Vorabveroeffentlichung zur INETBIB 99. Rechnen sie mit "broken links" und Links, die noch auf die Version 1.0 verweisen. Das Script zur Ausgabe des URL zu einer Stelle wird z.Zt. vom Microsoft IE nicht ausgefuehrt!

[1] Fußnoten und HTML

[1.0] Einführung

[1.0.1] Einerseits sind Fußnoten in HTML nicht vorgesehen (1), es gibt schließlich kein Fußnoten-Tag wie es etwa die Auszeichnung für eine Überschrift gibt; andererseits halte ich Fußnoten für unverzichtbar: Erstens sind in wissenschaftlichen Beiträgen ein Fülle von weiterführenden Informationen zu verzeichnen, wie z.B. Literaturhinweise, Quellenzitate, kurze Erläuterungen. Diese Informationen belasten die Lesbarkeit einer wissenschaftlichen Publikation erheblich, wenn sie - statt in Fußnoten aufgeführt - in den laufenden Text übernommen werden. Zweitens dürften es Publikationen im Web, die aufgrund fehlender Fußnoten nicht das gewohnte Layout bieten, schwerer haben, als ernsthafte Veröffentlichungen anerkannt zu werden.

[1.0.2] Es geht hier aber nicht allein darum, Wege aufzuzeigen, wie man HTML-Dokumente so gestalten kann, daß etwas für den Leser wie eine Fußnote aussieht, gleichzeitig muß den Autoren das Verfassen und Fortschreiben von HTML-Dokumenten mit Fußnoten so einfach wie möglich gemacht werden. Mit meinen Vorschlägen will ich daher der Arbeit mit HTML-Editoren sowie dem Einsatz von Skripten und Authoring-Programmen gerecht werden.(2) Darüberhinaus ist mit dem nachfolgenden Codierungsschema die Verwendung von Style-Sheets möglich.

[1.1] HTML-Codierung

[1.1.1] Codierungsschema HTML

(Die Hyperlinks in diesem Abschnitt führen zu den jeweiligen Erläuterungen in Abschnitt 1.1.2.)

Text Text Text ...
<A class="fn" name="fnXt" href="#fnXf">
<SUP>X</SUP> oder (X)
</A>
Text Text Text ...

<DIV id ="footnotes" class="footnotes">
<DIV class="fn-header" align=center>
<HR>
<Hx>Fußnoten</Hx>
</DIV>

<DIV class="fn" id="fnX">
<P>
<A class="fn" name="fnXf" href="#fnXt">
X.)
</A>

Fußnotentext Fußnotentext Fußnotentext ...
</P>
</DIV>

</DIV>

[1.1.2] Erläuterungen zum Codierungsschema HTML

(Die Hyperlinks der erläuterten Code-Bestandteile führen zum Anfang des Schemas zurück.)
[1.1.2.1] <A class="fn" ...

Mittels der Zuweisung jedes Anker-Elements (A-Element) zur Klasse der Fußnotenanker kann auf diese Elemente mit Style-Sheet-Angaben Einfluß genommen werden. Das class-Attribut kann auch - ebenso wie die Konventionen zur Benennung der Href- und Name-Attribute (vgl. 1.1.2.3 und 1.1.2.5) - zur automatischen Erkennung von Fußnoten benutzt werden. Eine Unterscheidung zwischen den Ankern im Text und denen am Beginn der Fußnoten ist nicht nötig, da innerhalb Style-Sheets durch das die Fußnoten umschließende Div-Tag (vgl. 1.1.2.8) eine Differenzierung möglich ist. Zum Klassennamen "fn" vgl. auch u. 1.1.2.3.

[1.1.2.2] name="

Die Fußnote ist nicht nur ein Hyperlink auf den Fußnotentext (s.u. 1.1.2.6 Erläuterungen zu href), sondern sie ist selbst Ziel eines Hyperlinks. Das Name-Attribut wird für den Link von der Fußnote zurück zur Textstelle benötigt. Für den Sprung zurück zum Text reicht die Zurück-Funktion der Browser nicht aus: Hat z.B. ein Leser Text in einer Fußnote mittels der Suchfunktion gefunden, so benötigt er für den Sprung zum Text einen Link: Die Zurück-Funktion führt ihn dann ja nicht zur Textstelle der Fußnote, sondern zu jener Stelle, die zuletzt Ziel eines aktivierten Hyperlinks war.

[1.1.2.3] fn

Damit der Autor diejenigen Hyperlinks (A) und Abschnitte (DIV), die zur Realisierung von Fußnoten verwendet werden, von anderen Verweisen und Abschnitten unterscheiden kann, schlage ich die Kennzeichnung mit "fn" vor. "fn" ist einerseits der Klassenname des class-Attributs (s.o. 1.1.2.1) andererseits wird diese Kennzeichnung innerhalb der href- und name-Attribute verwendet. (3) Als Abkürzung von "Fußnote" oder englisch "footnote" ist sie leicht zu behalten und wird auch in SGML zum selben Zweck verwendet. "fn" als eindeutige Kennzeichnung von Fußnoten-Links und Fußnoten-DIVs ermöglicht es, mithilfe der Suchfunktion von Editor-Programmen alle Fußnoten in einem Text zu finden und kann Grundlage für Skripte und Programme sein, die die Fußnotennumerierung automatisch verwalten.

[1.1.2.4] X

Das X steht für eine Ziffer und bezeichnet die laufende Nummer einer Fußnote.(4) Diese Angabe ist natürlich mit der Ziffer, die im Text erscheint (s. 1.1.2.7) identisch.

[1.1.2.5] t, f

Die Auszeichnungen "t" und "f" bestimmen die name-Attribute und href-Attribute in den Ankern (A-Element). Im name-Attribut kennzeichnet "fnt" den Anker als Anker im Text, "fnf" definiert dagegen den Anker als Anker am Beginn der Fußnote. In den href-Attributen kennzeichnen "t" bzw."f" die Stelle eindeutig als Ziel des Links von der Fußnote zum Text (t) bzw. als Link vom Text zur Fußnote (f). <A name="fnXt" ... > bedeutet daher "dies ist Stelle der Fußnote X im Text, <A name="fnXf" ... bedeutet "hier beginnt der Fußnotentext zu Fußnote X". Entsprechendes gilt für die href-Attribute im Anker: <A ... href="#Xf"> bedeutet "dies ist der Link zur Fußnote X" und <A ... href="#Xt"> "dies ist der Link zur Textstelle, zu der die Fußnote X gehört". Die Auszeichnungen (t bzw. f) werden bei den name- und href-Attributen der Numerierung (X) nachgestellt, damit beim Einsatz des Suchbefehls im Editor mit einer Suche nach "fnX" all diejenigen Stellen im HTML-Quelltext gefunden werden, die zur Fußnote X gehören.

[1.1.2.6] href="#

Das href-Attribut für den Link von der Textstelle zur Fußnote oder zurück. M.E. sollten Fußnoten immer in derselben Datei (erkennbar am #-Zeichen als erstes Zeichen im Attribut) gespeichert werden wie die zugehörige Textstelle. Die Speicherung des Fußnotentextes in derselben Datei garantiert die Verfügbarkeit der Fußnoten sowohl beim Offline-Lesen wie auch beim Lesen von ausgedruckten HTML-Dateien. Des weiteren ist die schnellstmögliche Darstellung durch einen Web-Browser gesichert, da kein neues Dokument geladen werden und kein neues Fenster erstellt werden muß.

[1.1.2.7] <SUP>X</SUP> oder (X)

Es folgt der Text, der dem Leser das Vorhandensein der Fußnote und des Links anzeigt. Ich plädiere dafür, daß auch in HTML-Dokumenten Ziffern verwendet werden. Anders als z.B. bei Verwendung des Asteriskus ermöglichen Ziffern das Lesen der Fußnoten auch bei ausgedruckten HTML-Dokumenten. Die Zahl entspricht den X-Teilen in den name- und href-Attributen. Da HTML und CSS praktisch keine automatische Zählung und keine automatische Generierung von Text kennt,(5) müssen all diese Zahlenangaben und begleitende Zeichen wie z.B. Klammern in den Quelltext eingegeben werden. Ein weiteres Problem ist die Darstellung von hochgestelltem Text in den beiden meistverbreiteten Browsern. Netscape Navigator wie auch der Internet Explorer reagieren leider auf das <SUP>-Tag mit einem grösseren Zeilenabstand als normal. (Opera, der kleine norwegische Bruder ist da besser). Der Autor muß sich somit entscheiden, ob er lieber den unschönen vergrösserten Durchschuß oder die unschöneren Klammern in Kauf nehmen will.(6)

Die Klammern werfen ein weiteres Problem auf: Die Kombination von Klammern mit der Unterstreichung des Link, wie es die Standardeinstellung der Browser ist, ergibt eine typographisch minderwertige Darstellung. Mittels CSS unterdrücke ich dieses Verhalten und weise Leser mit nicht CSS-fähigen Browseren darauf hin, daß sie ggf. durch entsprechende Einstellungen im Browser ebenso verfahren sollten. Die Herausnahme der Klammern aus dem A-Tag macht meines Erachtens das Dokument zu unübersichtlich, als daß dies als Lösung in Frage käme.

Außerdem gehört es zur Natur der Fußnote, daß sie recht unscheinbar ist. Sie soll ja das Lesen nicht stören und nur bei Bedarf zur Verfügung stehen. Daher sind auch ein paar Ziffern im Text besser als eine Auszeichnung ganzer Worte zur Markierung des Vorhandenseins einer Fußnote an einer bestimmten Stelle. Des weiteren werden farbig und/oder durch Unterstreichungen hervorgehobene Textabschnitte - die Standarddarstellung von Links durch Web-Browser - vom Leser intuitiv als wichtige Textstellen wahrgenommen. Fußnoten sind aber, wie auch Hyperlinks allgemein, nicht mit den inhaltlich wichtigen Stellen im Text identisch. Durch die gewählte Darstellung muß die Diskrepanz zwischen intuitiver Wahrnehmung und inhaltlicher Bedeutung minimiert werden.

[1.1.2.8] <DIV id ="footnotes" class="footnotes">, </DIV>

Durch die DIV-Auszeichnung mit der Angabe "footnotes" als id-Attribut im HTML-Quelltext wird der Teil des Dokuments definiert, der die Fußnoten beinhaltet. (Es wird das id-Attribut verwendet, da nur ein Fußnotenabschnitt pro Datei möglich ist.) Ebenfalls wird das class-Attribut mit demselben Wert belegt, da Netscape 4.05 bei der Verwendung von CSS die Style-Angaben in id-Attributen fälicherweise nicht interpretiert. Auf diese Weise ist der Zugriff auf den Fußnotenteil für Style-Sheet-Angaben, dynamisches HTML und externe Programme (z.B. Editoren, Indexierer etc.) möglich, da der entsprechende Abschnitt automatisch und eindeutig erkannt werden kann.

[1.1.2.9] <DIV class="fn-header" align=center> <HR> <Hx>Fußnoten</Hx> </DIV>

Im eigentlichen Sinne nicht Teil der Spezifikation für Fußnoten, sondern nur ein Gestaltungsvorschlag; das align-Attribut soll für eine akzeptable Darstellung bei der Verwendung von Browsern, die CSS nicht unterstützen, sorgen. Ansonsten kann dieser Abschnitt natürlich mittels Style-Sheets formatiert werden, wenn das class-Attribut "fn-header" als Selektor verwendet wird (s.u. 1.2.2.1). M.E. sollte der Leser gegen Ende einer Datei sofort erkennen können, daß hier die Fußnoten beginnen. Wie dies erreicht wird hängt natülich auch vom jeweiligen Layout des Dokuments ab.

[1.1.2.10] <DIV class="fn" id="fnX">, </DIV>

Wie die Fußnoten insgesamt sollte auch eine einzelne Fußnote lokalisiert werden können. Das id-Attribut leistet dies durch die an "fn" angehängte Zahl; das class-Attribut hingegen wird zum Zugriff auf alle einzelnen Fußnoten verwendet, da ja mehrere Fußnoten pro Datei die Regel sind. Damit können alle Fußnoten-DIV gemeinsam mit CSS formatiert werden. Das Vorhandensein eines solchen logischen Abschnitts (DIV) vereinfacht die automatische Verwaltung der Fußnoten, vor allem wenn man es mit langen Fußnoten zu tun hat, die mehrere Absätze o.a. Tabellen umfassen. Zum Klassennamen "fn" vgl. auch 1.1.2.3.

[1.1.2.11] <P> ... </P>

Fußnotentexte sollten in mindestens einem Absatz eingeschlossen sein. Das schafft die nötigen Abstände zur vorherigen und zur folgenden Fußnote. Eine Verwendung von <HR> zur optischen Trennung der Fußnoten halte ich für unschön und unnötig. Wer anderer Meinung ist mag entsprechend verfahren; solange der gesamte Inhalt der Fußnote innerhalb der <DIV> ist, wird die Integrität des Dokuments davon nicht berührt und es hat keine Auswirkungen auf eine automatische Bearbeitung.

[1.1.2.12] <A ...>X.)</A>

Der sichtbare Text der Fußnote beginnt mit einer Ziffer, die sie identifiziert denn so kann auch ein ausgedrucktes HTML-Dokument mit Fußnoten gelesen werden. Auf die Ziffer folgen Punkt und runde schließende Klammer, doch es sind natürlich auch andere Kominationen denkbar, wie etwa der Einschluß in runde Klammern ohne Punkt. (Weitere Informationen s.a. 1.1.2.7).

[1.2] CSS-Codierung

[1.2.1] Codierungsschema CSS

(Die Hyperlinks in diesem Abschnitt führen zu den jeweiligen Erläuterungen in Abschnitt 1.2.2.)

div.fn-header hr {
display:none;
}

div.fn {
margin-left:0.5cm; text-indent:-0.5cm;
}

[1.2.2] Erläuterungen zum Codierungsschema CSS

(Die Hyperlinks der erläuterten Code-Bestandteile führen zum Anfang des Schemas zurück.)
[1.2.2.1] div.fn-header hr {display:none;}

In meinen Dokumenten folgen die Fußnoten immer direkt auf eine Navigationsfläche (vgl. ???), die mittels CSS als umrahmter Block dargestellt wird. Aus diesem Grunde unterdrücke ich die Linie am Beginn der Fußnoten; werden CSS vom Browser nicht interpretiert, so erscheint die horizontale Linie. Hier ist auch der Ort für weitere Angaben, wenn der jeweilige Text vor Beginn der ersten Fußnote nicht durch globale Formatierungen wie gewünscht dargestellt wird.

[1.2.2.2] div.fn { margin-left: ...}

Mit diesen Angaben werden die eigentlichen Fußnoten formatiert. Damit der Leser Anfang und Ende einer Fußnote erkennen kann wird die erste Zeile einer Fußnote einen halben Zentimeter ausgerückt ("text-indent:-0.5cm; margin-left:0.5cm"). Andere Darstellungsweisen sind natürlich ebenso möglich wie etwa eine Einrückung. Weitere Formatanweisungen sind ebenfalls möglich, doch die Bestrafung des Lesers durch eine kleine Schriftgröße halte ich aber für eine schlechte Idee.


Fußnoten

1.) Die Einführung eines eigenen Tags für Fußnoten wurde bereits diskutiert und in den Entwurf für HTML 3.0 aufgenommen (s. D. Ragett: HTML Language Specification 3.0., dort * Abschnitt 6.19, Datei footnotes.html); HTML 3.0 ist aber Entwurf geblieben und die Überlegungen zu den Fußnoten wurden weder in HTML 3.2 noch in HTML 4.0 wieder aufgenommen.

Fußnoten sind sicher eine geeignete Aufgabe für die "Erweiterbare Auszeichnungssprache" (XML, Extensible Markup Language, s. (Referenz auf XML), die als Erweiterung von HTML vorgesehen ist. Sie wird wohl schon bald Wirklichkeit im Web-Alltag sein, doch noch ist es nicht so weit. Die hier vorgeschlagene Lösung mittels HTML wird aber maschinell in eine XML-Codierung überführt werden können, da Fußnoten eindeutig im HTML-Code erkennbar sind. NOTA: in XSL Erzeugung von Text an anderer Stelle auf späteren Zeitpunkt verschoben.

2.) Einige Überlegungen zu möglichen Anwendungen und ein Vorschlag zur Implementierung finden sich auch unten im Abschnitt 4.3.

3.) HTML fordert, daß name- und id-Attribute mit einem Buchstaben beginnen. S. ???.

4.) Die Konvention der Version 1.0, in der eine dreistellige Ziffernfolge gefordert wurde, gebe ich auf. M.E. wurde damit eine kleine Vereinfachung beim Programmieren von Tools und beim Einsatz von Suchfunktionen mit einer zu großen Fehleranfälligkeit des Quelltextes erkauft.

5.) Nur bei den UL und OL Listen wird Text und Ziffern vom Browser erzeugt. Ein Umgehen dieser Einschränkungen durch eine mit JavaScript gesteuerte Ausgabe von Text geht mir zu sehr auf Kosten der Klarheit und Kompatiblität des Dokuments. CSS level 2, dort * Kap. 12, erlaubt zwar die Zählung und Ausgabe von Zeichen, aber noch wird CSS 2 von keinem Browser unterstützt. Außerdem hätte der Autor beim Verzicht auf die explizite Zählung im Quelltext auch keinen Überblick mehr. Ich bleibe daher bei der expliziten Angabe im HTML-Quelltext.

6.) Selbstverständlich läßt sich mit geeigneter Software die Entscheidung zu einer Darstellungsform wieder rückgängig machen.


Aus: Grönemann, Olaf: Wissenschaftliches Publizieren mit HTML. (Version 2.0) (???1998-12-15). Online im Internet: URL: http://www.groenemann.com/wphtml.htm

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