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[4] Nachwort(e)

[4.1] Warnung vor HTML-"Büchern" und Fußnotenmißbrauch

[4.1.1] Man kann mit HTML Dokumente erstellen, die wie Bücher strukturiert sind: Titel, Inhaltsverzeichnis und dann folgt per Hyperlink verknüpft Kapitel um Kapitel. Mit den hier besprochenen Fußnoten, Literaturverzeichnissen und Zitaten ist dann der Unterschied zum gedruckten Buch kaum noch wahrnehmbar. Das vorliegende Paper soll kein Plädoyer für diese Art der Strukturierung sein, auch wenn es dies ermöglicht und selbst so strukturiert ist. (Abgesehen von der Frage, ob so etwas überhaupt Hypertext genannt werden kann, halte ich diese Struktur für die Minimalstruktur eines Dokuments.) Jede Veröffentlichung im Web sollte bei der Planung schon daraufhin überprüft werden, ob eine Strukturierung jenseits des Vorbilds Buch als Hypertext sinnvoll ist und ob sich eine alternative Struktur mit vertretbarem Aufwand realisieren läßt. Zur weiteren Information zum Thema Hypertext sei auf den Überblick von Stefan Münz verwiesen1. Alles hier vorgestellte ist an sich nicht an die Metapher Buch gebunden.

[4.1.2] Es wurde ausführlich beschrieben, wie die üblichen Fußnoten und Zitate in HTML realisiert werden können. Dies soll allerdings nicht dazu verleiten, diese Elemente unkritisch zu benutzen. Wenn mittels Fußnoten und Zitaten strittige Thesen diskutiert oder einzelne Punkte kritisiert werden, dann macht dies bei gedruckten Veröffentlichungen Sinn, schließlich ist eine überarbeitete Neuauflage in der Regel nicht finanzierbar - Korrekturen und Stellungnahmen finden sich daher in den Fußnoten anderer Veröffentlichungen. Im Internet ist dies aber blanker Unsinn. Im frühen Stadium der Diskussion wären Newsgroups oder eine Kontaktaufnahme per E-Mail der geeignete Ort für diesen Aspekt wissenschaftlicher Kommunikation. Später sollte versucht werden, das Ergebnis an geeigneter Stelle festzuhalten (auch wenn es bei gegensätzlichen Positionen bleibt). Man wird dann zwar auf das Vergnügen am bissigen Unterton so mancher Fußnote verzichten müssen, aber dafür wird Information konzentrierter und ausgewogener bereitgestellt. - Und bekanntlich gibt es im Netz immernoch genug Raum für kontroverse Diskussionen.

[4.2] Vorüberlegungen zum wissenschaftlichen Publizieren mit HTML

Im Web kann jeder Verleger sein. Man kann seine Informationen ohne großen finanziellen Aufwand weltweit zur Verfügung stellen. Der Arbeitsaufwand ist aber im Web keineswegs kleiner als beim Buchdruck. Darüber sollte man sich nicht hinwegtäuschen. Außerdem bleibt beim Verzicht auf den Buchverlag das "Marketing" Aufgabe des Autors. Aus diesen Gründen sollten vor der Realisierung folgende Fragen bedacht und bejaht werden:2

Wächst oder ändert sich die Information?
Neue Kanäle zur Verbreitung der Information erfordern mehr Aufwand als das Verbleiben bei eingespielten Verfahren. Wenn Sie nicht sowieso vom Web-Fieber erfaßt sind, sollten Sie nur dann das Neue in Angriff nehmen, wenn es Vorteile bringt. Die Vorteile des Web können genutzt werden, wenn Sie damit rechnen, daß die gebotene Information durch eigene Forschungen und/oder durch Reaktionen der Leser schnell erweitert und verbessert wird. Dazu müssen Sie in der Lage und willens sein, die Information weiter zu pflegen und - im Netz sehr wichtig - mit den Lesern Kontakt zu halten. (Wenn Sie keine Kritik vertragen, empfiehlt sich der klassische Buchdruck.)
Ist das nötige HTML-Know-How verfügbar?
Ausreichend Information über HTML gibt es im Web selbst umsonst (s.u. 5.2), aber mit dem Abruf dieser Dokumente sind sie weder gelesen noch verstanden. Dies braucht seine Zeit, auch wenn HTML - das hat wohl zum Erfolg des Web beigetragen - relativ einfach ist. Es muß jemanden geben, der sich die Zeit dafür nehmen kann.
Auch das Know-How zum Thema Style?
HTML ist nur die eine Seite der Medaille, die andere Seite wird mit dem engl. Wort style bezeichnet. Dabei geht es nicht nur um den Sprachstil, sondern um die Gestaltung von Information mit HTML. Technisch korrektes HTML kann durchaus so schlecht sein, daß es den Wert der Information zerstört. Neben der Kenntnis von HTML als Auszeichnungssprache ist die Auseinandersetzung mit der Gestaltung der Seiten,3 das Abwägen und das Entscheiden von weitreichender Bedeutung.
Können Sie ihre Seiten ihrem Publikum bekannt machen?
Was nicht gelesen wird, braucht auch nicht geschrieben werden. Da Web-Seiten z.Zt. nicht in Bibliographien oder Bibliothekskatalogen auftauchen, müssen Sie dafür sorgen, daß ihre Information dem Publikum bekannt wird. Neben dem klassischen Eintrag bei den Suchmaschinen im Web sollte die Verbreitung durch Eintrag bei den entsprechenden Metapages einer Wissenschaft, durch E-Mail an Kollegen und durch Hinweise auf Tagungen und Kongressen oder in gedruckten Beiträgen gewährleistet sein. Ist hierfür keine Zeit, lohnt sich das Ganze nicht.

[4.3] Vorschlag zur Programmierung

[4.3.1] Die in diesem Paper vorgeschlagenen Codierungsschemata verursachen von Hand eingegeben einen erheblichen Arbeitsaufwand. Der Wunsch, ein Programm oder Makro zur Verfügung zu haben, das hier die Arbeit erleichtert, stellt sich naturgemäß schnell ein; allerdings gibt es für jedes Problem viele Lösungen:

Wenn jemand etwas beitragen will, so wird dies hier in Zukunft gerne genannt. Ich selbst benutzte zunächst nur ein DOS-Programm, mit dem das Vorhandensein der Name-Attribute bei der Dezimalklassifikation geprüft wird. Weitere Implementierungen werden wohl erst Ende des Jahres folgen. Ich wüde mich freuen, wenn man sich zu einem gemeinsamen Projekt zusammenfände. Damit möglichst viele mit wenig Aufwand in den Genuß einer Arbeitserleichterung kommen, möchte ich folgenden Vorschlag machen:

[4.3.2] Es sollte ein Hilfsprogramm für eine Fußnotenverwaltung entwickelt werden, das folgenden Anforderungen gerecht wird:

Die Beachtung dieser Anforderungen ermöglicht:


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Fußnoten

1. Vgl. S. Münz: Hypertext.

2. Vgl. auch die Ausführungen bei S. Münz: HTML-Dateien selbst erstellen, * "Projektverwaltung", sowie bei H. Partl: HTML Einführung, * " ... umfangreiche Information ... veröffentlichen".

3. Eine gründliche Diskussion des Themas Style-Guide findet sich in R. Apitz u.a.: Wissenschaftliches Arbeiten im WWW, S. 178-223. Vgl. auch J. Degener: What is good Hypertext Writung?.


Aus: Grönemann, Olaf: Wissenschaftliches Publizieren mit HTML. Fußnoten, Literaturverzeichnis, Zitate. (Version 1.0) (1997-10-06). Online im Internet: URL: "http://ourworld.compuserve.com/homepages/Olaf_Groenemann/wphtml.htm"

© 1997 Olaf Grönemann,
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