Vorwort

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland nimmt stetig zu; schon bald werden mehr als fünf Millionen Menschen arbeitslos gemeldet sein. Im Zusammenhang mit der Suche nach wirkungsvollen Programmen zur Bekämpfung dieser enormen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Belastung nennen die politisch Verantwortlichen immer öfter den Begriff Informationsgesellschaft. Der Grund hierfür ist die Annahme, daß die Informations- und Telekommunikationstechnologien die Basisinnovationen des ausgehenden Jahrhunderts darstellen.1 Ähnlich wie bei den vorhergegangenen Basisinnovationen Dampfmaschine und Baumwolle (Beginn des 19.Jh.s), Eisenbahn und Stahl (ca. Mitte des 19.Jh.s), Elektrotechnik und Chemie (Beginn des 20.Jh.s) sowie die Petrochemie, Kunststoffe, Automobile und Flugzeuge (1945 bis Anfang der siebziger Jahre) werden von den Informations- und Kommunikationstechniken lang andauernde Wachstumsphasen, sogenannte Kondratieff-Zyklen, erwartet.2 Folglich werden die Staaten, die den Wandel zur Informationsgesellschaft frühzeitig umsetzen, also einen breiten Konsens in der Bevölkerung über den Wert der Informationsgesellschaft erreichen, insofern zu den Gewinnern zählen, als daß sie vom erwarteten Wirtschaftswachstum meistmöglich profitieren.

Wenngleich eine umfassende Darstellung der Veränderungen durch die Einführung der Informationsgesellschaft wünschenswert wäre, so muß sie doch im Hinblick auf die zu erwartende Vielfalt nicht nur im Rahmen einer Magisterarbeit als zur Zeit nicht durchführbar gelten. Die Informationsgesellschaft ist noch in ihrer Entstehungsphase, und zu viele Variablen beeinflussen derzeit ihre Entwicklung, als daß sie in ihrer Gesamtheit aufgeführt und angemessen umfassend betrachtet werden könnten. Wesentlich effektiver und nicht weniger interessant ist es jedoch, die Betrachtung der Organisation und der zu erwartenden Auswirkungen auf einen Teilaspekt der ´neuen Gesellschaft´ zu konzentrieren, da eine Fokussierung detailliertere Analysen ermöglicht und somit als Grundlage für zukünftige Gesamtbetrachtungen herangezogen werden kann. In diesem Zusammenhang ist das Thema dieser Arbeit zu sehen. Sie hat sich zur Aufgabe gestellt, Telearbeit in Deutschland als einen Aspekt der Informationsgesellschaft im Hinblick auf die arbeitsorganisatorischen Perspektiven aufzugreifen, also die entstehende ´neue Gesellschaft´ ganz speziell im Bereich einer neuen Arbeitsorganisationsform zu betrachten. Die in diesem Sinne begrenzte Analyse beschäftigt sich folglich mit der Informationsgesellschaft nur insofern, als sie Telearbeit als eine mögliche Form der Arbeitsorganisation dieser Gesellschaft begreift.

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© Bernd Wiedemann