7. Schlussbemerkungen
Sollten alle begründeten und vorgeschlagenen Veränderungen unseres Steuersystems:
· volle Abschaffung der direkten Steuern, oder
· volle Abschaffung der Einkommensteuer und ihrer Satellitensteuern, oder nur
· Abschaffung der Einkommensteuer auf Arbeitseinkünfte, oder wenigstens
· Fühlbare Senkung der Einkommensteuer auf Arbeitseinkommen,
· Senkung der Bruttorenten durch steuerliche Freistellung
wegen der mangelnden Durchsetzbarkeit im Gesetzgebungsverfahren keine Chance haben, dann ist dem Wirtschaftsstandort Deutschland in den folgenden Jahren der "Aufholjagd" durch die Entwicklungs- und Schwellenländer und den befreiten Ostblock kaum noch auf die Beine zu helfen. Der Angebotsdruck durch billige und qualitativ stetig besser werdende, örtlich sehr flexible ausländische Arbeitskräfte nimmt ständig zu. Außerdem wird den Investoren von Seiten der Staaten mehr und mehr entgegengekommen, was die Industrieansiedlung, die Investitionshilfe und zeitlich begrenzte Steuerermäßigungen angeht, damit sie sich in den betreffenden Ländern Industrien ansiedeln.
Eventuell noch vorhandene Vorsprünge durch Infrastruktur und
Mitarbeiterpotentiale gehen nach und nach verloren.
Hier wurden verschiedene Modelle angeboten und zur Diskussion gestellt.
Angesichts einer Arbeitslosigkeit von zurzeit rd. 5 Millionen Menschen und einer daraus
resultierenden bisher nicht vorstellbaren Belastung der Staatskassen, ist es
zu einer Existenzfrage des demokratischen Staates geworden, den gegenwärtigen
Zustand zu verändern. Der Staat, der vorher viele Jahre lang mit Gesetzen zur
Ordnungspolitik, zur Sozialpolitik, zur Ökopolitik und anderem in die
"Soziale Marktwirtschaft" eingegriffen hat, hat im gegenwärtigen
"Notfall" auch das Recht und die Pflicht (zumal sich die Situation zu
einer staatsgefährdenden Krise zuzuspitzen scheint) einzugreifen. Ziel der zu
ergreifenden Maßnahmen muss es allerdings sein, die Staatskrise zu überwinden
und die Marktwirtschaft vor weiterem Schaden zu bewahren.
Die Regierung und die staatstragenden Parteien machen sich
schuldig, wenn sie jetzt nicht handeln bzw. wenn sie das notwendige Handeln in
dieser Situation zu verhindern suchen. Sie machen sich auch schuldig, wenn sie
zwar handeln, jedoch nicht die adäquaten Maßnahmen treffen, die die Situation
erfordert. Leider macht das, was die großen Parteien bisher geboten haben,
wenig Mut, an die bessere Einsicht und den "guten Willen" der
Parlamentarier und an die Handlungsfähigkeit der früheren und der jetzigen
Koalitionsregierungen zu glauben. Es ist wirklich unglaublich, dass dem
Gesetzgeber in der augenblicklichen Situation nichts anderes einfällt, als
ausgerechnet Steuererhöhungen ( Mehrwertsteuer)!
Haben Sie zu viel Negatives gelesen?
Im Grunde genommen nicht, denn diese Sicht der Staatsfinanzen
und ihrer Deckung zeigt doch auch Zukunftsperspektiven:
Wichtig ist, die Fehler des Systems zu erkennen. Gelingt dies,
dann ist es nur eine Frage der Zeit und des guten Willens, bis sie beseitigt
sind. Hoffen wir, dass sich aus diesem Anstoß kein Glaubenskrieg, sondern eine
fruchtbare Diskussion entwickelt.
Hier sind nur einige Eckpunkte aufgezeigt worden. Das Thema
ist umfassend und bedarf dringend der wissenschaftlichen Aufarbeitung, vor
allem aber der Quantifizierung der hier nur umrissenen geldmengenmäßigen Auswirkungen
einer Veränderung des Systems. Viele Konsequenzen der Systemänderung wurden
noch gar nicht angesprochen bzw. erkannt. Hoffen wir, dass kluge Interessierte
noch viele weitere Aspekte dieses Themas aufzeigen und damit zur Abrundung des
Gesamtbildes beitragen können.
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