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Seit einiger Zeit beschäftigen sich immer mehr Fliegenfischer damit, gedrillte Vorfächer selbst herzustellen. Ich möchte hier nun versuchen, eine "idiotensichere Anleitung" für die Herstellung dieser besonderen Vorfächer zu geben. Henri Hosinger, Wolfgang Fabisch, Hartmut Glowa und andere bieten solche Vorfächer im Handel an, so daß auch des Verdrillens Unkundige in den Genuß dieser Vorfächer kommen können. Bei der Zahl der am Markt für "alle" Situationen angebotenen Vorfächer fragt man sich: Wozu der Aufwand ? Aus meiner Sicht ist es die Möglichkeit, sich für ganz spezielle Anforderungen angepaßte Vorfächer herzustellen. Obendrein kann durch den entsprechenden Aufbau, das Vorfach genau auf die Schnurklasse der Fliegenschnur abgestimmt und mit ganz speziellen Eigenschaften ausgestattet werden. Und nicht zum Schluß macht es Spaß; bisweilen sogar süchtig. Das Herstellungsverfahren von verdrillten Vorfächern geht auf eine sehr alte Methode zurück. Schon "anno Tobak" hat man aus Roßhaar Schnüre für die Angelei hergestellt, deren Herstellungsmethode der heutigen nicht unähnlich ist. Jeder Seiler stellt auch nach diesem Prinzip Taue her. Die von mir beschriebene Methode basiert im wesentlichen auf die im Buch Micropatterns von Darrel Martin beschrieben Art und Weise. Auf unsere Anwendungszwecke übertragen, kann man herrlich kringelfreie, weiche, sich perfekt streckende Vorfächer herstellen, die schwimmen oder sinken, integrierte Sichthilfen haben und vor allem knotenlose Verjüngungen aufweisen. Über allem steht jedoch der Vorteil der besonderen Weichheit dieser Vorfächer, gepaart mit der Fähigkeit, doch die Energie bis zur Fliege zu übertragen. Die Weichheit unterstützt die natürliche Drift unserer Fliegen, d.h. die Fliege dreggt nicht so leicht, da sich das Vorfach an die Strömung "anschmiegt". Was braucht man dazu ? Universellster Rohstoff ist Monofilschnur. Wenn man die Vielzahl der am Markt verfügbaren Angelschnursorten mit ihren speziellen Eigenschaften sieht, ergeben sich dadurch ungeahnte Möglichkeiten. Steifheit, Farbe, spezifisches Gewicht uvm. sind Eigenschaften die man in das Vorfach einbauen kann. Darüberhinaus kann man auch Bindegarn, Kevlar oder die modernen geflochtenen Schnüre verwenden und diese sogar miteinander kombinieren. Kupferdraht als Beschwerung oder andere Zusatzstoffe erweitern die Möglichkeiten ins Unermeßliche. Zum Verdrillen der Stränge genügt mindestens ein mit einem Haken versehenes Bleigewicht. Dubbingtwister (einfache und kugelgelagerte) aus der Fliegenbinderei lassen sich leichter drehen. Professioneller geht es mit kleinen Elektromotoren oder mit getriebeübersetzten Gerätschaften (Bild 1), die man leicht selbst herstellen oder umfunktionieren kann. Ich bin übrigens in der Legokiste meines Sohnes fündig geworden. Handbetriebene Gerätschaften besitzen den Vorteil, daß man die Zahl der Umdrehungen genauer nachvollziehen kann. Ein Vorteil, wenn man einen bestimmten Vorfachtyp replizieren will. Wichtig bei Eigenkonstruktionen ist, beide Haken müssen sich in die selbe Richtung drehen und der Drillapparat muß auf einem beweglichen Podest montiert sein. Man kann zwar auch nur von einer Seite verdrillen, aber das Ergebnis ist m.E. nicht zufriedenstellend. Das eine Ende, von dem aus verdrillt wird, verdrillt stärker als das andere, wodurch eine ungleichmäßige Verdrillung entsteht. Zentrales Werkzeug ist ein Brett, ca. zwei Meter lang, was für die meisten Fälle genügt. Dieses Brett ist mit Löchern augestattet, in die man Zapfen hineinstecken kann (Bild 2). Damit lassen sich fast beliebige Vorfachlängen herstellen. Statt eines Brettes können sie auch kleine Brettchen mit je einem draufmontierten Zapfen verwenden. Diese müssen jedoch ein gewisses Eigengewicht besitzen, damit sie beim Schlaufenlegen nicht verrutschen. Die einzelnen "Aufhängungen" besitzen eine noch größere Variabilität und nehmen auch nicht so viel Platz weg. Als letztes sehen Sie in Bild 3 die Dubbingtwister und den sogenannten Spleißbolzen mit zwei seitlich eingefräßten Nuten. Die Verwendung des Spleißbolzen wird weiter unten im Text erklärt. Zur Praxis Teil 1 Beginnen wir mit einer einfachen Einstiegsdroge. Sie nehmen 30er Monofil und knoten an einem Ende eine einfache Schlaufe an und hängen diese in einen Haken des Drillapparates ein. Dann wird das Monofil um den untersten im Brett befindlichen Zapfen herum geführt und wiederum mit Hilfe einer geknoteten Schlaufe am anderen Haken des Drillapparates eingehängt. Danach wird das Monofil mit der Drillapparatur verdrillt. Dabei verkürzt sich das Monofil und zwar um so stärker, je mehr Umdrehungen sie machen. Nun wird klar, warum der Drillapparat einen sepraten Standfuß braucht, denn die Verkürzung muß ausgeglichen werden, sonst reißt das Monofil. Je nach länge des Monofils sollten drei bis fünfhundert Umdrehungen für den Anfang genügen. Nun kommt der Moment in dem sie am Ende des untersten Zapfens den kugelgelagerten Dubbingtwister einhängen und das Monofil vom Zapfen herunterheben. Ich bevorzuge hierfür einen kugelagelagerten Twister, da ich dabei in der Horizontalen arbeiten kann. Wenn Sie nur ein Gewicht einhängen, müssen Sie den Drillapparat so hochhalten, daß das Vorfach frei hängen kann. Ein Arbeitsschritt bei dem die Hilfe einer zweiten Person erforderlich ist. Oder aber, Sie verlagern den ganzen Prozeß von Anfang an in die Vertikale, in dem Sie den Drillapparat und das Brett an die Wand montieren. Statt des untersten Zapfens muß hier jedoch eine bewegliche Fixierung eingesetzt werden, da sich nun nicht mehr der Drillapparat die Verkürzung während des Verdrillens ausgleichen kann. Halten sie den Dubbingtwister noch fest, so daß er sich nicht dreht. Jetzt kommt der Spleißbolzen mit den zwei Nuten ins Spiel. Legen sie diesen zwischen die beiden Stränge, so daß diese jeweils in einer Nut liegen. Danach lassen sie dem Dubbingtwister freien Lauf, worauf sich die verdrillten Stränge zu einem Strang wieder zurückverdrillen. Dabei wird der Spleißbolzen langsam in Richtung Drillapparat geführt, was für eine gleichmäßige Verdrillung beidener Stränge sorgt. Während des ganzen Vorganges muß das Monofil stets unter Spannung gehalten werden. Wenn nicht, bilden sich sofort ungewollte Seitenarme (der Praktiker erkennt sofort den Nutzen für die klassisch englischen Mehrfliegenmontagen) und schlimmstenfalls wird das Vorfach unbrauchbar. Also, unter steter Spannung werden die Monofilstränge miteinander verdrillt, bis die ursprüngliche Verdrillung sich vollkommen entspannt hat. Jetzt zeigt sich, ob die anfänglichen Umdrehungen ausgereicht haben. Ist die Verdrillung im letzten Teil zu gering, kann man nochmals ein paar Umdrehung zugeben. Dazu schieben sie einfach den Spleißbolzen wieder in Richtung Dubbingtwister bis sie ordentlich Widerstand spüren. Ein paar Kurbeldrehungen nachsetzen und den Spleißbolzen wieder in engegengesetzter Richtung führen. Wenn alles geklappt hat, können sie das Vorfach aus dem Drillapparat aushängen und mit einem Achterknoten die losen Enden sichern, damit die Verdrillung erhalten bleibt. So, dieses erste Vorfach weist zwar noch kein Taper auf, aber selbst dieses einfache Gebilde ist als Übungsvorfach allemal besser, als einfach an die Fliegenschnur angeknotetes Monofil. Wichtig bei dieser ersten Stufe war mir, zu zeigen , worauf es beim Verdrillen ankommt. Praxis Teil 2 Im zweiten Teil kommen wir zum Aufbau eines klassischen Tapers. Als Ausgangsmaterial ist 14er oder 15er Monofil für den Anfang ideal. In das Brett werden jetzt zusätzliche Zapfen zwischen Drillapparat und letztem Zapfen gesteckt (siehe Bild 4). Um ein Taper zu erhalten, werden um die zwischengeschalteten Zapfen Schlaufen gelegt und zwar in der im Bild schematisch dargestellten Art und Weise. Die Zwischenzapfen Teilen das Vorfach sozusagen in ein Kraftübertragungs-, Mittel- und Spitzenteil, wobei sich die Zahl der Einzelstränge von 10 über 8 auf 6 Einzelfäden verjüngt. Die Länge der einzelnen Sektionen richtet sich nach dem Verwendungszweck. Langer Kraftübertragungsteil und kurze Spitze sorgen für guten Transport bei schweren Fliegen und unterstützen die Zielgenauigkeit. Ein langes Spitzenteil sorgt für eine samtweiche Präsentation der Fliege. Mit etwas Praxis werden sie selbst die richtige Längenverteilung auf die einzelnen Sektionen einschätzen können. Der Trick beim Schlaufenlegen ist der, daß die Schlaufen an den Zapfen so ineinander gelegt werden, daß diese sich gegenseitig fangen. Achten sie dazu bitte genau auf die Linienführung in der Zeichnung. Lassen sie sich beim Schlaufenlegen ruhig Zeit. Das ist nämlich der schwierigste Teil im ganzen Hestellungsprozeß. Wenn die Schlaufen gelegt sind, werden die beiden zwischengeschalteten Zapfen herausgezogen, da diese sonst ein Verdrillen nicht zulassen. Wir haben nun zwei Stränge, die, wie zuvor im Teil 1 beschrieben, verdrillt werden können. Im Gegensatz zum dem einfachsten Vorfachtyp müssen jedoch zwei Dinge beachtet werden: Erstens sollte die Zahl der Schlaufen in beiden Hälften gleich sein, denn ein stärkerer Strang dominiert einen schwächeren. Dadurch kann es zu ungleichmäßigem Verdrillen kommen, was das Vorfach ebenfalls unbrauchbar macht. Zweitens verdrillt der dünnere Spitzenteil wesentlich stärker als der Mittel- bzw. Kraftübertragungsteil. Dies kann man durch stufenweises Verdrillen/Zurückverdrillen der einzelnen Vorfachsektionen kompensieren. Zum Schluß sollte man das Vorfach mehrmals duch die Finger ziehen um eventuell herausschauende Einzelfäden auszugleichen. Danach sollte man das Vorfach noch übernacht mit einem Gewicht gespannt aushängen lassen und fertig ist das erste selbsgedrillte Vorfach. Diese Methode produziert ein dreistufig verjüngtes Vorfach mit hervorragenden Abrolleigenschaften und einer Weichheit die ihresgleichen sucht. Der Aufbau ist asymmetrisch und kann durch zwischenschalten weiter Zapfen in noch mehr Verjüngungsstufen designed werden. Dazu muß natürlich die Schlaufenzahl der einzelnen Sektionen erhöht werden. Noch zu erwähnen wäre hierbei der erhebliche Materialverbrauch an Monofil. Durch die Schlaufen - je nachdem, wieviele Schlaufen man legt, also wie dick die einzelnen Sektionen werden - werden u.U. bis zu 30 - 40 Meter Schnur benötigt. Die Wahl des Durchmessers des Monofils und die Anzahl der Schlaufen - besonders im Kraftübertragungsteil - geben uns die eingangs erwähnte Möglichkeit, das Vorfach auf die Schnurklasse abzustimmen. Als Faustregel gilt, daß der Duchmesser der Spitze der Flugschnur mit der des Butt-Endes des Vorfaches übereinstimmt. Neben dem asymmetrischen Aufbau des Tapers kann auch ein Vorfach aus symmetrischen Strängen gedrillt werden. In Bild 5 sehen sie den schematischen Aufbau eines solchen Vorfaches mit zwei zusätzlichen Besonderheiten. Auch am untersten Zapfen müssen die Schlaufen sich ineinander fangen, da sonst lose Schlaufen herauskommen, die die Arbeit zunichte machen. Beim vorher beschriebenen Vorfach war das nicht erforderlich, da der unterste Zapfen nur zum Umlenken der Monofilfäden benutzt wurde. Jetzt wird der unterste Zapfen auch zum Legen von Schlaufen gebraucht, denn die beiden Stränge werden getrennt voneinander aus Schlaufen aufgebaut und sind am untersten Zapfen miteinander verknüpft. Aus der Zeichnung ist auch für diesen Fall die Linienführung zu erkennen, die es ihnen erleichtern sollte, auch dieses "Problem" zu lösen. Besprechen wir noch die Schmankerln des Verdrillens. Unter Verwendung von z.B. feinster Kupferlitze als Zusatz kann man ein sinkendes Vorfach herstellen. Legen Sie einfach eine oder mehrere große Schlaufen von den Haken des Drillapparates um den untersten Zapfen herum und verdrillen diese einfach mit dem Nylon zusammen. Berücksichtigen sie jedoch eine entsprechende Zugabe an Kupferlize, denn durch das Verdrillen wird mehr Material benötigt. Je dünner die Kupferlitze desto besser. In Kabeln von Computermäusen kann man entsprechende Stärken finden oder schauen sie einfach mal beim Elektronikshop vorbei. Wind- und schlangenringschlüpfrige Bißanzeiger sind auch immer wieder ein Problem. Mit der Drillmethode kann es jedoch sehr einfach gelöst werden. Nehmen sie gelb fluoreszierendes Monofil und legen für jeden der Stränge zusätzlich vom Drillhaken zum ersten Zapfen je eine Schlaufe aus diesem gut sichtbaren Material. Nach dem Verdrillen sehen sie sofort, daß dieses gelbe Monofil eine hervorragende Sichthilfe für das Nymphenfischen ergibt. Natürlich können auch andere Materialien verwendet werden, die einem Faden ähneln. Wolle, Antron, was auch immer. Einige der am Markt angebotenen "Standardvorfächer" weisen ein kleines Ringerl (auch bekannt als Pitzenbauer-Ringerl) auf, welches das Anknoten von Spitzenmaterial wesentlich erleichtert. Dafür müssen sie einfach vor dem Verdrillen der Stränge über eine Seite den Ring überstreifen und am untersten Zapfen postionieren. Nach dem Zurückverdrillen haben sie dann am Spitzenteil des Vorfaches den kleinen Ring und den Vorteil, verlustfrei das Spitzenmaterial anknoten zu können. Zu guter Letzt bleibt noch der Punkt, wie man eine Schlaufe in den Kraftübertragungsteil des Vorfaches bekommt, um eine moderne Schlaufenverbindung zur Fliegenschnur zu bekommen. Am einfachsten ist das Knoten einer Schlaufe mit einem Achterknoten. Diese Schlaufe kann dann in eine an der Fliegenschnur angebrachte Loop eingeschlauft werden. Ich bevorzuge jedoch eine andere Methode. Ich fertige mir aus geflochtenem Backing-Material selbst Schlaufen. Gudebrod z.B. bietet solches aus Monofil geflochtene Backing an. Sie können jedoch auch fertige Loops verwenden. Mit Hilfe einer Ködernadel oder Spleißschlaufe wird das gedrillte Vorfach in das gefochtene Material eingezogen und mit Sekundenkleber oder Aquaseal gesichert. Zusätzlich kann noch ein kleiner Silikonschlauch am Übergang des Geflechtmaterials zum gedrillten Vorfach angebracht werden, damit die Schlaufe nicht ausfranst. Ich hoffe, ich habe mit meiner Beschreibung etwas Licht ins Dunkel gebracht und wünsche viel Spaß bei der Herstellung Ihrer eigenen Vorfächer; die Mühe lohnt sich. Experimentieren Sie ruhig mit unterschiedlichen Monofilarten und Schnurstärken oder den Längenverteilungen der einzelnen Sektionen und dann wäre da noch ...; na, Sie werden schon sehen. |
Drillapparat Ansicht von oben
Drillapparat Ansicht von Vorn
Das Drillbrett
weitere Bilder folgen in Kürze
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Sven Ostermann fragen. Besten Dank.
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