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Die Geschichte der Zitadelle

Schon in der Bronzezeit (1000 v. Christus) kam es im Gebiet des heutigen Spandau zu den ersten Besiedlungen. Die ehemals ansässigen Germanen waren abgewandert, so daß Slawen diesen Raum besiedelten. Durch archäologische Funde wurde der Beweis erbracht, daß im 9. Jahrhundert zwischen der Altstadt und der Zitadelle eine Siedlung bestanden hat.

Die ersten slawischen Bauern bauten ihre Häuser auf den Havelinseln. Bedingt durch den damals noch anderen Flußverlauf der Spree (deltaförmige Mündung in die Havel) und auch der Havel selbst (sie verlief südlich des Palas und auch entlang der heutigen Havelstraße), boten die so vorhandenen Inseln einen Schutz vor Überfällen. Aus dieser Siedlung, Behns genannt (Teil des heutigen Behnitz) entstand die erste noch aus Holzstämmen gebaute Burganlage.
In der Zeit um 1240 wurde der Flußverlauf der Havel geändert. Man staute ihn in Höhe des Möllentordammes, und zwischen Behnitz und Zitadelle wurde ein Durchbruch geschaffen. Der Grund dafür war wohl der Betrieb von Wassermühlen.
Man geht heute davon aus, daß es nacheinander mehrere Burgen an dieser Stelle gab, die ein Raub der Flammen wurden.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich aus dieser Siedlung eine Stadt mit einem  stadtmauerähnlichen Palisadenzaun.

Karte: Berlin - Spandau im Jahre 1535

Ihre wirtschaftliche Blütezeit erreichte sie im 11. und 12. Jahrhundert.

Die Voraussetzungen hierfür waren äußerst günstig, da hier die Spree in die Havel mündet.  Auf dem Wasserwege bestand somit eine Verbindung zur Stadt Brandenburg und über Berlin nach Köpenick und weiter nach Osten.
Auch war dieses Gebiet für den Ost-West-Handelsverkehr auf dem Lande eine Art Paß zwischen Krienicke und Stößensee.



Albrecht der Bär

Albrecht der Bär

Nach 1157 geriet Spandau durch Erbschaft unter die Herrschaft von Graf Albrecht von Ballenstedt, (Albrecht der Bär) vom Geschlecht der Askanier.
Im Jahre 1197 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung Spandaus. Am 7. März 1232 folgte dann die Gründung der Stadt.
In der von Überfällen und Massakern heimgesuchten Gegend, das geht aus anthropologisch-medizinischen Untersuchungen von Skeletten eines ehem. Friedhofes am Reformationsplatz hervor, entschlossen sich die Askanier eine neue Verteidigungs- und Angriffslinie zu schaffen. Man errichtete in der Havel-Nuthe-Linie Burgen, durch die die Handelswege gesichert und überwacht werden sollten. Die Burg Spandau wurde in diesen Plan mit einbezogen.
Nun begann der Ausbau der Burg. Zugleich wird Spandaus Stadtmauer erneuert und erweitert, und somit der Benitz mit der Altstadt verbunden. Der Juliusturm wurde dagegen schon etwa Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet.

Angeregt durch den Entwurf des italienischen Baumeisters Chiaramella de Gandino entschied sich Kurfürst Joachim II. für den Bau einer Festungsanlage. Der Plan, die Festung in Zossen zu errichten wurde jedoch verworfen und man entschied sich wegen der Nähe zu Berlin für Spandau. Der Juliusturm und der schon existierende Palas sollten in die Festung integriert werden. Für den Bau der 1557 bis 1560 unter Joachim II. begann und durch seinem Sohn Johann-Georg zur Vollendung kam, wurden 200 Fachkräfte aus Italien herangezogen.
Drei Baumeister waren am Bau der Zitadelle beteiligt. Bis 1562 Christoph Römer, bis 1578 Franziskus Chiaramella, seit 1578 Graf Rochus zu Lynar, der bei einer Schlacht bei
Graf Rochus zu Lynar

  Ausschnitt aus dem Gemälde:
  Graf Rochus zu Lynar

Diedenhofen durch einen Büchsenschuß ein Augenlicht verlor. Lynar - richtige Schreibweise ist eigentlich Linar, erst seine Nachkommen nannten sich Lynar - wird als der Hauptbaumeister genannt.
Ein Problem beim Bau war der schlammige Untergrund. Wie Lynar es ausdrückte: "schwartz Muder, und nach funff schuhen tieffe keinen festen grundt". Er empfahl das "gantze Fundament solcher Pasteyen uff pfähl" zu setzen. Um nun die Zitadelle auf einen festen Untergrund zu stellen, wurden also 4 x 4 m große Senkkästen in den Boden getrieben, in die man dann ca. 250 Eichenpfähle je Kasten rammte.
Lynar setzte noch zahlreiche bauliche Änderungen durch. Er ließ z.B. die unteren Verteidigungsgalerien durch Quermauern verstärken, um der Zerstörung der Kurtinen durch Artilleriebeschuß entgegen zu wirken. Die offenen Höfe der Bastion Brandenburg sind wahrscheinlich auch auf Lynar zurück zu führen. Lynar, der inzwischen zum Festungskommandanten ernannt wurde, verstarb 1597 und wurde unter dem heute noch vorhandenen Altar der Nikolaikirche beigesetzt.

Als nächstes erwähnenswerte Ereignis ist der Dreißigjährige Krieg zu nennen. Eine Bewährungsprobe für die Zitadelle. Im Jahre 1631 besetzten schwedische Truppen Spandau und die Zitadelle. In diese Zeit fällt auch der Ausbau der um Spandau herum errichteten Schanzen. Durch die enstehenden Waffen- und Pulverfabriken entwickelte sich Spandau immer mehr zur Militärstadt, so daß ein Schutzgürtel außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern geschaffen werden mußte.
Ab dem Jahre 1611 zog aber ein Feind durch das Land der weder vor den dicksten Festungsmauern noch vor den höchsten Stadtmauern halt machte, und weder mit Säbeln noch mit Kanonen aufzuhalten war. Es war die "Schwarze Pest". In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges raffte sie allein in Spandau mehr als 1400 Menschen dahin.
Als Folge darauf wurde den spandauer Bürgern der Zutritt nach Berlin verwehrt.

Obgleich man immer wieder Fehlschläge wie die Explosion des Pulverturmes in Kauf nehmen mußte, fanden doch Feste und Empfänge auf der Festung statt. Männer wie Zar Peter der Große, Friedrich der Große und viele andere waren hier zu Gast.

Im Siebenjährigen Krieg diente die Zitadelle als Zufluchtsort für Hof und Regierung. Auch die Staatskasse, das königliche Silber und geheime Staatsakten wurden hier untergebracht.
Als 1806 Napoleons Truppen anrückten, wurde die Zitadelle ohne daß auch nur ein einziger Schuß abgefeuert wurde, den Franzosen übergeben.
Portrait: General v. Thümen

General v. Thümen

Im April 1813 begannen preußische Truppen mit der Beschießung der Zitadelle unter dem Kommando von General August von Thümen. Eine Gedenktafel am Tor erinnert daran. Dabei geriet fast die gesamte Festungsanlage in Brand. Gedenktafel zur Befreiung d. ZitadelleIn der Bastion Königin explodierte das Pulvermagazin und zerstörte die gesamte Bastion und das nahegelegene Zeughaus. Durch die Gewalt der Explosion flogen einige Teile sogar bis zur Nikolaikirche. Nach einem tagelangen Kampf, bei dem auch der Behnitz, die Breite Straße und die Havelstraße in Flammen aufgingen, traten die Franzosen ihren Rückzug an. Nun war die Zitadelle wieder in preußischer Hand.
Dieses Ereignis lockte schaulustige Berliner in Scharen an. Geschäftstüchtige spandauer Bürger verlangten jedoch Eintrittsgeld für die Besichtigung der zerstörten Zitadelle, welches dann für die Instandsetzung genutzt werden konnte.
Allmählich begann man mit dem Wiederaufbau der zerstörten Bastionen und Gebäude.
Im Juli 1874 wurde der Reichskriegsschatz in Höhe von 120 Millionen Mark im Juliusturm eingelagert.

Ab 1935 begann der letzte Teil der militärischen Epoche. Durch den Bau eines Heeresgasschutzlabors auf dem Zitadellengelände wurde die gesamte Festung zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Als am 27. April 1945 die sowjetischen Truppen Spandau besetzten, leistete eine Volkssturmabteilung noch letzten Widerstand. Nach mehrtägiger Belagerung der Zitadelle kapitulierte die Besatzung.
Nach Kriegsende hatte die Britische Schutzmacht die Hoheitsrechte über die Zitadelle.
Die Zerstörung der Festung, - die sgn. Schleifung - die schon 1903 beschlossen wurde, konnte wegen einer somit entstehenden Gefährdung der Schleuse und der angrenzenden Wohngebiete nicht durchgeführt werden.
Im Oktober 1948 wurde die Zitadelle wieder deutschen Behörden übergeben und wird seitdem nur noch für kulturelle Zwecke genutzt.


 
 

Rundgang durch die Zitadelle

Das Wappen am Tor    Die Bastionen    Der Grundriß der Zitadelle

Geschichte der Zitadelle    Der Juliusturm

Das Gefängnis    Zeittafel   Termine, Öffnungszeiten, Verkehrsverbindungen

Spandaus Befestigungswall    Fort Hahneberg 

Bilder aus der Altstadt Spandau
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