Der Juliusturm
Direkt hinter dem Palas steht der kreisrunde
Juliusturm, das eigentliche Wahrzeichen Spandaus.
Er wurde als Bergfried oder Wachturm
vermutlich im Jahre 1250 erbaut und zählt zu den ältestenden
Bauwerken Berlins. Der Turm diente in seiner Frühzeit bei Gefahr als
Zufluchtstätte.
Der Turm, der im Sockelbereich aus Feldsteinen
besteht, hat einen Durchmesser von 12,60 m. Das Mauerwerk mißt
unten eine Dicke von 3,60 m während das obere Backsteinmauerwerk aus
Ziegelsteinen im Klosterformat besteht, und sich auf 2,30 m verjüngt.
Die gesamte Höhe des Turmes beträgt 36 m.
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Blick von der Bastion König |
Ein typisches Merkmal mittelalterlicher Türme ist der in 10-15 Meter über
dem Erdniveau liegende Eingang. Eine Holzbrücke verband den Palas
mit dem Turm.
Das ergab die Möglichkeit im Fluchtfalle
die Verbindung zum Turm abzubrechen und so die Verfolger
auf Distanz zu halten.
Über eine rekonstruierte neugotische
Wendeltreppe gelangt man in den oberen Teil des Turmes. Das Oberschoß
ist mit einem Kaminansatz, einer Fensternische und einer Abortnische versehen.
Auch die beiden dreieckigen geschlossenen Wandnischen, die wohl zur Aufstellung
von Heiligenfiguren dienten, sind ein Indiz dafür, daß der Turm
eine Zeit lang bewohnt wurde, oder es zumindest geplant war.
Die früheren Zwischengeschosse,
die über Leitern erreichbar waren, sind heute nicht mehr vorhanden.
Im unteren Teil befand sich das Verlies, welches zur Unterbringung
von Gefangenen diente. Durch eine kleine Öffnung, auch "Angstloch" genannt,
wurden Gefangene an einem Seil herab gelassen.
Während des Zweiten Weltkrieges befand sich
hier der Sitz einer Luftschutzzentrale.
Lange Zeit ging man davon aus, daß
der Juliusturm - ursprünglich Judenturm - seinen Namen durch die Verleihung
des "Thurm-Amt zu Spandow" von Markgraf Ludwig der Römer am 8. September
1356 an seinen Kammerknecht Fritzel, einem Juden erhielt. Die Aufgabe des
Turmamtsinhabers war es, Wegezölle zu kassieren.
Inzwischen gilt es als hinreichend erwiesen,
daß die Namensgebung mit einem Besuch des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel
im Jahre 1582 in Zusammenhang steht. Auf Grund der finanziellen Lage konnte
man sich keine großen Geschenke leisten. Somit waren Namensverleihungen
durchaus üblich. Als Gegenleistung wurde die Wolfenbütteler Festung
Rosenberg in Joachimsberg umbenannt.
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Rekonstruierte Wendeltreppe |
Treppe im Obergeschoß |
Am 17. 4. 1813 brannte der Turm als Folge
der Beschießung der Zitadelle während der Befreiungskriege aus.
Im Jahre 1834 wurde die beschädigte Mauerkrone entfernt, sodaß
ein von Karl Friedrich Schinkel entworfener Kranz mit 24 Zinnen im Jahre
1838 aufgesetzt worden ist.
Dabei wurde eine Neigung des Turmes von 81 cm in
Richtung Altstadt Spandau festgestellt.
Er gilt damit auch als "Der schiefe Turm
von Spandau".
Berühmt wurde der Juliusturm nach
dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, durch das Gesetz zur
Bildung eines Reichskriegsschatzes. Ein Teil der französischen Kriegsentschädigung
- 120 Millionen Mark, in Form von Goldmünzen in 1200 Kisten verpackt
- wurde hier 1874 eingelagert.
Weiterhin wurde der Juliusturm durch ein
zur damaligen Zeit bahnbrechendes Experiment bekannt. Ein „Optischer
Telegraf“ wurde 1793 zur Erprobung installiert. Eine Entwicklung von
Franz Karl Achard, dem Direktor der "Königl. Academie der Wissenschaften zu
Berlin". Zur Gegenstation, dem Schloß Bellevue wurden die Worte "Es lebe der
König" übertragen.
Hat der Besucher die 154 Stufen bis zur
Aussichtsplattform erklommen, wird er mit einem hervorragendem Ausblick
auf Spandau belohnt.
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Blick von der Aussichtsplattform des Juliusturmes:
Rathaus Spandau, Nikolaikirche, |
Kirche St. Marien, Kolk
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