19.3. - 1.6.1997
Galizien in Bildern -
Originalillustrationen des "Kronprinzenwerks"
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Die Bedeutung der Angehörigen des Allerhöchsten Kaiserhauses speziell auch für die Entdeckung und Würdigung der Volkskultur ist immer noch viel zu wenig erforscht. Im Jahre 1883 griff der naturwissenschaftlich außerordentlich kompetente Kronprinz Rudolf möglicherweise einen Gedanken Erzherzog Johann Salvators auf, indem er eine „auf der Höhe der gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschung“ stehende umfassende Ethnographie und Landeskunde der gesamten österr.-ungarischen Monarchie herauszugeben plante. Seit Speusippos, ein Schüler Platons, im 4. Jahrhundert vor Christus begann, die Gesamtheit des menschlichen Wissens in einen systematischen Zusammenhang zu bringen, gab es enzyklopädische Unternehmungen. Kronprinz Rudolf verband mit dem ehrgeizigen Publikationsprojekt aber außerdem die Absicht, dem „wissenschaftlichen und künstlerischen Selbstgefühl der einzelnen Nationen Rechnung“ zu tragen. Zur Vorbereitung dieses Monumentalwerkes „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ berief der Thronfolger den Historiker Alfred von Arneth, lud Wissenschafter und Künstler zur Mitarbeit ein. Durch ein Promemoria holte er im März 1884 die offizielle Zustimmung des Kaisers ein, die nach Zustimmung der Ministerpräsidenten der beiden Reichshälften acht Tage später auch erfolgte. Am 25.3.1884 wurden der Präsident des Presseclubs Concordia, Joseph Ritter von Weilen (nach dessen Tod 1889 Univ.-Prof. Heinrich Ritter von Zeissberg) und Mór Jókai mit der Leitung für die deutsche und für die ungarische Fassung betraut. Die organsatorische Struktur bildete ein Direktionsrat, dem die Komitees der Fachreferenten für die cis- und die transleithanische Reichshälfte, ein Finanzkomitee unter Leitung Hans Graf Wilczeks und ein von Nikolaus Dumba geleitetes Künstlerkomitee unterstanden. Kronprinz Rudolf führte den Vorsitz in allen großen Sitzungen sämtlicher Komitees und war von der ersten Sitzung im Juni 1884 bis zu seinem Tod mit Ausnahme von zweimaliger Entschuldigung wegen Krankheit (1886) immer dabei. Jeder Wissenschafter und Künstler erhielt ein persönliches Schreiben des Kronprinzen, der alle Mitarbeiter mindestens zwei- bis dreimal im Jahr zum Diner in die Hofburg lud. Er nahm aber auch die enorme Arbeit der Redigierung auf sich und verstand zwischen den beiden Redaktionen auftauchende Meinungsverschiedenheiten mit seltenem Talent zu schlichten. Kronprinzessin Stephanie betreute die künstlerische Ausstattung und schuf selbst 15 Landschaftsdarstellungen. Das Werk erschien in regelmäßigen Lieferungen ab dem 1.12.1885 jeden 1. und 15. des Monats. 1886 bis 1888 trieb der Kronprinz das Unternehmen in rastloser Arbeit voran und schrieb selbst einige Beiträge. Bis zu seinem Tod waren 77 der 397 Lieferungen ediert worden. Die Bände der österr. Reichshälfte lagen nahezu abgeschlossen vor. Kronprinzessin Stephanie übernahm den Vorsitz und konnte das Kronprinzenwerk zum erfolgreichen Abschluß bringen: Am 1.10.1901 erfolgte die letzte ungarische Lieferung, am 1.6.1902 die letzte deutsche. Die ungarische Ausgabe besteht aus 21, die deutsche infolge differierender Zählung von Doppelbänden aus 24. Das Gesamtwerk enthält 587 Textbeiträge von 432 Autoren und 4529 Illustrationen von 264 Künstlern. |
| Univ.Lektor Dr.Günther Berger |
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