François Duc de La Rochefoucauld

französischer Schriftsteller (1613 - 1680)

François Herzog von, Prinz von Marcillac, französischer Schriftsteller, * 15. 12. 1613 Paris, † 17. 3. 1680 Paris; Offizier und Diplomat am Hofe Ludwigs XIV.; Gegner Richelieus und Anhänger der Fronde; seine "Maximen” 1665, deutsch 1906, sind psychologische scharfsichtige Aphorismen.

 

·         Es ist viel leichter, einen ersten Wunsch zu unterdrücken, als sich die Wünsche zu erfüllen, die der erste nach sich zieht.

·         Das Vertrauen gibt dem Gespräch mehr Stoff als Geist.

·         Wenn wir keine Fehler hätten, würden wir nicht mit so großem Vergnügen Fehler bei anderen entdecken.

·         Die Bescheidenheit ist wie die Enthaltsamkeit: man würde wohl gerne mehr essen, fürchtet aber, daß es einem übel bekommt.

·         Der Beifall, der neuen Größen gespendet wird, entstammt nur zu oft dem Neid auf die bereits vorhandenen.

·         Gekünstelte Einfalt ist eine feine Heuchelei.

·         Ein geistreicher Mensch wäre oft recht in Verlegenheit ohne die Gesellschaft der Dummköpfe.

·         In der Freundschaft wie in der Liebe ist man oft glücklicher durch das, was man nicht weiß, als durch das, was man weiß.

·         Wir lieben immer die Menschen, die uns bewundern. Aber nicht immer die, die wir bewundern.

·         Mit nichts ist man freigebiger als mit gutem Rat.

·         Würde ist eine körperliche Kunst, erfunden um die Mängel des Geistes zu verbergen.

·         Der Gleichmut der Weisen ist nichts als die Kunst, seine Erregung im Herzen zu verschließen.

·         Mit der wahren Liebe ist's wie mit den Geistererscheinungen: alle Welt spricht darüber, aber wenige haben etwas davon gesehen.

·         Man weist ein Lob zurück in dem Wunsch, nochmals gelobt zu werden.

·         Warum können wir uns an die kleinste Einzelheit eines Erlebnisses erinnern, aber nicht daran, wie oft wir es ein und derselben Person erzählt haben?

·         Aus manchen schwierigen Lebenslagen kann man sich nur mit ein wenig Tollheit retten.

·         Die Torheit begleitet uns in allen Lebensperioden. Wenn einer weise scheint, liegt es daran, daß seine Torheiten seinem Alter und seinen Kräften angemessen sind.

·         Oft verliert man sich nur deshalb nicht in einem Laster, weil man mehrere hat.

·         Die Philosophen verdammen den Reichtum nur, weil wir ihn schlecht gebrauchen.

·         Damit wir immer gut sein können, müßten die anderen glauben, niemals ungestraft gegen uns böse sein zu können.

·         Man gibt Ratschläge, aber die Ausführung bringt man keinem bei.

·         Man sollte sich darüber wundern, daß man sich überhaupt noch wundern kann.

·         Man kann schlauer sein als ein anderer, aber nicht schlauer als alle anderen.

·         Es ist beschämender, seinen Freunden zu mißtrauen, als von ihnen getäuscht zu werden.

·         Es gibt viele Mittel gegen die Liebe, aber keines ist unfehlbar.

·         Liebe und Klugheit sind nicht füreinander gemacht: Wächst die Liebe, so schwindet die Klugheit.

·         Man darf sich nicht kränken, wenn uns andere nicht die Wahrheit sagen, denn wir sagen sie uns oft selber nicht.

·         Greise geben gern gute Lehren, um sich zu trösten, daß sie nicht mehr imstande sind, schlechte Beispiele zu geben.

·         Wenn wir unseren Leidenschaften widerstehen, danken wir es mehr ihrer Schwäche als unserer Stärke.

·         Wir würden uns oft unserer schönsten Taten schämen, wenn die Welt alle Beweggründe sähe, aus denen sie hervorgehen.

·         Trennung läßt matte Leidenschaften verkümmern und starke wachsen.

·         Das beste Mittel, um getäuscht zu werden, ist, sich für schlauer zu halten als die anderen.

·         Kleine Fehler geben wir gern zu, um den Eindruck zu erwecken, wir hätten keine großen.

·         Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht.

·         Wie es das Kennzeichen großer Geister ist, mit wenig Worten viel zum Ausdruck zu bringen, so haben die kleinen Geister hingegen die Gabe, viel zu reden und nichts zu sagen.

·         Wir sprechen fast nur denen gesunden Menschenverstand zu, die unserer Meinung sind.

·         Jedermann beklagt sich über sein Gedächtnis, aber niemand über seine Urteilsfähigkeit.

·         Wenige sind weise genug, fördernden Tadel trügendem Lobe vorzuziehen.

·         Schmeichelei ist eine falsche Münze, die ihren Kurswert nur durch unsere Eitelkeit erhält.

·         Es gibt wenig Frauen, deren Wert ihre Schönheit überdauert.

·         Es gibt nur eine Liebe, aber tausend verschiedene Nachahmungen.

·         Die meisten Menschen haben wie Pflanzen verborgene Eigentümlichkeiten, welche der Zufall aufdeckt.

·         Trennung läßt matte Leidenschaften verkümmern und starke wachsen.

·         Die Liebe kann, wie das Feuer, nicht ohne ständigen Antrieb bestehen; sie hört auf zu leben, sobald sie aufhört zu hoffen oder zu fürchten.

·         Es ist die gleiche Festigkeit, mit der wir der Liebe zu widerstehen vermögen und durch welche diese erstarkt und dauert; daher sind schwache Menschen, die immer von Leidenschaften getrieben werden, fast niemals wirklich von ihnen erfüllt.

·         Die Trägheit unseres Geistes ist größer als die unsres Körpers.

·         Nichts hindert so sehr daran, natürlich zu sein, wie der Wunsch, es zu scheinen.

·         Die wahre Beredsamkeit besteht darin, das zu sagen, was zur Sache gehört, und eben nur das.

·         Alte Narren sind närrischer als junge.

·         Wir haben alle Kraft genug, um die Leiden anderer zu ertragen.

·         Schüchternheit ist ein Fehler, den man nicht tadeln darf, wenn man ihn heilen will.

·         Zu viel Fleiß im Kleinen macht meistens unfähig zum Großen.

·         Es erfordert größere Tugenden, das gute Geschick zu ertragen als das Böse.

·         Wir würden kaum etwas glühend verlangen, wenn wir das Verlangte ganz kennen.

·         Meister der Beredsamkeit ist der, der alles Nötige sagt und nur dies.

·         Manche Menschen gelten nur deshalb etwas in der Welt, weil ihre Fehler die Fehler der Gesellschaft sind.

·         Es ist schwerer, Gefühle, die man hat, zu verbergen, als solche, die man nicht hat, zu heucheln.

·         Was man auch Gutes über uns sagen mag: Man sagt uns nichts Neues.

·         Alle Fehler, die man hat, sind verzeihlicher als die Mittel, welche man anwendet, um sie zu verbergen.

·         An den Vorfahren kann man nichts ändern, aber man kann mitbestimmen, was aus den Nachkommen wird.

·         Aus manchen schwierigen Lebenslagen kann man sich nur mit ein wenig Tollheit retten.

·         Bescheidenheit ist eine Tugend, die man vor allem an anderen schätzt.

·         Bisweilen gehört nicht weniger Klugheit dazu, auf einen guten Rat zu hören, als sich selbst einen solchen zu geben.

·         Der höchste Beweis der Freundschaft ist nicht, einem Freund unsere Fehler, sondern ihm seine bemerkbar zu mach.

·         Der Ruin des Nächsten erfreut Freund und Feind.

·         Der Wunsch, klug zu erscheinen, verhindert oft, es zu werden.

·         Die Bescheidenheit ist wie die Enthaltsamkeit: man würde wohl gerne mehr essen, fürchtet aber, dass es einem übel bekommt.

·         Die wahre Beredsamkeit besteht darin, das zu sagen, was zur Sache gehört, und eben nur das.

·         Es gibt zweierlei Arten von Neugier: die eine aus Eigennutz, die uns antreibt zu erfahren, was uns nützen kann; die andere aus Stolz, die dem Trieb entspringt, zu wissen, was andere nicht wissen.

·         Es ist beschämender, seinen Freunden zu misstrauen, als von ihnen getäuscht zu werden.

·         Es ist ebenso leicht, sich selber zu täuschen, ohne es zu merken, wie es schwer ist, die anderen zu täuschen, ohne dass sie es bemerken.

·         Es ist leichter, anderen mit Weisheit zu dienen als sich selbst.

·         Gewöhnlich lobt man, um gelobt zu werden.

·         Man ist nie so lächerlich durch die Eigenschaften, die man besitzt, wie durch jene, die man zu haben vorgibt.

·         Man kann schlauer sein als ein anderer, aber nicht schlauer als alle anderen.

·         Man sollte einen Menschen nicht nach seinen Vorzügen beurteilen, sondern nach dem Gebrauch, den er davon macht.

·         Manche Menschen gelten nur deshalb etwas in der Welt, weil ihre Fehler die Fehler der Gesellschaft sind.

·         Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht.

·         Schüchternheit ist ein Fehler, den man nicht tadeln darf, wenn man ihn heilen will.

·         Was uns hindert, unsere Freunde auf den Grund unseres Herzens blicken zu lassen, ist gewöhnlich nicht so sehr Misstrauen gegen sie als gegen uns.

·         Wenn wir keine Fehler hätten, würden wir nicht mit so großem Vergnügen Fehler bei anderen entdecken.

·         Wer ohne die Welt auszukommen glaubt, irrt sich. Wer aber glaubt, dass die Welt nicht ohne ihn auskommen könne, irrt sich noch viel mehr.

·         Wer ohne jede Narrheit lebt, ist weniger weise als er glaubt.

·         Wer seine Gesundheit durch allzu strenge Lebensweise zu erhalten sucht, begibt sich damit in eine fortlaufende und langweilige Krankheit.

·         Wer sich zu viel mit dem Kleinen abgibt, wird unfähig für Großes.

·         Wir sprechen fast nur denen gesunden Menschenverstand zu, die unserer Meinung sind.

·         Wir trösten uns leicht über das Missgeschick unserer Freunde, wenn wir dadurch Gelegenheit haben, unsere Zuneigung für sie zu bekunden.

·         Zuviel Fleiß im Kleinen macht meistens unfähig zum Großen.

·         Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst

·         Heuchelei ist eine Huldigung, welche das Laster der Tugend darbringt.

·         In der Eifersucht steckt mehr Liebe zu sich selbst als zum anderen.

·         Man findet Mittel, den Wahnsinn zu heilen, aber keine, um einen Querkopf einzurenken.

·         Unsere Reue ist nicht so sehr ein Bedauern des Bösen, das wir getan haben, als eine Furcht vor den Folgen, die uns daraus entstehen könnten.

·         Kein Streit würde lange dauern, wenn das Recht oder Unrecht nicht auf beiden Seiten wären.