Science-Fiction Schriftsteller Andreas Eschbach <<Vorige Frage
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Andreas Eschbach
ü b e r   d a s   S c h r e i b e n

 

 

Im aktuellen Spiegel steht ein Interview mit Donna Leon, in dem sie (mit anderen Worten freilich) sagt, daß sie die Geschichten wachsen läßt und sich vorher keinerlei Gedanken macht, was denn so passiert und wie es ausgeht.

    Jo, jo. Das glaubt sie vielleicht, aber das ist nicht so. Das heißt für mich nur, daß sie nicht mitkriegt, wie es in ihrem Unterbewußtsein schafft. Alle Geschichten sind Koproduktionen von Unterbewußtsein und Wachbewußtsein, und sie müssen es sein, sonst taugen sie nichts. Reine Unterbewußtseinsgeschichten sind unzugänglich, und reine Wachbewußtseinsgeschichten sind stinkfad. Der springende Punkt ist, daß beide Kooperationspartner einander mit Material und Anregungen füttern und aufeinander hören müssen - Kooperation eben.

    Ich habe bei derlei Äußerungen anerkannter Autoren immer das Gefühl, daß sie sich irgendwo auch stilisieren wollen. Nach dem Motto, "entweder man hat's, oder man hat's nicht, und ich hab's eben". Der Autor als Begnadeter, mit dem direkten Grad zu Gott - oder zur Quelle Aller Geschichten, je nachdem.

    Wobei ja auch etwas daran ist - daß man ein gewisses Talent braucht. Aber das braucht man auch zum Goldschmied oder zum Hirnchirurgen, bloß daß die kein solches Aufhebens davon machen. Wenn man mal dreißig Romane geschrieben hat: klar kann man dann den nächsten schreiben, ohne sich vorher groß Gedanken zu machen, und es wird trotzdem was - weil einem bestimmte Dinge eben schon so in Fleisch und Blut übergegangen sind, daß man gar nicht mehr bemerkt, wie man sie tut. Aber für Beginners kann diese Idee verheerend sein, weil die denken: "Wenn ich's 'hab', dann gelingt mir mein erster Roman auf Anhieb, ohne daß ich groß planen usw. muß." Und dann gelingt er nicht, weil erste Romane NIE gelingen (auch der von Donna Leon nicht), doch der Beginner schlußfolgert: "Ach, ich 'habs' eben einfach nicht."


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