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Spandaus Befestigungswall

Um 1859 befanden sich nahezu ringförmig um die Altstadt Spandau und Zitadelle angeordnet, eine Vielzahl von Schutzwällen mit verschiedenen Ausmaßen und Formgebungen.
Der Beweggrund nach der in Preußen vorherrschenden Festungsbau-Manier war, einen nach innen zunehmenden Anstieg der Verteidigungskraft zu erreichen und somit das Vordringen eines angreifenden Gegners wirksam zu unterbinden. Als Mittelpunkt der gesamten Festungsanlage ist die Zitadelle als letzte Zufluchtsstätte anzusehen.
So entstand eine Mischung aus Erdwallbefestigungen mit Gräben oder Brustwehren - Schanzen genannt - und selbständigen, isoliert stehenden Befestigungswerken - Forts genannt.
Das Aufkommen moderner Waffentechniken - neukonstruierte Geschützrohre, z. T. schon mit gezogenen Läufen, die einen wesentlich präziseren Beschuß ermöglichten, auch wenn vom Feind nicht einsehbar - hatte zur Folge, daß das bisher übliche Mauerwerk aus gebrannten Ziegeln nicht mehr genügend Widerstand leisten konnte, und so ein Ende der "neupreußischen Befestigungsweise" relativ früh absehbar war. Somit hatte die Epoche nur kurze Zeit Bestand. Im Jahre 1903 wurde die Festungsordnung aufgehoben und die Wälle und Schanzen wurden allmählich wegen des zunehmenden Bedarfs an Raum für Wohnungen abgetragen.

Karte aus dem Jahre 1871

    Karte aus dem Jahre 1871
    Anordnung der Schanzen und Lünetten als Verteidigungsgürtel um Spandau



Während um die Altstadt Spandau und um die damals östlich der Zitadelle ansässige Pulverfabrik eine zusammenhängende Wallbefestigung aus Lünetten (Stadtumwallung) vorhanden war, bestanden die vorgelagerten Werke der Oranienburger Vorstadt - heutige Neustadt - aus einzelnd stehenden Schanzen (Verschanztes Lager). An die heute allerdings nur noch die Straßennamen erinnern. Zur Zeit der Befreiungskriege (1813/14) entstanden an der West- und Nordseite die folgend aufgeführten Erdwerke und Lünetten:


      Flankenschanze
      Speckteschanze
      Kornschanze
      Hügelschanze
      Buschschanze
      Eckschanze
      Lange Schanze
      Schülerbergschanze
      Havelschanze

desweiteren:

      Kanallünette
      Spreeschanze
      Burgwallschanze
      Vorderschanze
      Ruhlebener Schanze
      Teltower Schanze
      Reduit auf Eiswerder

Hinter diesen Schanzen konnten die Streitkräfte Deckung vor dem Beschuß des Angreifers nehmen. Im Kriegsfalle war vorgesehen auf ihnen Geschütze zu plazieren und die Zwischenräume zwischen den Schanzen mit weiteren Barrikaden als geschlossene Verteidigungslinie aufzufüllen.


Stadtplan von heute mit den eingezeichneten Rayonlinien von damals.


Flankenschanze
Ort: Am Nördlichen Ende der heutigen Roonstraße.
Auf dem Grundstück wurde 1901 eine Heeres-Brieftaubenstation errichtet, deren Wohngebäude heute noch erhalten ist. Die anderen Gebäude wurden beim Bau des Falkenseer Dammes abgerissen.

Specht oder Speckteschanze
Ort: Am westlichen Ende der Feldstr. und westlich dem heutigen Grundstück der Wilhelm-Leuschner-Oberschule. Am knickhaften Verlauf der Ackerstr. in Höhe Frobenstr. ist die ehem. Form des Terrain noch erkennbar.
Als Pate für die Namensgebung stand hier das in der Nähe befindliche Spektefeld.

Kornschanze
Ort: Zwischen Falkenhagener Straße, Ackerstr. und Fehrbelliner Straße.
Die Kornschanze, die flächenmäßig kleinste aller Schanzen grenzte an die 1890 angelegte, abgeknickte Frobenstr.

Falkenhagener Tor

Das "Falkenhagener Thor" um 1900, erbaut 1878
Blick auf die Birkenstr. (heutige Hügelschanze)
mit dem alten Wasserturm, stadteinwärts.

Hügelschanze
Ort: Zwischen der Nordseite der Straße Hügelschanze (ehemals Birkenstr.) und westlich der Fehrbelliner Str.
Die Hügelschanze, die etwa 8 Meter hoch war und zu den bedeutendsten Schanzen zählt, besaß einen Graben. Dieser wurde jedoch schon um 1882 zugeschüttet, um für ein Kriegslaboratorium Platz zu schaffen. Auf dem nördlichen Teil des Schanzengeländes steht heute eine Siedlung der Gewobag. In unmittelbarer Nähe befand sich ein Hügel, durch den die Schanze ihren Namen erhielt.

Buschschanze
Ort: Westlich der Fehrbelliner Straße entlang bis zur Straße Eckschanze.
Ein dort vorhandenes "Wallmeisterhaus" mußte 1953 der Erweiterung der Gewobag-Siedlung weichen.


Fehrbelliner Tor

Das "Fehrbelliner Thor" um 1900, (erbaut 1876-79)
Blick Schönwalder Str. stadtauswärts,

Eckschanze
Ort: Von der westlichen Seite der Schönwalder Straße - die die Schanze durchquerte - Ecke Fehrbelliner Straße bis zur östlichen Seite Ecke Hohenzollernring.
Die heute noch vorhandenen roten Backsteinbauten westlich der Schönwalder Straße, die lange Zeit ein Polizeirevier beherbergten und in dem noch ein Gastronomiebetrieb ansässig ist, waren ursprünglich das Bekleidungsamt für das 3. Brandenburgische Armeekorp.

Lange Schanze
Ort: Nördlich der Neuen Bergstraße auf dem Gelände der Artillerie-Wagenhäuser.

Schülerbergschanze
Ort: Nordöstlich der Ecke Neuendorfer Straße/Schäferstr.
Im Jahre 1866 wurde die Schülerbergschanze vergrößert und der Weg nach Nieder-Neuendorf, der an der Innenseite (Kehle) entlangführte, mußte verlegt werden.
Schon 1891 wurde beschlossen die Schülerbergschanze zu beseitigen und die Straße in dem bis heute erhaltenen Verlauf, zu begradigen.
Auf einem Teil des Schanzengeländes steht jetzt der "Sonnenhof", ein 1906 errichtetes Kinderheim.

Havelschanze
Ort: Zwischen östlichem Ende der Straße Havelschanze und Strandbad Oberhavel.
Da 1895 der Bau der Pionier-Wagenhäuser bevorstand, wurde das Areal eingeebnet. Die dort errichteten zweigeschossigen roten Bauten, in denen das Gerät des 3. Brandenburgischen Pionier-Bataillons gelagert wurde, sind 1973 wegen dem Bau eines Wohnhauses abgerissen worden.

Burgwallschanze

Die Burgwallschanze

Reduit der Burgwallschanze

Das Reduit der Burgwallschanze nach dem Umbau.

Burgwallschanze
Ort: Am östlichen Havelufer und südlich der Ruhlebener Straße.

Als einziges Relikt aus dieser Zeit ist neben dem Fort Hahneberg noch das Reduit der Burgwallschanze (erbaut 1858-1860) erhalten geblieben.
Aufgabe des Reduits war es die Garnison und die Geschützgießerei im Stresow zu schützen.
Die Anlage weist einen T-förmigen Grundriß mit den Abmaßen von 41 mal 21 Metern auf. Das mit Tonnengewölben ausgestattete Bauwerk bot im Erdgeschoß für die Infanterie 58 Gewehr- und im oberen Stockwerk für die Artillerie 16 Geschützscharten zur Verteidigung.
Lange Zeit wurde das Bauwerk gewerblich genutzt bis es dann 1999 trotz Denkmalschutz zu einem Künstleratelier umgebaut wurde.
Dem Spaziergänger, der ahnungslos durch die dort entstandene Kleingartenkollonie geht, wird das Bauwerk nicht sonderlich auffallen, da es zum Teil durch hohe Sträucher und Bäume verdeckt wird.
Man vermutet, da es zur Zeit der Entfestigung noch für militärische Zwecke genutzt werden sollte, hat man so vom Abriß vorerst abgesehen.

Vorderschanze
Ort: Südlich des Bahnhofes Berlin-Spandau (Stresow) und östlich der ehem. Stresow-Kaserne gelegen.
Diese ist in den Jahren 1911-20 abgetragen worden.

Zeichnung: Spreeschanze

Zeichnung: Seitenansicht Reduit der Spreeschanze

Spreeschanze
Ort: Zwischen der Straße "Am Juliusturm" (damals Berliner Chaussee) und nördlichen Spreeufer.
Im Gegensatz zu den anderen Schanzen besaß die Spreeschanze einen kreuzförmigen Reduit, der mit einem schweren Geschütz bestückt war.
Um 1901/02 begann man die Spreeschanze abzureißen und die Gräben zuzuschütten. Auf dem Areal plante man den Neubau einer Munitionsfabrik. Wie aus alten Plänen hervorgeht, sind die Reste der Spreeschanze erst während oder nach dem ersten Weltkrieg vollständig entfernt worden.

Kanallünette
Ort: Direkt am Knick des Alten Spandauer Schiffahrtskanals und gegenüber der Weihnachtskirche und östlichen Ende des Lüdenscheider Wegs.
Die Kanallünette, die in den Jahren 1853/54 errichtet wurde, sollte den Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, der etwa zur gleichen Zeit angelegt wurde, in beiden Richtungen flankieren. Auch dieses Bauwerk mußte zum Bau einer Wohnsiedlung 1931 weichen.

Retranchement der Pulverfabrik
Ort: Am Westufer des Grützmachergrabens, parallel zur Daumstr.
An dem bogenförmigen Verlauf der Daumstr., die damals lediglich nur ein außen am Wall vorbeigeführter Weg war, läßt sich noch heute die äußere Form der im Jahre 1831 bis 1838 errichteten Pulverfabrik erkennen. Auch der immer noch in Zickzacklinie fließenden Grützmachergraben deutet auf die ehem. Existenz des mit Lünetten besetzten Schutzwalles hin. Insgesamt sieben hervorspringende Lünetten bildeten einen Halbkreis von der Havel bis zur heutigen Straße Am Juliusturm.
Lünetten waren meißt als vorgeschobene Erdwerke in der Form ähnlich einer Bastion errichtet worden.
Wegen einer Erweiterung der Pulverfabrik wurden um 1890 die drei nördlichen Lünetten, auf derem Ort sich heute das Stadion Haselhorst befindet, als erste abgerissen. Während von den mittleren Lünetten 1946 nur noch Reste vorhanden waren, haben die beiden südlichen noch relativ lange bis 1959 bestanden. Auch hier war der Grund für den Abriß eine Vergrößerung der ansässigen Industriebetriebe.

Die Stresow-Befestigung und vorgeschobene Werke am Elsgraben

Wall am Schlangengraben

 Wall am Schlangengraben mit Stresower Kaserne

Teltower Brückschanze

 Teltower Brückschanze

Der nach 1846 einsetzenden Aufbau von Artillerie- und Zündhütchenfabriken im Stresow erforderte einen Neu- und Umbau der schon vorhandenen Wehranlagen.

Die Burgwall- und Vorderschanze wurden zu Forts ausgebaut, die durch einen Wall miteinander verbunden wurden. Als "nasser Graben" diente hier der heute nicht mehr vorhandene Schlangengraben. Die Reduits beider Forts - Kernwerke einer Festung, auch als Stützpunkt oder Zufluchtsort benutzt - beinhalteten im oberen Geschoß große Geschütz- und im unteren Geschoß kleinere Gewehrfeuerscharten.

In der 50er Jahren wurden auch die äußeren Werke, die Ruhlebener Schanze und die Teltower Brück Schanze, beide am Elsgraben als alleinstehende Lünetten errichtet. Beide Schanzen in sehr ähnlichem Stil erbaut, erhielten einen zweistöckigen Reduit der sowohl für Gewehr als auch für Geschützverteidigung geeignet war.
Ruinenreste der Teltower Brück Schanze - zum Teil durch Sträucher überwuchert - sind heute noch an der Havelchaussee Ecke Elsgrabenweg zu finden. Sie dienen jetzt der Begrenzung eines Tennisplatzes.

Wallanlagen

Wallanlagen am Stabholzgarten

Stadtumwallung

Im Jahre 1859 bestand der direkte Spandauer Verteidigungsgürtel aus einem Wall mit 4 Bastionen und 3 Ravelins. Ravelins waren Werke, die sich außen zwischen den Bastionen, direkt vor den Verbindungsstücken des Walles, den sgn. Kurtinen befanden.
Dazu kamen die vorgelagerte Stresower Vorstadt und die Wasserläufe als weitere Maßnahme der Verteidigung. Im Westen der Mühlengraben und im Osten das Ufer von Havel und Spreemündung.

Wasserführende Gräben, z. T. mit Wehren und Schleusen zur Wasserstandsregulierung versehen, in Verbindung mit Erdwällen, die mit Bastionen ausgerüstet waren, wurden von der niederländischen Befestigungsmanier übernommen, und fanden in dieser Zeit weit bis in den östlichen Raum Verbreitung.

Rekonstruktionsversuch der alten Stadtmauer

Rekonstruktion der Stadtmauer in der
Kammerstraße Ecke Lindenufer

Stadtmauern wurden nicht nur zum Schutz der Bürger errichtet, sondern galten auch als sichtbares Symbol einer unabhängigen Stadt.
Bevor jedoch feste Mauern aus Ziegeln mit einem Fundament aus Findlingen gebaut wurden, war die Stadt durch eine ca. 3 m hohe Holzpalisade mit vorgelagertem Graben gesichert. Die Palisade bestand aus 3 x 3 m großen Kästen die mit Unrat, Stallmist, Sand und Steinen aufgefüllt waren. Reste dieser etwa um 1240 errichteten Mauer traten bei achäoligischen Grabungen an der Kammerstraße zu tage.

Zur Bestreichung der toten Winkel waren Weichhäuser aus der Flucht der Mauer nach außen vorgeschoben. An einigen Stellen wies die Stadtmauer von innen zugängliche Mauervorsprünge auf, die mit in drei Stockwerken angelegten Schießscharten ausgerüstet waren.

Zum heutigen Zeitpunkt sind noch vereinzelte Reste der Stadtmauer an der Wallbrücke am Stabholzgarten, am Viktoria-Ufer und eine Teilrekonstruktion im Kolk, in der Straße Hoher Steinweg zu finden.
Die in mehreren Ebenen angelegte Rasenfläche am Mühlengraben zwischen Stephanbrücke und Carl-Schurz-Brücke soll andeutungsweise auf die ehem. Umwallung hinweisen.


Tore einer Stadt

Mehrere Tore, deren Anzahl und Lage sich im Laufe der Zeit veränderte, führten durch die Mauer in die Stadt. Oft erfolgte die Namensgebung ebenso wie die der Straßen nach den Orten, zu denen die Straßen führten.

Heidetor
Das wohl älteste Tor war das Heidetor. Es wurde vermutlich um 1220 erbaut und befand sich am nördlichen Ende der Potsdamer Str., heutige Carl-Schurz-Str. Später wurden zum Schutz zwei quadratische Türme hinzugesetzt.
1640 wurde dieses Tor durch das "Neue Tor" ersetzt und auf Befehl Prinz August Wilhelm von Preußen in Oranienburger Tor umbenannt. Nach Ausbau der Festung und Umgürtelung der Neustadt mit Wällen und nassen Gräben wurde das Tor, das nur eine Durchfahrt für einen Wagen bot und dem immer mehr aufkommenden Verkehr nicht mehr gewachsen war, im Jahre 1880 abgerissen.

Klostertor (Potsdamer Tor)
Das ursprüngliche Tor befand sich bis mindestens 1240 am Südende der Breiten Straße, die damalige Hauptstraße. Später wurde es zur Potsdamer Str. verlegt, in Potsdamer Tor umbenannt und wurde zum Haupttor der Stadt. Zur Verteidigung erhielt es einen Turm und eine Zugbrücke. Wegen Baufälligkeit wurde es mehrmals abgerissen und in anderer Form wieder aufgebaut.

Potsdamer Tor am Mühlengraben

 Das Potsdamer Tor am Mühlengraben im Jahre 1900

Turm an der Charlottenbrücke

ehem. Turm an der Charlottenbrücke

Stresowtor
Dieses Tor, wohl erst in der jüngeren Zeit errichtet befand sich an der Charlottenbrücke und wurde durch einen Rundturm flankiert.

Mühlentor
Ebenfalls von einem Rundturm flankiert, befand es sich am Ende des Möllentordammes, am Rande des Ortsteiles Behnitz an der Straße nach Berlin.

Wassertor
Das kleinste Tor mit einem kleineren Rundturm bewehrt, am Ende der Wasserstraße, damals Wassertorstraße, stellte die Verbindung zum Hafen her.

Spandau im Jahre 1724

 
 

Rundgang durch die Zitadelle

Das Wappen am Tor    Die Bastionen   Der Grundriß der Zitadelle

Geschichte der Zitadelle    Der Juliusturm

Das Gefängnis    Zeittafel   Termine, Öffnungszeiten, Verkehrsverbindungen

Spandaus Befestigungswall    Fort Hahneberg 

Bilder aus der Altstadt Spandau
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Last modified on Sat Feb 10.2001