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Salomo's Katze

Schwedisches Märchen

Da war einmal ein König, der hieß Salomo, und er wohnte in der Stadt Jerusalem. Und dann war da noch'n andrer König, der hieß Hiram, und der wohnte in Tyrus. Und diese beiden Könige da, die waren gute Freunde und besuchten einander oft.

Und einmal, da war Hiram bei Salomo in Jerusalem, und die alten Kerle spielten Karten und tranken Kaffee und hatten nichts anderes als ein paar elende Talglichter zum Leuchten, und da sagte Hiram zu Salomo:

'Das ist aber'n Scheißlicht, dasde da hast', sagte er.

'Ach, ich hab schon auch bessere', sagte Salomo.

Und so ging er hinaus zu den Mädchen in der Küche nach ein paar Lichtern, und die waren so dick, daß er sie einfach nicht in einen von den Kerzenhaltern reinbrachte.

'Was wirste denn jetzt machen?' sagte Hiram.

'Ach, dass wirste schon sehn', sagte Salomo.

Und da machte er die Tür auf und brüllte aus vollem Hals, so laut er nur konnte:

'Stussbass! Stussbass!'

Und da kam so eine unchristlich große Katze rein, sprang auf den Tisch rauf und setzte sich auf ihren Hintern und nahm in jede Vorderpfote ein Licht. Und da saß sie so still wie ein Ölgötze und bewegte nicht einmal das Weiße im Auge.

'Das ist aber schon wirklich eine besondere Katze, diede da hast, mein lieber Salomo', sagte Hiram.

'Ja, das kann man schon sagen', sagte Salomo.

'Ja, aber ich kannse doch reinlegen und sie dazu bringen, daß sie die Lichter losläßt', sagte Hiram.

'Einen Scheißdreck kannste', sagte Salomo.

'Willste wetten, um eine Kanne Branntwein?' sagte Hiram.

'Na gut, also meinetwegen', sagte Salomo.

Und so wetteten sie. Und wie sie da spielten und sich miteinander unterhielten, da fuhr Hiram mit der Hand in seinen Hosensack und holte eine Maus heraus und ließ sie los – grad der Katze vor der Nase. Aber dieses Schandvieh da, die Katze, stell dir vor, die nahm die Maus nicht. Stell dir vor, die schob sie nur ein wenig zur Seite, und dann saß sie wieder da auf dem Tisch, genauso unbeweglich wie vorher. Und da lachte Salomo, daß ihm der Bauch wackelte, und da sagte er: 'Das war recht, Stussbass, bleib nur standhaft!'

Und so spielen sie weiter. Und wieder nach einer Weile, da fuhr Hiram noch einmal mit der Hand in seinen Hosensack und zog zwei Mäuse heraus und setze sie gerade der Katze vor der Nase. Und da war die wirklich schon ganz nahe dran, die Lichter gleich loszulassen, und es kribbelte direkt schon in ihr. Aber das war ein solches Schandvieh, diese Luder von einer Katze, daß sie die Augen zumachte, damit sie da nichts Schlimmes anstellt. Aber da geriet Hiram direkt außer sich vor Wut und grapschte mit beiden Händen in den Hosentaschen und zog einen ganzen Haufen Mäuse heraus und schmiß sie gerade auf die Katze. Und da konnte sie sich wirklich nicht mehr halten und schleuderte die Lichter von sich und sprang auf die Mäusen nach.

Und so gewann Hiram den Branntwein und trank ihn aus – das hättet ihr auch gemacht!


[Dialketaufzeichnung aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts von A. Wingstrand, aus den Bezirken Valle und Kinne, Västergötland. Der Schwank geht auf die Geschichte von Salomon und Marcolph zurück, die spätestens seit 1646 in Schweden Schillingdrucken verbreitet war.... Daneben gab es aber auch eine schwedische mündliche Tradition, der unsere Version angehören dürfte. Redaktion]

Schwedische Volksmärchen,
aus der Serie Die Märchen der Welt,
© Eugen Diederichs Verlag, München, 1998,
ISBN 3-8289-0041-0

Decoration by Theodor Kittelsen
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Last modified on 13 February 2004