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Rundgang durch die Zitadelle

  Blick von der Bastion König

Das Torhaus, in dem sich der einzige Zugang zur Zitadelle befindet, ist Teil des südlichen Festungswalles. Der Venezianer Franciscus Chiamarella entwarf das prunkvolle Torhaus als eine verkleinerte Nachbildung des Stadttores Porta Nuova in Verona. So kommt auch die Bezeichnung "Zitadelle" aus dem Italienischen (zitta della = kleine Stadt). Der Eingang der Wasserburg, der ursprünglich zwei Zugbrücken und eine Pfahlbrücke besaß, konnte durch eine Geschützbatterie über der Durchfahrt und durch die nahe Bastion König gesichert werden. Im Zuge der Umgestaltung im Jahre1620 zum Kommandantenhaus wurden die oberen Schießscharten zu Fenstern umgebaut. Die mittlere zu einem Balkon, hinter dem sich jetzt der Fürstensaal befindet.

Betritt der Besucher den großen Innenhof der Festungsanlage, den Straßenlärm weit hinter sich lassend, wird er zuerst das älteste Gebäude, den Palas erblicken. (Palas: lat. palatium = Hauptgebäude mit Festsaal einer mittelalterlichen Burg)

  Der Palas, das Hauptgebäude

Der Palas sowie der Juliusturm sind Überbleibsel einer früheren askanischen Burganlage die etwa im 11. u. 12. Jahrhundert auf dem Gebiet einer slawischen Siedlung entstand. Fachleute fanden bei ihren Untersuchungen heraus, daß es sich wahrscheinlich schon um das dritte Gebäude handelt.
Bei der Freilegung des Fundamentes wurden zahlreiche jüdische Grabsteine entdeckt, die beim Bau des Palas als Baumaterial Verwendung fanden. Die Grabsteine, der älteste aus dem Jahre 1244, stammen von einem eingeebneten Spandauer Friedhof. Einige Grabsteine sind heute im Stadtgeschichtlichen Museum Spandau zu besichtigen, andere wurden in die Südwand des Palas eingemauert.

Übersichtsplan Zitadelle

Das Gebäude war mit einer Küche, einem Festsaal und im Obergeschoß mit Wohnräumen ausgestattet. In ihnen weilten die Landesherren wenn sie in Spandau waren. Später wurde es zum Wohnort der Witwen brandenburgischer Kurfürsten. In das Spandauer Schloß, wie die Burg jetzt offiziell genannt wurde, zog im Jahre 1470 Katharina, die Gemahlin des Kurfürsten Friedrich II. ein. Der Palas kann mit einer bewegten Geschichte aufwarten. So wurde er mehrere Male umgebaut. So unterlag er zuerst dem gotischen Stil (1450), der Renaissance (1520), dem Barock und dem Klassizismus (1821). Im Jahre 1698 explodierte der Pulverturm der Bastion Kronprinz und der Palas geriet in Mitleidenschaft.
Torhaus, Eingang Bastion König

  Rückansicht des Torhauses, Eingang zur Bastion König

Ein Umbau folgte auf den anderen. Das Gebäude beherbergte 1809 ein Laboratorium. Durch einen Beschuß der Zitadelle 1813 durch preußische Truppen brannte der Palas aus. Nach der Wiederinstandsetzung zum preußischen Klassizismus zog 1817 ein Raketenlaboratorium in das Gebäude. 1936 wurde der Palas schließlich völlig zu einem Offizierskasino umgebaut.

An der Westkurtine neben dem Juliusturm, wo sich früher die Auffahrtsrampe zur Bastion König befand, wurde ein verglaster Schaukasten geschaffen, in dem man Grabungsfunde aus dem 16. Jahrhundert betrachten kann.

Nördlich des Palas schließen sich das ehem. Offiziantenhaus und das ehem. Verwaltungsgebäude an. Letzteres wurde erst in den 30er Jahren errichtet. Nach dem II. Weltkrieg war hier die Otto-Bartning-Oberschule untergebracht. Eine Berufsfachschule, die entscheidend an der Restaurierung der Zitadelle mitgewirkt und ausschlaggebend bewirkt hat, daß die Zitadelle nicht geschleift wurde, sondern als historisches Bauwerk der Nachwelt erhalten blieb.

Hof der Bastion Kronprinz

  Der Innenhof der Bastion Kronprinz
  mit dem Wassertor

In der Bastion Kronprinz sind heute eine Jugendkunstschule und ein Kunstgewerbebetrieb ansässig. Im Hof der Bastion Kronprinz wurde ein 1877 zugeschüttetes Hafenbecken wieder hergestellt. Durch ein Wassertor in der zurückgezogenen Flanke der Nordkurtine war es möglich mit einem Boot in den Zitadellengraben und somit in die Krienicke, eine Bucht der Oberhavel zu gelangen.
Am nördlichen Gebäude, die ehem. Kaserne, wird zur Zeit die urprüngliche Fassade wiederhergestellt.


  Die Italienischen Höfe

Am Ende des Kasernengebäudes befindet sich die Bastion Brandenburg mit den "Italienischen Höfen". Als Besonderheit sei hier die offenen Bauweise mit den überspannenden Schwibbögen, als die architektonischen Schmuckstücke der Höfe genannt.


Die Bastion Brandenburg, die auf ihrer Zufahrtsrampe von einem Portal überspannt wird, besaß ebenfalls wie die Bastion Kronprinz einen Kanonenturm (Kavalier), der aber 1936 zur Zeit der Aufrüstung völlig abgetragen wurde. Anschließend entstand hier in einem besonders abgesicherten Bereich ein Heeresgasschutzlabor und ein Sonderlabor zur Entwicklung von Giftgasen.



Bastion Königin Eingang Bastion Königin

    Bastion Königin und Südkurtine
    Blick vom Juliusturm

    Eingang zur Bastion Königin


Parallel zur Ostkurtine befindet sich das Magazinsgebäude. Vorbei an dem Exerzierschuppen und dem Neuen Zeughaus gelangt man durch eine befahrbare Bogenbrücke, die die Ost- und Südkurtine miteinander verbindet, zur Bastion Königin.



Im Neuen Zeughaus, ein Bauwerk von besonderer architektonischer Schönheit, befindet sich heute das Stadtgeschichtliche Museum Spandau.

Stadtsiegel von Spandow 1289
ehem. Neue Zeughaus

   Das ehem. Neue Zeughaus


Ruine des Alten Zeughaus

  Ruine des Alten Zeughauses



Schließlich erreicht man wieder das Torhaus. Vorher fällt der Blick aber noch auf die rekonstruierten Mauern des Alten Zeughauses, welches direkt an der Südkurtine gelegen war und auf das Denkmal Markgraf Albrecht der Bär. Letzteres wurde von Walter Schott geschaffen und am 6.5.1898 in der Siegesallee in Tiergarten (Nähe Brandenburger Tor) enthüllt, und fand nach verschiedenen Zwischenstationen hier seinen endgültigen Standort.

Anschließend sei der Besuch im Heimatkundemuseum und eine Besteigung des Juliusturmes empfohlen. Der Juliusturm, von dem man einen hervorragenden Ausblick hat, gilt als besondere Besucherattraktion.


Albrecht der Bär

  Albrecht der Bär,
  am Torgebäude

Auch heute dient die Zitadelle noch als Zufluchtsort.
In den Herbstmonaten finden sich ca. 11000 Fledermäuse in den Wehrgängen ein, um hier gemeinsam ihren Winterschlaf abzuhalten.

Mehr Infos über die Fledermäuse der Zitadelle

Der außerhalb gelegene Zitadellenpark lädt zu einem abschließenden Spaziergang ein. Dabei werden die enormen Ausmaße der Festung ersichtlich.

Wer Näheres von der Vergangenheit der Zitadelle erfahren möchte, findet an der Kasse ein reichhaltiges Angebot an Informationsmaterial.


 
 

Rundgang durch die Zitadelle

Das Wappen am Tor    Die Bastionen    Der Grundriß der Zitadelle

Geschichte der Zitadelle    Der Juliusturm

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Spandaus Befestigungswall    Fort Hahneberg 

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Last modified on Sat Jan 30.1999