[3.1.1] In wissenschaftlichen Veröffentlichungen hat sich die Angabe der Seitenzahl bei Verweisen und Zitaten durchgesetzt. Bei Zitaten ist diese Angabe sogar nach dem Urheberrecht1 notwendig. Obwohl die technische Möglichkeit besteht, hat sich bei Online-Dokumenten im Web noch kein Standard etabliert, der eine ähnlich genaue Angabe der Fundstelle erlaubt. Zwar liest man immer wieder, durch das Web sei Information auf Mausklick verfügbar, doch ist dies erst erreicht, wenn Hyperlinks mindestens so genau zu einer Textstelle verweisen, wie es die sonst übliche Seitenzahl erlaubt. Ohne ein praktikables System solcher Verweise wird es nur wenige wissenschaftliche Veröffentlichungen im Web geben - man will schließlich ordentlich zitiert werden können.
[3.1.2] Erstaunlicherweise kommt man aber von der Idee der Seitenzahlen nicht los,2 obwohl Seiten nur beim Buchdruck Sinn machen. Elektronische Publikationen wie auch mittelalterliche Handschriften entziehen sich dieser Logik. Andererseits gibt es seit jeher Bücher, die nicht mit Seitenzahlen zitiert werden: Die Bibel ist wohl das bekannteste Beispiel. Ist einmal das Konzept "Seite" aus dem Kopf, ist die Lösung ganz einfach:
[3.1.3] Zur Ersetzung der Seitenzahlen in Zitaten und Verweisen kann die seit langem in der Wissenschaft verbreitete Dezimalklassifikation angewandt werden. Alle Teile eines Dokuments, die derselben Hierarchiestufe angehören, werden in jeder Ebene fortlaufend numeriert: Also z.B. erster Teil, erstes Kapitel, erster Absatz: "1.1.1", zweiter Absatz "1.1.2", zweiter Teil, zehntes Kapitel, vierter Absatz "2.10.4". Als einzige Änderung zum üblichen Verfahren schlage ich vor, daß auch Textabschnitte, die keine eigene Überschrift haben, mit in die Klassifikation einbezogen werden. Damit entstehen Einheiten, die auf keinen Fall den Umfang einer Druckseite überschreiten, und das Auffinden von Zitaten bleibt auf die Suche in kleinen Textabschnitten beschränkt. Statt "Autor X, Y-Werk, Seite 5" heißt es dann z.B. "Autor X, Y-Werk, 2.9.12".
(Der Verweis auf ein ganzes Dokument wurde bereits besprochen, s.o. 2.4. Hier geht es um die Referenzierung einzelner Teile. Die Hyperlinks in diesem Abschnitt führen zu den jeweiligen Erläuterungen in Abschnitt 3.3.)
...
(Explizite Erläuterung des Verfahrens - z.B. im
Vorwort.)
...
<A NAME="U.V.W."><Hx>[U.V.W.]
Überschrift x. Ordnung</Hx>
</A>
Text Text Text Text Text ...
<P>"Vor Überschriften oder einzelnen Absätzen finden Sie im Text eingestreut eine Dezimalklassifikation in der Form "[X.Y.Z]". Diese Dezimalklassifikation sollte anstelle der bei Druckwerken üblichen Angabe der Seitenzahl bei Zitaten und Verweisen auf einzelne Teile dieses Dokuments benutzt werden. Der Inhalt der eckigen Klammern kann auch in Verbindung mit dem Dateinamen als Ziel von Hyperlinks benutzt werden. Z.B: können sie durch "<A HREF="DateiX.HTML#1.1.2"> ... </A>" einen Hyperlink direkt zu Abschnitt 1.1.2 dieses Dokuments definieren."Vgl. auch oben (0.3.3) die Erläuterung des Verfahrens für das vorliegende Dokument.
1. Vgl. G. Schulze: Meine Rechte als Urheber, S. 89-91.
2. So z.B. Bleuel:
"Wie kann ein bestimmter Teil einer Online Publikation zitiert werden? (...) Es sollten Mindeststandards für elektronische Dokumente entwickelt werden, die beispielsweise die Angabe von Seitennummern im Text ermöglichen. (Als Fußnote 14: Diese muß nicht der gedruckten Seite entsprechen, aber dient als Orientierung (...)) Als ein Ausweg besteht bisher die Möglichkeit, Kapitel oder Absätze anzugeben; bei großen Passagen ist dies aber auf lange Sicht unbefriedigend. Es besteht die Möglichkeit, einen bestimmten Artikel als Orientierung anzugeben, mit zunehmendem Umfang entsteht allerdings auch hier dasselbe Problem." (J. Bleuel, Online Publizieren im Internet, im Abschnitt 1.5.2 * "Zitation von bestimmten Teilen einer Online Publikation":, ip-zitl.htm#ZIEL15, Text identisch mit dem Text des Buches S. 66).
3. Fragment identifier unterliegen in ihrem Zeichensatz den Bedingungen des URL, denn sie werden mit dem URL über das Netzwerk übertragen. Da einige Zeichen für spezielle Zwecke benutzt werden, z.B. "/", "&", "+" und "?" verbleiben die Buchstaben a - z sowie A- Z (ohne Umlaute u.a. nationale Sonderzeichen), die Ziffern 0 - 9 sowie Punkt und Bindestrich. Leerzeichen sind nicht erlaubt. Die Dezimalklassifikation, die nur aus Ziffern und Punkten besteht, läßt sich somit uneingeschränkt verwenden.
4. Der Leser kann den HTML-Quelltext selbst analysieren oder er versucht, über die Browser-Anzeigen der Links im Inhaltsverzeichnis die Codierung des Sprungziels zu ermitteln. Etwas anderes bleibt einem nicht übrig, will man Hyperlinks zu Abschnitten in Dokumenten anlegen, die nicht - wie hier vorgeschlagen - die Möglichkeit der Referenzierung explizit darlegen.
© 1997 Olaf Grönemann,
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