Gegenwart und Geschichte der Türkisch Angora
Die Türkisch Angora ist eine weitgehend unbekannte Rasse. Obwohl eine der ältesten Katzenrassen, hat sie hierzulande eine bislang sehr kleine Fangemeinde. Was einerseits schade ist, hat andererseits einen großen Vorteil. Dieses Mauerblümchendasein hat sie, anders als manch populäre Rasse, bislang vor Überzüchtung und Degeneration bewahrt. Die wenigen Züchter dieser Rasse sind bemüht, durch weltweiten Austausch von Zuchttieren diese hervorstechende Eigenschaft zu erhalten. Dazu gehört auch immer wieder der Import sogenannter Foundationtiere aus der Türkei, die dort meist einer harten natürlichen Selektion unterliegen. Kein Hobbyzüchter bringt es übers Herz seine Lieblinge so grausam aber effektiv vor Degeneration zu bewahren, wie Mutter Natur dies tut. Umsichtig ausgewählte Importe sorgen auch dafür, daß sich das äußere Erscheinungsbild dieser Rasse nicht zu weit von ihrem türkischen Original entfernt, frische Originalblutlinien integriert, aber auch die Bemühungen um einen einheitlichen guten Standard nicht gefährdet werden.
Diese sehr alte Katzenrasse soll ursprünglich aus der Gegend des südlichen Kaukasus stammen und wurde durch Handelskarawanen weiterverbreitet. Sie bildet die Ahnen vieler heute wesentlich bekannterer Rassen, z.B. Norwegische Waldkatze, Maine Coon und nicht zuletzt auch die der Perserkatze. Einst eine beinahe unbezahlbare Kostbarkeit, verlor die Türkisch Angora genau wegen ihrer, keinem Extrem zugehörenden Eigenschaften, Anfang dieses Jahrhunderts schlagartig an Interesse. Sie war in der Türkei selten geworden und im Rest dieser Welt praktisch nicht mehr vorhanden. Als die türkische Regierung realisierte, daß ihre Nationalkatze akut vom Aussterben bedroht war, wurde die Rasse unter nationalen Artenschutz gestellt, die Ausfuhr weißer Tiere verboten.
Durch landesweiten Aufruf wurden weiße Türkisch Angoras von Privatleuten gesucht, die den staatlichen Tiergärten von Ankara und später auch Istanbul zur Zucht und der Arterhaltung dienen sollten. Dort wurde eine aus heutiger Sicht fatale, selektive Weißzucht betrieben. Doch auch hier half Mutter Natur, denn diese Weißzucht erwies sich als Sackgasse. Die gesünderen, nicht reinerbig weißen Tiere vermehrten sich erfolgreicher und so blieben die farbigen Varietäten erhalten, bis sie außerhalb der Türkei, zuerst in Amerika, danach auch in Europa die Anerkennung bekamen, die sie verdienen. Der Arbeit dieser Tiergärten verdanken wir jedoch, daß diese wunderbare Katzenrasse bis zu ihrer Wiederentdeckung erhalten blieb. In den 60er Jahren begann die Zucht in Amerika, in den frühen 80er Jahren in Deutschland. Die Ahnen der alten deutschen Zuchtlinien bilden Importe aus der Türkei und Amerika.
März 1998