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Die Wertvolle Katze

Finnisches Volksmärchen

Es war einmal ein reicher Bauernhof, wo in der Nacht immer das Glück pflügte, während die Leute selbst am Tag arbeiteten. Ein armer Mann sah, daß dort auch in der Nacht gepflügt wurde und ging fragen: 'Wer pflügt hier eigentlich?'

Er hielt zur Antwort: 'Das Gluck.'

Der arme Mann sagte: 'Wo ist denn mein Glück, das arbeitet nicht für mich, und ich muß arm sein?'

Das Glück vom reichen Hof sagte zu ihm: 'Dort liegt es rum in der Rübengrube!'

Da ging er hin zu der Grube und sagte: 'Was um Himmels willen tust du hier, ich muß arm sein, und du hilfst mir überhaupt nicht?'

Das Glück sagte: 'Tu du das, was ich kann, und da werde ich dir auch helfen.'

Er sagte: 'Was soll ich denn tun?'

'Du sollst Handel treiben, das kann ich tun, und da werde ich dir dann helfen.'

Er sagte: 'Womit soll ich handeln, wo ich doch kein Geld habe?'

Das Glück sagte: 'Nimm die Katze und bring sie in das Land, wo es überhaupt keine Katzen gibt!'

Er nahm die Katze, ging auf ein Schiff und segelte auf der Suche nach dem Glück in ein Land, wo es überhaupt keine Katzen gab. Und als er am Abend auf einem Bauernhof übernachten wollte, waren da viele Leute, und sie sagten: 'Wir haben keinen Platz, leer ist nur die Darre, dort aber befinden sich so viele Ratten und Mäuse, daß sie dich fressen werden!' Er aber hatte ja die Katze im Sack, so daß er die Ratten und Mäuse nicht fürchtete. Sie ließen ihn dann in die Darre, da er das wollte. Als er schlafen ging, ließ er die Katze frei, und die tötete so viele Mäuse und Ratten, daß am Morgen ein großer Haufen davon vor der Tür lag. Er aber schlief nur und wußte nicht, was die Katze tat.

Am Morgen kam einer vom Hof nachschauen, ob er Mann noch lebte, da es doch so viele Mäuse dort gab, daß sie ihn vielleicht gefressen hätten. Als er sah, daß die Katze auf der Brust des Mannes lag und scnurrte und daß von den Mäusen und Ratten ein großer Haufen vor der Tèr lag, lief er ins Haus und erzählte: 'Da ist ein Wundertier, das hat den Mann getötet und Ratten und Mäuse, einen richtigen Berg vor der Tür, und jetzt liegt es auf der Brust des Mannes und knurrt!' Sie liefen dann aus der Stube alle hin, um nachzuschauen. Da erwachte auch der Mann, und die Katze sprang ihm von der Brust. Sie fragten: 'Was ist das für ein Tier?'

Er sagte: 'Das ist eine Katze, und die tötet alle Mäuse und Ratten.'

Sie sagten: 'Verkaufe sie uns, guter Mann!'

Er sagte: 'Ich würde sie schon verkaufen, aber sie kostet soviel, daß ihr sie nicht kaufen könnt!'

Sie fragten: 'Was kostet sie denn?' Er sagte, so viel Silber, wie unten liegt, wenn er die Katze am Schwanz hochhebt und hängenläßt. Das machte dem reichen Bauern nichts aus. Sie brachten soviel Silber herbei, und der Mann zog immer noch mehr an dem Schwanz, damit der Haufen größer wurde.

Dann kam er mit seinem Silber nach Hause und begann zu handeln, und das Glück half ihm dann so, daß er bald reicher war als der reiche Bauernhof, nachdem er nun sein Glück getroffen hatte.

Jeder, der sein Glück nicht trifft, muß arm sein.


Finnische Volksmärchen
aus der Serie Die Märchen der Welt
© Eugen Diederichs Verlag, München 1998, ISBN 3-8298-0059-3

Decoration by Theodor Kittelsen
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Last modified on 14 February 2004