
Rundgang durch die Zitadelle
Das Torhaus, in dem sich der einzige Zugang
zur Zitadelle befindet, ist Teil des südlichen Festungswalles. Der
Venezianer Franciscus Chiamarella entwarf das prunkvolle Torhaus als eine
verkleinerte Nachbildung des Stadttores
Porta Nuova in Verona. So kommt auch die Bezeichnung "Zitadelle" aus dem
Italienischen (zitta della = kleine Stadt).
Der Eingang der Wasserburg, der ursprünglich
zwei Zugbrücken und eine Pfahlbrücke besaß, konnte durch
eine Geschützbatterie über der Durchfahrt und durch die nahe
Bastion König gesichert werden. Im Zuge der Umgestaltung im Jahre1620
zum Kommandantenhaus wurden die oberen Schießscharten zu Fenstern
umgebaut. Die mittlere zu einem Balkon, hinter dem sich jetzt der Fürstensaal
befindet. Betritt der Besucher den großen Innenhof der Festungsanlage, den Straßenlärm weit hinter sich lassend, wird er zuerst das älteste Gebäude, den Palas erblicken. (Palas: lat. palatium = Hauptgebäude mit Festsaal einer mittelalterlichen Burg)
Der Palas sowie der Juliusturm sind Überbleibsel einer früheren askanischen
Burganlage die etwa im 11. u. 12. Jahrhundert auf dem Gebiet einer slawischen
Siedlung entstand. Fachleute fanden bei ihren Untersuchungen heraus, daß
es sich wahrscheinlich schon um das dritte Gebäude handelt. ![]() Das Gebäude war mit einer Küche, einem Festsaal und im Obergeschoß mit Wohnräumen ausgestattet. In ihnen weilten die Landesherren wenn sie in Spandau waren. Später wurde es zum Wohnort der Witwen brandenburgischer Kurfürsten. In das Spandauer Schloß, wie die Burg jetzt offiziell genannt wurde, zog im Jahre 1470 Katharina, die Gemahlin des Kurfürsten Friedrich II. ein. Der Palas kann mit einer bewegten Geschichte aufwarten. So wurde er mehrere Male umgebaut. So unterlag er zuerst dem gotischen Stil (1450), der Renaissance (1520), dem Barock und dem Klassizismus (1821). Im Jahre 1698 explodierte der Pulverturm der Bastion Kronprinz und der Palas geriet in Mitleidenschaft.
An der Westkurtine neben dem Juliusturm, wo sich früher die Auffahrtsrampe zur Bastion König befand, wurde ein verglaster Schaukasten geschaffen, in dem man Grabungsfunde aus dem 16. Jahrhundert betrachten kann. Nördlich des Palas schließen sich das ehem. Offiziantenhaus und das ehem. Verwaltungsgebäude an. Letzteres wurde erst in den 30er Jahren errichtet. Nach dem II. Weltkrieg war hier die Otto-Bartning-Oberschule untergebracht. Eine Berufsfachschule, die entscheidend an der Restaurierung der Zitadelle mitgewirkt und ausschlaggebend bewirkt hat, daß die Zitadelle nicht geschleift wurde, sondern als historisches Bauwerk der Nachwelt erhalten blieb.
In der Bastion Kronprinz sind heute eine Jugendkunstschule und ein Kunstgewerbebetrieb
ansässig. Im Hof der Bastion Kronprinz wurde ein 1877 zugeschüttetes
Hafenbecken wieder hergestellt. Durch ein Wassertor in der zurückgezogenen
Flanke der Nordkurtine war es möglich mit einem Boot in den Zitadellengraben
und somit in die Krienicke, eine Bucht der Oberhavel zu gelangen.
Am Ende des Kasernengebäudes befindet sich die Bastion Brandenburg mit den "Italienischen Höfen". Als Besonderheit sei hier die offenen Bauweise mit den überspannenden Schwibbögen, als die architektonischen Schmuckstücke der Höfe genannt. Die Bastion Brandenburg, die auf ihrer Zufahrtsrampe von einem Portal überspannt wird, besaß ebenfalls wie die Bastion Kronprinz einen Kanonenturm (Kavalier), der aber 1936 zur Zeit der Aufrüstung völlig abgetragen wurde. Anschließend entstand hier in einem besonders abgesicherten Bereich ein Heeresgasschutzlabor und ein Sonderlabor zur Entwicklung von Giftgasen.
Der außerhalb gelegene Zitadellenpark lädt zu einem
abschließenden Spaziergang ein. Dabei werden die enormen Ausmaße
der Festung ersichtlich.
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