Typographie
Schriftauswahl
Auf der Suche nach der »richtigen« Schrift kann man sich leicht im Jungel der zahlreich verfügbaren PostScript- und TrueType- Schriften verirren. Deshalb hier ein paar Punkte, die Ihnen vielleicht helfen, die Vielzahl zu reduzieren.
- Suchen Sie nach gut ausgebauten Schriftfamilien. Mit ihnen können Sie sehr flexibel gestalten ohne verschiedene Schriften zu mischen. Auf das Schriftmischen sollten Sie im Zuge guter Lesbarkeit verzichten.
Leider findet man häufig nur die vier Grundschnitte normal (regular), fett (bold), kursiv (italic) und fett-kursiv (bold italic) und das kann für viele Gestaltungsanforderungen zu wenig sein. normal, kursiv
fett,fettkursiv
Eine gut ausgebaute Schriftfamilie hat mehr zu bieten.
In der Klasse der Grotesk-Schriften gibt es dann zusätzlich die Schnitte leicht (light), halbfett (semibold oder demi), dreiviertelfett (medium) und extrafett (extra bold). Wobei jeweils die Kursive dazukommt. Manchmal existieren zusätzlich eng laufende Schnitte (condensed) in verschiedenen Dukten.
In gut ausgebauten Antiqua- Familien sind die leichten und extrafetten Schnitte fast nie zu finden. Dafür gibt es häufig einen Buch-Schnitt (book), einen eng laufenden Schnitt (condensed) und zahlreiche Erweiterungen der Schriftzeichen wie z.B. gemeine Ziffern, Kapitälchen und Ligaturen.
- Suchen Sie sich eine Schrift aus, die sauber gezeichnet und technisch gut umgesetzt wurde. Meiden Sie »junk fonts«. Am sichersten greifen Sie auf namhafte Hersteller wie Adobe/Linotype, Monotype, Berthold, Bitstream oder Agfa zurück. Dort haben Sie noch die größte Gewähr, daß hints und Dicktentabellen stimmen.
- Wählen Sie sich das passende Schriftdatenfornmat aus. Für die Druckvorstufe sollte Sie immer PostScript-Type-1 Schriften in Verbindung mit Adobe TypeManager verwenden. Belichtungsmaschinen »sprechen« PostScript.
In der Büroumgebung, für den privaten Hausgebrauch oder für reine Bildschirmdarstellungen sind TrueType-Schriften eine perfekte Wahl.
- Wenn Sie mit Ihrem Dokument viel Text transportieren müssen, dann sollten Sie wegen der besseren Lesbarkeit eine Antiqua als Grundschrift verwenden. (Times, Bembo, Baskerville, Garamond, Bell, Dante, Janson...)

Für Display-Aufgaben wie z.B.Präsentationsfolien, Schilder oder Plakate, eignen sich Groteskschriften oder auch Egyptienne meist besser. (Helvetica, Frutiger, Futura, Gill Sans, Rockwell...)

Es gibt sogar Schriften, die in beiden Bereichen zu Hause sind. Dazu könnte man die Stone und die Rotis zählen. In deren Schriftfamilie findet man serifenbetonte und serifenlose Schnitte.
- Für die Wahl der Schriftgröße hilft möglicherweise die nachfolgende Tabelle weiter:


6, 7, 8
points
Konsultieren
Texte, die nicht im normalen Sinne gelesen, sondern nur kurz konsultiert werden. Wie z.B. Fußnoten, Marginalien, oder Telefonnummern.
So etwa könnte
Text in einer
Konsultationsgröße
aussehen.
9, 10, 12
points
Lesen
Lesegrößen eignen sich für den Grundtext. Jenen Passagen, mit denen der Leser am längsten zu tun hat. Kleinere Schriftkegel erschweren die Lesbarkeit, größere nehmen zu viel Platz in Anspruch.
Für den fortlaufenden Grundtext sind 9 bis 12 points eine gute Wahl.
14, 16, 20,
24, 28 points
Schauen
In diesen Größen könnten Sie Überschriften setzen. Alles was wichtig ist oder auch auf größere Entfernung lesbar sein soll. Aber Vorsicht! Wenn große Schriften aus zu kurzer Entfernung gelesen werden müssen, dann kann man nur noch Buchstabieren.

Ein Titel, der
gleich in’s
Auge springt.



- Wenn Sie Worte oder Textteile hervorheben möchten, empfiehlt es sich, die Kursive zu verwenden. Der fette Schnitt ist meist zu wuchtig und erzeugt zu viel Unruhe im fortlaufenden Text.


- Was die Kosten angeht: der Preisverfall bei den Comupter-Schriften ist noch lange nicht zu Ende. Ein einzelner Schriftschnitt kostet z.Zt. zwischen 40,- und 80,- DM. Kauft man mehrere Schnitte im Paket oder greift auf Paket-Sonderangebot zurück, wird der Kauf sehr günstig.

Zudem kommen mittlerweile bei fast allen Gestaltungs- Programmen schon gleich ein ganze Menge hochwertiger Schriften mit. *CorelDRAW! ist so ein Fall.
Wenn Sie gleich mal schauen wollen, welche Schrift denn die richtige für Sie wäre, dann starten Sie doch einen Ausflug zu Adobe. Dort kann man sich mit dem type browser einen Überblick verschaffen. type browser

gedankenspaziergänge, ©Mai 1996
Michael Nicklas, 101531.2176@compuserve.com

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