Partiennachlese Saison 1997/98

Die beiden folgenden Partien wurden in der vergangenen Aufstiegssaison gespielt. Diese zwei Kurzpartien sind für den Sieger eher ungewöhnlich, da er seine Partien normalerweise im Endspiel (seinem besonderen Steckpferd) zu gewinnen pflegt. Aber nun lassen wir die Partien für sich sprechen.

1.d4 f5 2.Sc3 Sf6 3.Lg5 e6 4.e4 fxe4 5.Sxe4 Le7 6.Lxf6 Lxf6 7.Sf3 Sc6 8.Dd2 d6 9.0-0-0 De7 10.Lc4 Ld7 11.The1 0-0-0 12.c3 The8?

Martin Kersting - Thomas Weiland

Landesklasse 1997/98
Bad Sooden-Allendorf - Fulda 1:7

13.Seg5 Lxg5 14.Sxg5 Df6 15.Sxh7 Dg6 16.Sg5 d5 17.Ld3 Df6 18.f4 Te7 19.g3 Tde8 20.h4 Th8 21.Te3 Sd8 22.Tde1 Sf7 23.Sf3 Sh6 24.Dc2 Tf8 25.Sg5 Sf5 26.Lxf5 Dxf5 27.Dxf5 Txf5 28.Sxe6 Lxe6 29.Txe6 Txe6 30.Txe6 Kd7 31.Te5 g6 32.Txf5 gxf5 33.Kd2 1:0


Im folgendem letzten Kampf gegen Bebra hatte es Martin mit seiner Lieblingseröffnung als Schwarzspielender (Caro-Kann) zu tun. Man darf annehmen, daß seine Erfahrungen mit dem Caro-Kann besser waren, als die Lektion, die sein Bebraner Kontrahent erhielt.

1.e4 c6 2.c4 e6 3.Sc3 d5 4.exd5 exd5 5.cxd5 cxd5 6.d4 Sf6 7.Lg5 Le7 8.Sf3 0-0 9.h3 Sc6 10.Ld3 h6 11.Lh4 Le6 12.0-0 Ld6 13.Dd2 Lb4 14.Tac1 a6 15.Tfe1 Tc8 16.Lb1 Le7 17.a3 Se4? 18.Sxe4 Lxh4 19.Sc5 De7

Martin Kersting - Ondrej Springer

Landesklasse 1997/98
Fulda - Bebra 5:3

 

20.Dd3 g6 21.Sxe6 Tfe8 22.Sf4 Dd6 23.Sxg6 fxg6 24.Sxh4 1:0


Taktische Streiflichter

von und mit Martin Kersting

Diese Stellung ergab sich in der Partie

Burkhard Müller - Martin Kersting, Schnell-Schachmeisterschaft des SC Fulda am 4.9.98.

In der Partie folgte 1...Da7 2.Kc1 Sxe4! 3.fxe4 (3.Dxh7+ oder Dxf8+ usw. hätte das sofortige Matt verhindert, die Partie aber auch nicht gerettet.) (siehe Diagramm rechts) und nun übersah ich das elegante Matt 3...Da1+ 4.Kd2 Dd4+ 5.Ke2 Df2+! 6.Kd3 Tf3+ 7.Kc4 (7.De3 Txe3+ und weiter wie im Text.) Tc3+ 8.Kxb4 Dc5# und spielte stattdessen 3...Tf2?! um den weißen König den Fluchtweg abzuschneiden. Ein typischer Fehler: Ich hatte nur den zweiten Zug der Kombination gedanklich schon zurechtgelegt, ohne Alternativen zu prüfen. Plötzlich durchzuckte es mich, ich sah das Loch in der Kombination. Mit 4.La4! hätte Weiß das Matt verhindert. Schwarz hätte nach 4.....b3! allerdings immer noch Gewinnchancen. Burkhard spielte aber in hoher Zeitnot 4.La2? Da3+ 0-1


Eine Woche später trafen sich Burkhard und ich bei dem nächsten Schnellschachturnier wieder am Brett.

Burkhard Müller - Martin Kersting

Schnellschachmeisterschaft des SC Fulda

Diesmal hatte ich Gelegenheit, ein Standardopfer zu bringen, dessen Folgen aber bei richtiger Verteidigung sehr unklar gewesen wären. 1...Lxh2+ 2.Kxh2 Sg4+ 3.Kg3 (3.Kg1? Dh4) Dg5 Der übliche Plan. Beachtung verdiente aber auch 3...h5 Der weitere Vorstoß des Bauern läßt sich schwer verhindern, z. B. 4.Th1? Sxf2 5.Dxh5 Sxh1+ 6.Dxh1 Dg5+ 7.Kh2 Tf6! 8.Kg1 Th6. Deshalb mußte sich die weiße Dame dem Abzugsschach des gegnerischen Springers entziehen, z.B. mit 4.De2. Nach 4... h4+ 5.Kh3 habe ich für Schwarz bislang keine forcierte Gewinnvariante entdeckt. Auch nach 5.... Se3+ nebst Sxf1+ ist nicht klar, wer eigentlich besser steht. 4.Sf3? Die beste Verteidigungsidee wäre nun 4.Sxe4 Dg6 5.Sg5! gewesen und Schwarz müßte versuchen, mit dem vorgenannten Plan h7-h5-h4 die Korrektheit seines Opfers zu beweisen, da die Variante 5...h6 6.f3 hxg5 (6...Sf6 7.Se5!) 7.fxg4 Txf1 8.Dxf1 Dh6 taktisch hochinteressant, aber letztlich eher für Weiß vorteilhaft ist. Burkhard griff aber freundlicherweise fehl: 4...Txf3+! 5.Dxf3 Se3+ 0-1