Tonnenweise Hundekot auf Berlins Strassen ,

aber nur 26 Anzeigen

Polizisten fuerchten patzige Reaktionen der Halter / Die meisten sind uneinsichtig

BERLIN. Die Hauptstadt - eine Stadt der Blindenhunde? Wer als Passant auf Strassen, Plätzen und Wegen ständig Hundehaufen ausweichen muss, kann durchaus auf diese Idee kommen. Denn nur "blinde Fuehrhundhalter" sind nach dem Strassenreinigungsgesetz aus dem Jahr 1988 von der Pflicht befreit, die Hinterlassenschaften Ihrer Vierbeiner zu beseitigen. Die Realitaet aber sieht anders aus: Hundehaufen, wohin man blickt und tritt.

Mit der Schneeschmelze kamen die bis dahin tiefgefrorenen und dabei frisch gehaltenen ,,Tretminen" zum Vorschein. Wieviel Tonnen davon derzeit auf der Strasse liegen, weiss niemand. Aber taeglich kommen 20 Tonnen Hundekot dazu, errechnete die Umweltverwaltung. Eine inoffizielle Schaetzung der Stadtreinigung geht sogar von 40 000 Kilo taeglich aus, die von den 140 000 bis 150000 Hunden in Berlin hinterlassen werden. Auch dies ist nur eine Schaetzung von Fachleuten. Denn registriert und mit Hundemarke identifizierbar sind tatsaechlich nur knapp 95000 Hunde, fuer die jeweils 180 Mark Steuer pro Jahr entrichtet werden, 15,9 Millionen Mark insgesamt. Das Geld aber ist nicht fuer die Beseitigung der Hundehaufen vorgesehen..

Gegenueber dem tonnenhaften Kot auf Strassen, Wegen, Gruenflaechen und Kinderspielplaetzen nimmt sich die Zahl der Anzeigen geradezu laecherlich aus: 26 waren es 1995, die die zustaendige Ordnungsbehoerde mit jeweils 200 Mark ahndete. Dieses Jahr waren es erst sechs, sagt der zustaendige Mitarbeiter im Landeseinwohneramt: ,,Das sind aber nur die ganz harten Faelle. Nicht bekannt sei, wie viele Hundehalter nach polizeilichen Ermahnungen den Hundedreck wegraeumten oder an Ort und Stelle ein Verwarnungsgeld von 40 Mark bezahlten. Es sei sehr schwierig, einen Hundehalter auf frischer Tat zu stellen, sagte Polizeisprecher Hans-Eberhard Schultz. Nicht selten waehlten Hundehalter einen anderen Weg, wenn ein Polizist ihren Weg kreuzt. Er kennt aber auch die Probleme der Polizisten: ,,Sie druecken sich gerne, weil sie staendig patzige Antworten erhalten, wenn sie einen Hundehalter ermahnen", raeumt Schultz ein.

Da die meisten Hunde abends ausgefuehrt werden, wenn die Kontaktbereichsbeamten bereits Feierabend haben, liegt die polizeiliche Ueberwachung des Hundekotproblems ohnehin im argen. Und die Nachbarn der Hundehalter verzichten in vielen Faellen auf eine Anzeige, weil sie die gutnachbarlichen Beziehungen nicht aufs Spiel setzen wollen. ,,Die Mehrzahl der Hundehalter ist uneinsichtig gegenueber diesem Problem. Sie argumentieren, schliesslich bezahlten sie Hundesteuer," heisst es im Landeseinwohneramt. ,,So eine Unverfrorenheit", konterte eine wuetende Charlottenburgerin, die muehsam den stinkenden Hundedreck aus dem Profil ihrer Schuhsohlen kratzte: ,,Ich zahle fuer mein Auto viermal Steuern: Kfz-Steuer, Benzinsteuer, Versicherungssteuer und Mehrwertsteuer. Und wenn ich falsch parke, werde ich zur Kasse gebeten. Da kann man doch erwarten, dass Hundehalter sich ebenso korrekt verhalten, wie es vom Autofahrer verlangt wird, und die Polizei ebenso einschreitet, wie sie es bei Falschparkern tut".

Vor zwei Jahren kuendigte die Umweltverwaltung vollmundig eine ,,Hundepolizei an 40 ABM-Mitarbeiter sollten darauf achten, dass Hundehalter ihrer Beseitigungspflicht nachkommen. So laut die Ankuendigung seinerzeit war, so leise wurde die Realisierung vergessen.

Dabei steht die Gefaehrlichkeit von Hundekot der von Stadttauben nicht nach. Die Erreger von Hundespul- und Bandwuermern koennen auch auf den Menschen uebertragen werden. Trotzdem bleiben die Strassenmuelleimer der BSR weitgehend frei vom Hundedreck, obwohl der Tierkot dort entsorgt werden soll ,,Die Reaktion ist gleich null", sagt BSR-Sprecher Bernd Mueller. ,,Um des Problems Herr zu werden, muss von der Polizei strenger kontrolliert werden."