre Mitte,
sie sind in ihm aufgehoben:
bei ihm sind wir eindeutig angenommen,
er liebt uns eindeutig.
Darum das Gebot:
"Du sollst den Herrn lieben ¼ "
Nicht nach zwei Seiten hinken, sondern eindeutig sein –
gegenüber Gott, im Bekenntnis zu ihm,
und in unserem Verhältnis zu den Menschen, mit denen wir leben:
kein Janus-, sondern das wahre Gesicht zeigen,
eindeutig sein.
Ich wünsche mir, daß das Ihr und mein Leben prägt –
und nicht zuletzt unser Miteinander in diesen Tagen.
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
wir bitten dich für alle,
die es schwer haben, in der Vielfalt der Meinungen und Möglichkeiten, ihren Weg zu finden:
die Kinder, die schon so früh so viel von unserer Welt mitbekommen,
die Jugendlichen, die in einer komplizierten Welt aufwachsen,
die Erwachsenen, die für sich und andere Verantwortung tragen.
Du bist einer, Gott,
in dir finden unsere Wege ihren Ausgang und ihr Ziel.
Stärke uns im Vertrauen auf dich allein;
gib uns Mut zur Eindeutigkeit und zum klaren Wort.
Segne unser Miteinander in diesen Tagen und beschütze uns.
Amen.
 
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Der zweite Tag
Als David aufgehört hatte, mit Saul zu reden, verband sich das Herz Jonatans mit dem Herzen Davids, und Jonatan gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz.
(1. Samuel 18,1)
"Die Zwei ist Zweifel, Zwist, – ist Zwietracht, Zwiespalt, Zwitter.
Die Zwei ist Zwillingsfrucht am Zweige, süß und bitter." (Rückert)
Ach, bei allem Loblied auf die Einheit Gottes gestern:
was wäre die Welt ohne Spannungen,
was wäre sie ohne die Pole,
was wäre sie ohne Mann und Frau, Alt und Jung, Ost und West.
Aber wie gesagt:
zwei, nicht viele.
Viele Sprachen kennen neben der Ein- und Mehrzahl, Singular und Plural, den Dual, die "Zwei-Zahl",
weil sie wissen, daß es zwischen Eins und Mehreren, Vielen noch etwas gibt.
Die Welt lebt aus der Spannung zwischen zwei Polen.
Wenn zwei Menschen in der Ehe wirklich eins würden,
wäre das nicht auszuhalten;
unsere Computer kommen mit den beiden Anweisungen "Aus" beziehungsweise "An" aus –
aber soviel ist unbedingt nötig.
Von einer besonderen Männerfreundschaft weiß die Bibel mit David und Jonatan zu berichten.
Jonatan, dessen Herz – also sein innerstes Wesen – sich mit dem des schärfsten Widersacher seines eigenen Vaters verbindet:
"Herz und Herz vereint zusammen",
ein Herz und eine Seele.
Zweisamkeit –
die Kehrseite davon jedoch ist die Ent-Zweiung,
das Auseinanderfallen der Einheit,
die Teilung
(die Zwei ist die erste Zahl, die teilt).
In der alten persischen Religion und dann immer wieder in den Ketzerbewegungen gab es sogar einen Dualismus:
zwei Götter, die sich gegenüber stehen,
der gute und der böse Gott.
Die Kirche hat diesen Glauben immer verurteilt,
weil er gegen den Glauben an den einen Gott steht,
weil es die Zwei-heit, die Ambi-valenz, das Du-biose und Zwei-felhafte vergöttert;
die Zweiheit entsteht erst mit dem Essen von der Frucht im Paradies-Garten.
So ist wohl beides wahr:
daß wir Menschen aus der Spannung der Pole leben –
und daß es etwas geben muß, daß die Spannung zur Einheit führt,
die zwei eins werden läßt und doch zwei sein läßt.
Liebe nennt man das,
was da zwischen David und Jonatan,
den beiden Männern zu Beginn der israelitischen Königszeit, passiert.
Und ihr gebührt wahrlich der zweite, der silberne Ehrenrang:
weil sich ohne sie nicht leben läßt –
und weil sie uns zugleich hinweist auf den Einen.
Ich wünsche Ihnen Liebe!
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
wir sind mitunter zwielichtige Gesellen, seit wir vom Baum der Erkenntnis gegessen haben:
wir sind zu oft im Zweifel und
entzweien uns mit anderen.
Und wir spüren zugleich,
daß wir das Gegenüber brauchen, das anders ist als ich selbst,
daß wir dich brauchen, du, der andere.
Wir danken dir, wo unser Leben spannend ist und war,
weil du uns Menschen zur Seite gabst.
Wir bitten dich um Kraft zur Liebe
und um die Erfahrung, geliebt zu werden:
geliebt zu werden auch durch dich,
du unser Gott.
Amen.
 
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Der dritte Tag
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
(Matthäus 28,19)
Auf drei zählen kann schon das Baby,
wenn es auch die Zahlen noch nicht kennt –
wenn von drei Teddys einer weggenommen wird,
merkt es die Differenz.
Bis drei zählen können, eigentlich reicht das erst auch mal.
Man kommt dann immerhin schon bis zu den heiligen Drei Königen, deren Reliquien uns ja in Köln begegnen;
man kann die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau abzählen,
oder von den "Drei von der Tankstelle" oder den "Dreien in einem Boot" erzählen.
Und die drei Dimensionen beschreiben den Raum,
in dem wir leben,
das Drei-eck ist die einfachste geometrische Figur.
Und keine gute Rede kommt ohne ihre drei Teile aus,
und sei es nur die einfache Einteilung Einleitung – Hauptteil – Schluß.
Und beim Reden verwenden wir dann dreifache Ausdrücke zuhauf:
"heilig, heilig, heilig" im Gottesdienst,
"hipp, hipp, hurra" auf dem Sportfeld.
Liebe Seniorinnen und Senioren,
die frühen christlichen Theologen haben diesen Sachverhalt
– daß uns die Drei auf Schritt und Tritt begegnet –
als Abschattung der himmlischen Dreifaltigkeit betrachtet.
Weil Gott der dreieine ist,
deshalb spiele die Drei solch eine maßgebliche Rolle in unserer Welt,
so lehrten sie.
Durch ein Drittes wird aus Zweien eine neue Einheit –
das ist wie beim Kind so, das aus einem Paar eine Familie macht;
in dem Kind der beiden ist jeweils etwas von ihnen und doch ist es auch etwas für sich.
Das Kind verbindet,
wie die Liebe verbindet.
Deshalb ist der Heilige Geist in der Theologie oft als Geist der Liebe beschrieben worden,
der den Vater mit dem Sohn verbindet;
so wird Gott zu einer bewegten Einheit in der Dreifaltigkeit;
er ist in sich bewegt und auf Begegnung aus, auf Austausch.
Deshalb ist auch so auf die Begegnung mit uns Menschen aus,
weil in seinem Sohn etwas von uns Menschen in seinem eigenen Wesen ist,
weil er seinem Wesen nach Begegnung und Zuneigung ist, eben: Liebe.
Das ist Ihnen zu spekulativ, abgehoben?
Wir alle sind auf den dreieinen Gott getauft.
Das soll heißen,
wir sind in ein Dreiecksverhältnis berufen:
ich, die anderen Menschen, Gott.
Nur in diesem Dreiecksverhältnis finden wir das Leben:
ohne die Menschen können wir nicht leben,
ohne Gott sollen wir nicht leben,
damit wir den Menschen und der Begegnung mit ihnen nicht mehr aufbürden als sie zu geben vermögen,
damit wir sie nicht überfordern mit unserem Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe.
Der dreieine Gott liebt dich, das ist doch mehr als genug.
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Dreieiner Gott,
in der Taufe hast du dich uns zu eigen gegeben.
Wir dürfen mit anderen Menschen leben,
sie mit deinen Augen ansehen und uns an der Begegnung mit ihnen freuen.
Und wir müssen sie nicht mit unserem Wunsch nach Anerkennung und Liebe überfordern,
weil du uns liebst.
Dreieiner Gott,
begegne du allen Einsamen, Verlassenen, Vernachlässigten.
Amen.
 
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Der vierte Tag
Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.
(Lukas 13,29)
Erde, Feuer, Luft und Wasser waren die Urelemente der alten Griechen;
die vier Arme des Paradiesstromes deuten auf die vier Himmelsrichtungen, auf die vier Enden der Welt;
und wie es vier Jahreszeiten gibt,
so sind es vier Mondphasen, die sich in den vier Wochen eines Mond-Monats abwechseln.
Ein Grand mit Vieren ist das höchste der Skat-Gefühle;
und Mensch-ärgere-dich-nicht ist erst mit dem vierten Stein im Ziel gewonnen.
Große Kirchen kennen einen Vierungs-Turm,
der Turm, der über dem Schnittraum zwischen Lang- und Querhaus erbaut ist.
Im Kölner Dom sollte an diesem besonderen Platz ursprünglich der berühmte Drei-Königs-Schrein aufgestellt werden;
er wurde dann zum gottesdienstlich zentralen Platz gestaltet mit dem Bischofsstuhl, der Kanzel und dem Hauptaltar.
An einem solchen Platz gilt es, vom Gekreuzigten zu künden und das Sakrament zu feiern:
der Gekreuzigte:
das Kreuz mit seinen vier Endpunkten,
die die Welt umfassen:
Osten, Westen, Norden, Süden.
In diesem Vierer-Symbol des Kreuzes liegt das Heil der Welt beschlossen,
in diesem Liebesbeweis Gottes soll die Welt mit sich und mit Gott versöhnt werden:
die Menschen sollen einmal miteinander und mit Gott zu Tische sitzen.
Die Vier ist ein Vollkommenheitssymbol,
die vier Enden des Kreuzes streben auf ihre Mitte zu,
die vier Enden der Welt sollen versammelt werden –
diese Hoffnung wach zu halten in einer Welt, die aller Globalisierung und aller neuen technischen Möglichkeiten zum Trotz immer mehr zersplittert,
diese Hoffnung auf Sammlung und Versöhnung wach zu halten, ist Aufgabe der Kirche, Aufgabe der Christinnen und Christen.
Im Paradies entsprangen alle vier Hauptarme dem einen Strom.
Bei aller – durchaus auch wünschenswerten – Vielfalt in der Kirche und in unserer Welt:
in der Kirche müssen wir uns bewußt bleiben, daß wir aus dem einen Strom leben,
in der Welt müssen wir daran arbeiten, daß wir immer wieder jetzt schon gemeinsam an den Tisch finden, aus Osten und Westen, Norden und Süden.
Mahl-Zeit.
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
du hast uns diese Welt mit ihrer Fülle anvertraut:
mit ihrem Reichtum in der Natur, an Meinungen, an unterschiedlichen Menschen und Völkern.
Lehre uns, mit diesem Reichtum umgehen;
daß wir in der Vielfalt um die verbindende Mitte wissen;
daß wir bei aller Trennung auf dich, den versöhnenden Gott hoffen;
daß wir dir glauben, der sein Reich errichten wird
und alle an einen Tisch bringen wird zur gemeinsamen ewigen Mahl-Zeit:
aus Osten und Westen, Norden und Süden.
Amen.
 
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Der fünfte Tag
Und Jesus ließ das Volk sich auf das Gras lagern und nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach's und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt.
(Matthäus 14,19+20)
Gestern war von einer Tischgemeinschaft die Rede:
aus allen vier Himmelsrichtungen versammelt bei Gott.
Heute wieder ein Essen:
für über 5000 Menschen fünf Brote.
So viele wie Finger an der Hand.
Fünf ist eine Zahl, die nicht mehr aus sich selbst so symbolkräftig ist wie ihre vier Vorgängerinnen;
eher selten sprechen wir vom Jahrfünft,
Chanel No. 5 ist allerdings ein Klassiker,
und der Bücher Mose sind ebenfalls fünf.
Fünf lebt eher aus der Mischung;
sie setzt sich zusammen aus Zwei plus Drei:
der ersten echten geraden und ungeraden Zahl.
Die geraden Zahlen nannte man früher weibliche,
die ungeraden männliche Zahlen.
Fünf symbolisiert die Mischung, sie Summe daraus.
So konnte Schiller dichten:
"Fünf ist
Des Menschen Seele.
Wie der Mensch aus Gutem
Und Bösem ist gemischt, so ist die Fünfe
Die erste Zahl aus Grad‘ und Ungerade."
Gutes und Böses sei im Menschen –
Böses, weil er oft genug Fünfe grade sein läßt;
aber auch Gutes, wenn er seine fünf Sinne zusammen nimmt und das Leben in die Hand.
Gutes und Böses,
widerstreitend in einem selbst –
so wie das auch für jene über 5000 galt,
die sich das bei Jesus gelagert hatten.
Auch in ihnen war es hin und her gerissen.
Ihm glauben, was er ihnen von Gott erzählte:
seinem Zuspruch an uns,
seinem Anspruch auf unser Leben.
Zugleich mißtrauen,
ob er nicht auch nur einer jener unzähligen Wanderprediger sei,
die die Leute verrückt machten und etwas Gutes kommt dann doch nicht dabei raus.
Mit fünf Broten hat er die über 5000 satt gemacht.
Er hat mit diesen fünf Broten um ihr Vertrauen geworben:
achtet das nicht gering, was ihr habt –
wenn ihr zusammenlegt sind es vielleicht immer noch nur fünf Brote.
Aber wenn ihr es mit anderen teilt,
dann werden alle satt.
Wer teilt, macht Fünfe grade.
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
mit fünf Broten wurden so viel satt –
wenn das heute doch auch viel öfters geschähe:
daß wir einander teil gäben an dem, was wir sind und haben!
Und alle würden satt.
Wir danken dir,
wo du die gebende Hand gesegnet hast,
wo du Hilfe Frucht hast tragen lassen.
Wir danken dir,
daß du uns reich beschenkst:
mit einem Maß an Gesundheit,
mit vielen Möglichkeiten, unser Leben interessant zu gestalten,
mit Begegnungen, die uns reich machen.
Laß uns niemals den Dank darüber vergessen!
Amen.
 
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Der sechste Tag
Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei ¼
Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. ¼
Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
(aus 1. Mose 1)
"Unser treuer Vater schenke uns, daß wir in jeder Beziehung von der verfluchten Sechs eigenwilligen Menschentums und irdischer Gewalt,
aus Gottesfeindschaft und Strafgericht gelöst und geläutert werden,
um in die Harmonie, Heiligkeit und Wahrheit der Gottessieben hineinzuwachsen!" (Adolf Heller: Biblische Zahlensymbolik, Stuttgart 2. A. 1951) –
so faßt ein älteres frommes Buch über Zahlensymbolik seine Gedanken über die Zahl Sechs zusammen;
sie wurde – vor allem im christlichen Umfeld – zur Zahl des Menschen, der alle Begrenzungen übersteigt, sich selbst überschätzt, nur noch sich selbst Gott sein will.
Am sechsten Tag der Woche, am letzten Arbeitstag der Schöpfungswoche, wird dieses merkwürdigste aller Lebewesen geschaffen,
so erzählt es die biblische Geschichte auf den ersten beiden Seiten der Bibel.
Und wenn damit die Sechs zu seiner Zahl wird,
dann bekommt er eine der harmonischsten Zahlen zugeteilt:
mathematisch interessant, weil sie sowohl die Summe als auch das Produkt der ersten drei Zahlen ist:
1 plus 2 plus 3 ist gleich 1 mal 2 mal 3 ist gleich 6;
geometrisch interessant:
man schaue sich nur die höchst stabile und harmonische Formation einer Bienenwabe an
oder den sechseckigen Benzolring, dessen Entdeckung die Entschlüsselung vieler chemischer Substanzen ermöglichte.
Diese Zahl ist seine, des Menschen Zahl;
von diesem Menschen sagt der Psalm (8),
daß Gott ihn wenig niedriger gemacht habe als Gott selbst.
Und das ist wohl auch die Herausforderung, die der Mensch nicht bestanden hat:
vor unendlichen paradiesischen Möglichkeiten zu stehen und zugleich mit jener einzigen und letzten Begrenzung nicht umgehen zu können:
nicht sein zu wollen wie Gott,
nicht sich zur Selbstvergottung aufzuschwingen.
Die Antwort Gottes auf jene Grenzüberschreitung war die Vertreibung aus dem Paradies,
war die Sintflut –
war aber mehr noch die Erwählung seines Volkes Israel,
war die Erwählung Jesu aus Nazareth, eines Menschen, der die Menschen ins Paradies zurückführen sollte.
Er kommt den Menschen unter die Räder:
Am sechsten Tag der Woche wird er gekreuzigt,
in der 6. Stunde seines letzten Erdentages beginnt eine Sonnenfinsternis und der Tempelvorhang verreißt.
Kurz zuvor hatte er dem einen, der neben ihm hing, das Paradies verheißen: heute noch ¼
Da hatte es einer in seinen letzten Momenten kapiert,
daß in diesem Menschen Jesus Gott zu finden ist,
daß der Mensch nicht sich selbst, sondern ihm untersteht.
Die Zahl Sechs wurde so in all ihrer Vollkommenheit zum Inbegriff des Bösen: dreimal Sechs: die 666 ist im Buch der Offenbarung die Zahl des Antichristen.
Doch in Jesus Christus ist die Macht des Bösen gebrochen und der Mensch zur Erlösung, anders gesagt: zum Menschsein, berufen.
Und erlöst sein heißt:
sich unter Gott wissen – unter, nicht neben oder gar über ihm.
Daß das keine Selbstverständlichkeit ist, spüren wir,
wenn wir heute die Wissenschaftler sagen hören, was uns aus dem Munde Gottes überliefert ist: "Laßt uns Menschen machen, uns zum Bilde".
Wir spüren es aber auch nur allzuoft im eigenen Leben, wenn wir unseren eigenen Entscheidungen und Wünschen viel mehr zutrauen als den Wegen Gottes mit uns.
"¼ in die Harmonie, Heiligkeit und Wahrheit der Gottessieben hineinwachsen",
das hatte sich der Autor der "Zahlensymbolik" erbeten.
Auf den Boden gestellt zu werden,
Gott unterstellt zu werden,
um die Würde des Menschen zu wissen –
das haben wir immer wieder nötig.
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
Selbstüberhebung, Selbstüberschätzung, das ist seit jenem Tag im Paradies zu einem Kennzeichen von uns Menschen geworden.
In Jesus Christus machst du uns wieder zu dem, was wir sein sollen, was uns wohl ansteht, wodurch wir zu unserem Ziel kommen:
Menschen unter dir, mit großer Würde als dein Gegenüber ausgestattet.
Guter Gott,
wir sehen es immer wieder,
wie Menschen sich zu Götter aufspielen – und oft zu spät kommt die Ernüchterung, daß man die Folgen technischen Fortschritts nicht bewältigt.
Gib deinen Geist,
damit wir das Menschsein lernen.
Amen.
 
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Der siebte Tag
Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.
(1. Mose 2,2+3)
"Über sieben Brücken mußt du gehen" –
sang die DDR-Band Karat;
schöner als mit kleinen Schritten, wie sie meist im Leben nötig sind,
wäre es freilich mit Siebenmeilenstiefel –
erst über die sieben Berge, vorbei an den sieben Zwergen und den sieben Geißlein, dann über die sieben Meere, vorbei vorher noch an den sieben sprichwörtlichen Hügeln von Rom –
und wenn der Durst kommt, eine Dose Seven-Up reinziehen;
und der Hunger wird mit Kuchen bekämpft, zu dessen Herstellung bekanntermaßen sieben Sachen nötig sind ¼
Sie begegnet uns auf Schritt und Tritt, jene Zahl Sieben,
die schon die Sumerer, die erste Hochkultur der Welt im Nahen Osten, heilig hielten.
Doch was heilig ist, wird auch gefürchtet:
wenn einer sieben auf einen Streich zu erlegen fähig ist,
das nötigt Respekt ab ¼
Die Babylonier haben von den Sumerern her um die Bedeutung der Sieben gewußt;
sie wurden zum Symbol für die Ganzheit und Fülle.
Auch unsere Ok-tave hat sieben verschiedene Ganztöne, bis sie wieder zum Anfangston zurückkehrt.
Wen wundert’s, daß auch für Israel diese Zahl eine besondere Bedeutung erlangte.
Die Flut bereitet sich 7 Tage vor,
Noahs Taube bleibt 7 Tage aus,
Jakob schuftete je sieben Jahre um Lea und Rahel,
und sieben fette und magere Jahre sah Joseph im Traum;
sieben Stufen hatte der Tempel,
siebenmaliges Blutbesprengen war beim Opfer vorgeschrieben;
und im Neuen Testament hören wir die Aufforderung, 77 Mal (also: immer) zur Vergebung bereit zu sein,
sieben Worte Jesu am Kreuz sind uns überliefert,
und die Offenbarung spricht fast auf jeder Seite von dieser Zahl,
das Vaterunsers kennt sieben Bitten,
ebensoviele Gaben des Hl. Geistes sind im Galaterbrief erwähnt,
und die katholische Kirche hat ihre sieben Sakramente.
Und nicht zuletzt:
Der siebte Tag rundet die Schöpfungswoche ab,
und jede Woche neu ist der siebte Tag die Erinnerung an jenes Urgeschehen,
als Gott ruhte und segnete und diesen besonderen Tag heiligte.
Bald viertausend Jahre hat dieser uralte Rhythmus Bestand gehabt,
der sich ja nicht nur aus Glaubensaussagen speist,
sondern auch an natürlichen Abläufen: vier Sieben-Tage-Wochen geben den Mond-Monat.
Einen gemeinsamen Rhythmus haben,
dem Leben Struktur geben,
Jahrtausende hat das gehalten,
bis es sich heute scheinbar auflöst:
immer ist Freizeit, immer Arbeitstag,
rund um die Uhr kann durch das weltweite Datennetz an einem Projekt gearbeitet werden,
Sonn- werden Einkaufstage, weil man irgend eine Feierlichkeit merkwürdigerweise durch Einkaufsmöglichkeiten be-reichern muß ¼
Gott ruhte;
der Mensch wird ruhe- und rastlos, wenn er seinen Lebensrhythmus nicht mehr findet.
Mensch, mach’s wie Gott, müßte man wieder einmal sagen.
Gott ruhte;
der Mensch wird ruhe- und rastlos, wenn er seinen Lebensrhythmus nicht mehr findet.
Mensch, mach's wie Gott, müßte man wieder einmal sagen.
Laß dir deinen Lebensrhythmus nicht nehmen und kaputt machen;
feiere jeden 7. Tag – feiere ihn mit anderen und mit Gott!
Laßt es uns nicht einfach hinnehmen,
daß das Leben aus dem Takt kommt.
Gott ruhte am 7. Tag und wendete sich dem Wesentlichen zu: er ging im Garten spazieren und war auf die Begegnung aus mit seinen Menschen: der 7. Tag: Begegnungstag.
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
du gönnst uns Ruhe,
wie du dir am Anfang der Tage Ruhe gönntest,
Zeit nahmst, am siebten Tage deine Werke zu betrachten.
Wir bitten dich für alle,
die zum Nichtstun verurteilt sind,
weil ihre Kräfte versiegten, sie nicht mehr beweglich sind –
es schmerzt, nach einem langen Arbeitsleben nichts mehr tun können.
Schenke uns,
daß wir unsere Zeiten recht nutzen:
uns nicht hetzen lassen vom Alltagsstreß,
aber auch nicht müßig sind,
wo Helfen angezeigt ist.
Wir wollen uns Zeit nehmen für dich,
deiner nicht vergessen,
damit wir Kraft finden, unsere Tage zu bestehen.
Wir danken dir für den langen Sonntag, den wir in dieser Woche erleben dürfen.
Amen.
 
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Der achte Tag
Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
(Johannes 20,26)
Acht Tage sind merkwürdigerweise auch eine Woche,
und ich weiß, wie lange ich gebraucht habe, um zu kapieren,
daß wir noch manchmal in unserem Sprachgebrauch so zählen wie in der Bibel:
da wird nämlich der erste Tag, das erste Jahr jeweils schon mitgezählt;
deswegen ersteht Jesus am dritten Tage, obwohl es von Karfreitag bis Ostersonntag nur zwei sind;
deshalb war man, wenn man acht Tage weg war, eben eine Woche fort.
Und so auch in unserem Bibelvers:
nach acht Tagen, am achten Tag, da war wieder Auferstehungstag, wieder Sonntag,
jener Wochenfeiertag, der bei den Christen aus verständlichen Gründen den jüdischen Sabbat ablöste.
Acht Tage, der Kreis schließt sich, so wie für uns heute, die wir allerdings ja wirklich acht Tage weg waren.
Und auch die großen christlichen Feste dauern ursprünglich acht Tage
– man spricht auch hier von einer Oktav –;
die Feste finden ihren Abschluß mit dem Sonntag danach:
der erste Sonntag nach Weihnachten,
der Weiße Sonntag nach Ostern,
das Dreieinigkeitsfest nach Pfingsten.
Der Rückkehr zum Ursprung –
so wie viele Taufbecken als Erinnerung an diese Erneuerung des Ursprungs achteckig sind:
Taufe als Rückkehr zu dem, wozu wir von unserem Schöpfer bestimmt sind;
im Glauben an den Auferstandenen, den wir immer am achten Tage feiern, Rückkehr zu dem, was der Schöpfer mit uns vorhatte:
in Gemeinschaft mit ihm leben,
das Leben finden und Glück.
Vom Glück, altehrwürdig mit Seligkeit übersetzt, sprechen ja auch jene acht Sätze, die die Bergpredigt eröffnen:
die acht Seligpreisungen:
"Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen." (Mt 5,9)
In der Auferstehung,
in den Seligpreisungen,
überhaupt im Glauben
wird die Wirklichkeit gegen den Strich gebürstet:
es gibt mehr als vor Augen steht,
die Welt ist eine runde Sache, weil sie zu Gott zurückkehren wird.
Gottes Kreise schließen sich immer;
und auch wo wir nur die krummen Linien sehen in unserem Leben,
bleibt die Verheißung Gottes bestehen,
daß sich unser Lebenskreis bei ihm zu einer runden Sache schließt.
Allem zum Trotz ¼
"Am achten Tage tritt Jesus mitten unter sie".
Amen.
Fürbitte/Vaterunser
Guter Gott,
das kann doch nicht wahr sein?
Guter Gott,
das wird wahr werden:
daß unser Leben seine Vollendung findet in dir;
und wo wir nur krumme Linien sehen,
wirst du es zu einer runden Sache machen.
Unser Leben ist geborgen in deiner Hand,
dafür danken wir dir.
Wir bitten dich für alle,
die unter Unfrieden, Ungerechtigkeit und Hartherzigkeit leiden:
laß sie deine Gegenwart spüren.
Amen.
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