Typographie
Blatt-Proportionen

Das Verhältnis von Breite und Höhe Ihres Blattes (bzw. der Hintergrundfläche Ihres elektronischen Dokumentes) hat großen Einfluß auf den Charakter Ihrer Gestaltung.
Assoziationen wie schlank, edel, breit, gedrungen oder großzügig kommen einem in den Sinn.

Schlanke Proportionen sind günstig, wenn man viel Text transportieren muß. Während breite Proportionen sich gut für die Wiedergabe von Bildern eignen.
Bei der Wahl der Blattproportion können Sie auf bewährte, klassische Verhältnisse zurückgreifen. (Die nachfolgenden Abbildungen werden wegen unterschiedlicher Bildschirmeinstellungen sicher etwas verzerrt wiedergegeben.)
Das amerikanische Format legal ist mit 1:1.65 einer der sehr schlanken Vertreter.
Der Goldene Schnitt verkörpert mit 1:1.618 die Proportion, die in der Natur am häufigsten vorkommt. Auch er läßt ein schlankes Blatt entstehen.
Etwas breiter kommen die Proportionen der mittelalterlichen Handschriften daher. Mit 1:1.50 hat sich dieses Modell bei der Buchgestaltung bis in die heutige Zeit bewährt.
Bei den DIN Formaten stehen Breite und Höhe immer im Verhältnis 1 zu Wurzel aus 2 (1:1.41). Eine sehr praktische und sehr deutsche Sache. Egal ob DIN A0 oder DIN A4, halbiert man das Blatt kommt immer wieder das Verhältnis 1:1.41 heraus.
Der typische Bildschirm bzw. die typische Grafikkartenauflösung liefert ein Verhältnis von 1:1.33.
Das amerikanische Briefformat letter wirkt mit 1:1.29 etwas gedrungener als der DIN A4-Geschäftsbrief.
Mit einem Verhältnis von 1:1.25 wird es dann richtig breit. Eine prima Wahl, wenn man viel Bildmaterial und Illustrationen unterbringen muß.
Papierformate

Um herauszufinden, wie groß das Blatt dann tatsächlich werden soll, könnte man folgende Überlegungen und Fragestellungen zu Rate ziehen:
- Wieviel Information muß transportiert werden? Geht es in Richtung Telefonbuch oder mehr in Richtung Visitenkarte?

- Müssen Details wie z.B. in einem Bildband wiedergegeben werden?

- Ist der Textinhalt fortlaufend wie z.B. in einem Roman oder sollen unterschiedliche Informationen nebeneinander stehen wie z.B. in Zeitungen und Zeitschriften?

- Welchen Auftritt will man haben? Eine Speisekarte kann im Restaurant großformatig aufliegen oder als einfacher Übersichtszettel vom Pizza Heimservice im Briefkasten landen.

- Wo wird das Dokument gelesen, spielt das handling eine Rolle? Vom handlichen Taschenbuch auf Reisen bis zum gewichtigen Lexikonband, der zu Hause auf dem Tisch aufgeschlagen wird, liegt ein weites Spektrum.

- Gibt es logistische oder technischen Vorgaben? Manchmal muß ein Dokument ja zwingend in einen Ordner oder Umschlag passen und ist damit formatmäßig schon festgelegt.
Wer kennt die DIN-Formate schon auswendig. Hier eine Übersicht.
Für die Gestaltung von Büchern gibt man als »Hausnummer für das Buchformat« oft die Höhe des Buchrückens an. Die Breite errechnet sich aus einem der oben aufgeführten Porportionsvorschlägen.
Die Bereiche für die Buchrückenhöhen haben ganz traditionelle Namen, die von der Anzahl der Druckbogenfalzungen abstammen.
Name Höhe[mm] Beispiel
Kleinoktav kl.-8° 100 - 185 typisch Paperback
Oktav 185 - 225 Paperback, Hardcover
Großoktav gr.-8° 225 - 250 Lexikonband
Quart 250 - 350 Diercke-Atlas
Folio 350 - 450 Da kommt der Foliant her
Großfolio gr.-2° 450... kaum noch zu halten


gedankenspaziergänge, ©Mai 1996
Michael Nicklas, 101531.2176@compuserve.com

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