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ü b e r d a s S c h r e i b e n
Noch 'ne Frage: Was machen Sie, wenn Sie Ihr schreiberischer Elan irgendwo hinführt, wo Sie eigentlich gar nicht hin wollten? Was zunächst gar nicht in Ihr bisheriges Konzept paßt?
Oh, ich liebe das! Wenn Figuren plötzlich Eigeninitiative entwickeln, sich die Geschichte in völlig andere Richtungen dreht, ganz Unerwartetes geschieht... Das ist eine erregende Sache, denn das heißt, daß die Figuren in diesem Moment so lebendig sind, wie das Romanfiguren nur sein können. Und ich respektiere diese Texte immer, nehme sie, wie sie geworden sind. Klar kann das für den Plot Probleme machen, aber das muß man eben anders hinbiegen. Oder das Buch geht eben anders aus als geplant, was soll's? Aber das sind Inspirationen, wenn man jemals welche hat, und man wäre schön blöd, die wegzuwerfen.
In den "Haarteppichknüpfern" ging mir das in etlichen Geschichten so. In "Der verlorene Haarteppich" am stärksten. Diese Geschichte war eigentlich völlig anders geplant, aber der arme Borlon drehte während des Schreibens immer weiter ab, und das war am Ende so stark, daß ich es so ließ, und heute ist es eine meiner liebsten Geschichten in dem Buch. Oder am Schluß, als sich Lamita in den alten Archivar verliebt - das hatte ich nicht geplant. Eigentlich schwebte mir vor, daß es umgekehrt sein sollte, daß er sie beeindrucken will mit seinem Wissen über die Haarteppiche. Aber als es dann anders kam, ließ ich es so, weil es mir schien, daß in dieser Wendung der Geschichte eine ganz eigene Logik steckt, die ich auch noch nicht ganz verstehe.
www.AndreasEschbach.com
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