Die erstellte Kollation soll nicht der wissenschaftlichen Beurteilung der Texttradition dienen, sie ist auch Ausgangspunkt der Edition. Hat der Editor sich ein Bild zur Bewertung der Textzeugen gemacht, dann kann die Edition beginnen. Sie läuft im wesentlichen so ab, wie bei der Erfassung einer neuen Handschrift, ja intern wird die Edition wie ein weiterer Textzeuge behandelt.
Wie bei einer Erfassung eines neuen Manuskript wird die Edition zunächst einer Handschrift oder den Lesarten der Mehrheit angeglichen und als "vorläufig" deklariert. Ansicht 1 zeigt den Zustand in diesem Stadium. Hier wird der Text von A zugrundegelgt. Der Editor hat die Worte bis einschließlich "generatione" wie üblich bestätigt und wird (rot markiert) auf die Addition des Wortes "est" im Manuskript S geführt. Er muß entscheiden, ob diese Variante in den Text übernommen wird, im kritischen Apparat zu verzeichnen ist oder ob sie für die Edition vernachlässigt wird.
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Dies könnte durch betätigen einer der Tasten "t", "a" oder "n" geschehen (text, apparatus, negligendum). Im Beispiel nehmen wir an, die Variante soll nicht verzeichnet werden. Das Programm markiert sie als solche und notiert im Apparat. Nach Eingabe von "n" würde das Programm den Text wie in Ansicht 2 darstellen. Die Variante wird mit "n" deklariert. (Andere könnten an derselben Stelle durchaus zur Verzeichnung im Apparat vorgesehen werden. Das Programm spaltet in diesem Fall den Apparat in zwei Teile auf: einen der im Apparat ausgegeben werden soll und einen, der in der Edition vernachlässigt wird. mit "
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Wichtig ist, daß diese Entscheidung bis auf weiteres sichtbar bleibt und keine Daten aus der Kollation gelöscht werden. Ebenso leicht, wie die Entscheidung getroffen wurde, soll der Editor sie bei einer Revision des Textes wieder rückgängig machen können.
Nehmen wir nun an, daß die folgende Variante im Apparat verzeichnet werden soll und die dritte in den Text aufgenommen wird, wobei die andere Lesart des Manuskripts, das als vorläufige Grundlage des Editionstextes diente, im Apparat verzeichnet wird. Ergebnis wäre eine Darstellung wie in Ansicht 3 geboten.
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Mit diesem Schritt ist dann die Datenbasis für die eigentliche Edition vorhanden. Auf das Quellenverzeichnis als zweiten Apparat wurde hier der Einfachheit halber verzichtet, er gehört natürlich dazu. Das Programm kann jetzt auf Knopfdruck eine Darstellung wie in Ansicht 4 erzeugen:
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Diese Daten werden dann in einem Satzprogramm für den Druck aufbereitet (Zeilen- und Seitenumbruch, Formatierung von überschriften und den hier nicht besprochenen Quellennachweisen), ebenso wäre vorläufig eine Konvertierung nach HTML zur Veröffentlichung im WWW denkbar, auf lange Sicht sollten aber die kompletten Daten ebenso wie eine Edition in XML gespeichert werden, damit Edition und Forschungsmaterial auch noch in 20 und 500 Jahren zugänglich sind. Eine eigene überlegung wert ist die Frage, ob in zukünftigen elektronischen Publikationen nicht nur die endgültige Edition, sondern auch die Kollation zugänglich sein sollte.
© 1998 Olaf Grönemann
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