
Die Geschichte der ZitadelleSchon in der Bronzezeit (1000 v. Christus) kam es im Gebiet des heutigen Spandau zu den ersten Besiedlungen. Die ehemals ansässigen Germanen waren abgewandert, so daß Slawen diesen Raum besiedelten. Durch archäologische Funde wurde der Beweis erbracht, daß im 9. Jahrhundert zwischen der Altstadt und der Zitadelle eine Siedlung bestanden hat.
Die ersten slawischen Bauern bauten ihre Häuser auf den Havelinseln.
Bedingt durch den damals noch anderen Flußverlauf der Spree (deltaförmige
Mündung in die Havel) und auch der Havel selbst (sie verlief südlich
des Palas und auch entlang der heutigen Havelstraße), boten die so vorhandenen Inseln einen Schutz
vor Überfällen. Aus dieser Siedlung, Behns genannt (Teil des
heutigen Behnitz) entstand die erste noch aus Holzstämmen gebaute
Burganlage.
Ihre wirtschaftliche Blütezeit erreichte
sie im 11. und 12. Jahrhundert.
Nach 1157 geriet Spandau durch Erbschaft
unter die Herrschaft von Graf Albrecht von Ballenstedt, (Albrecht der Bär)
vom Geschlecht der Askanier.
Angeregt durch den Entwurf des italienischen
Baumeisters Chiaramella de Gandino entschied sich Kurfürst Joachim
II. für den Bau einer Festungsanlage. Der Plan, die Festung in Zossen
zu errichten wurde jedoch verworfen und man entschied sich wegen der Nähe
zu Berlin für Spandau. Der Juliusturm und der schon existierende Palas
sollten in die Festung integriert werden. Für den Bau der 1557 bis
1560 unter Joachim II. begann und durch seinem Sohn Johann-Georg zur
Vollendung kam, wurden 200 Fachkräfte aus Italien herangezogen.
Ein Problem beim Bau war der schlammige Untergrund. Wie Lynar es ausdrückte: "schwartz Muder, und nach funff schuhen tieffe keinen festen grundt". Er empfahl das "gantze Fundament solcher Pasteyen uff pfähl" zu setzen. Um nun die Zitadelle auf einen festen Untergrund zu stellen, wurden also 4 x 4 m große Senkkästen in den Boden getrieben, in die man dann ca. 250 Eichenpfähle je Kasten rammte. Lynar setzte noch zahlreiche bauliche Änderungen durch. Er ließ z.B. die unteren Verteidigungsgalerien durch Quermauern verstärken, um der Zerstörung der Kurtinen durch Artilleriebeschuß entgegen zu wirken. Die offenen Höfe der Bastion Brandenburg sind wahrscheinlich auch auf Lynar zurück zu führen. Lynar, der inzwischen zum Festungskommandanten ernannt wurde, verstarb 1597 und wurde unter dem heute noch vorhandenen Altar der Nikolaikirche beigesetzt. Als nächstes erwähnenswerte Ereignis
ist der Dreißigjährige Krieg zu nennen. Eine Bewährungsprobe
für die Zitadelle. Im Jahre 1631 besetzten schwedische Truppen Spandau
und die Zitadelle. In diese Zeit fällt auch der Ausbau der um Spandau
herum errichteten Schanzen. Durch die enstehenden Waffen- und Pulverfabriken
entwickelte sich Spandau immer mehr zur Militärstadt, so daß ein
Schutzgürtel außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern geschaffen
werden mußte. Im Siebenjährigen Krieg diente die Zitadelle als Zufluchtsort für Hof und Regierung. Auch die Staatskasse, das königliche Silber und geheime Staatsakten wurden hier untergebracht. Als 1806 Napoleons Truppen anrückten, wurde die Zitadelle ohne daß auch nur ein einziger Schuß abgefeuert wurde, den Franzosen übergeben.
In
der Bastion Königin explodierte das Pulvermagazin und zerstörte
die gesamte Bastion und das nahegelegene Zeughaus. Durch die Gewalt der
Explosion flogen einige Teile sogar bis zur Nikolaikirche. Nach einem tagelangen
Kampf, bei dem auch der Behnitz, die Breite Straße und die Havelstraße
in Flammen aufgingen, traten die Franzosen ihren Rückzug an. Nun war
die Zitadelle wieder in preußischer Hand.
Dieses Ereignis lockte schaulustige Berliner in Scharen an. Geschäftstüchtige spandauer Bürger verlangten jedoch Eintrittsgeld für die Besichtigung der zerstörten Zitadelle, welches dann für die Instandsetzung genutzt werden konnte. Allmählich begann man mit dem Wiederaufbau der zerstörten Bastionen und Gebäude. Im Juli 1874 wurde der Reichskriegsschatz in Höhe von 120 Millionen Mark im Juliusturm eingelagert. Ab 1935 begann der letzte Teil der militärischen
Epoche. Durch den Bau eines Heeresgasschutzlabors auf dem Zitadellengelände
wurde die gesamte Festung zum militärischen Sperrgebiet erklärt.
Als am 27. April 1945 die sowjetischen Truppen Spandau besetzten, leistete
eine Volkssturmabteilung noch letzten Widerstand. Nach mehrtägiger
Belagerung der Zitadelle kapitulierte die Besatzung.
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